Missbrauchsfall Lügde: Weitere grausame Details dokumentiert

Die Ermittler haben den Abschlussbericht im Missbrauchsfall Lügde an die Staatsanwaltschaft übergeben und sie auch anderen Prozessbeteiligten zugestellt.

Jürgen Mahncke

Erschüttert: Der Bielefelder Anwalt Peter Wüller arbeitet gerade die Anklageschrift durch. - © Sarah Jonek
Erschüttert: Der Bielefelder Anwalt Peter Wüller arbeitet gerade die Anklageschrift durch. (© Sarah Jonek)

Lügde. Die Ermittler haben den Abschlussbericht im Missbrauchsfall Lügde an die Staatsanwaltschaft übergeben und sie auch anderen Prozessbeteiligten zugestellt. Das bestätigte Rechtsanwalt Peter Wüller, der vier der Missbrauchsopfer in dem Fall vertritt, gegenüber dieser Zeitung. Wüller ist gerade dabei, die 1.000 Seiten starke Akte durchzuarbeiten, und sagt: "Es ist unfassbar, was sich in Lügde in den letzten 30 Jahren zugetragen hat". Denn so weit reichen die Taten zurück, die dem Hauptbeschuldigten Andreas V. zur Last gelegt werden.

V., heute 56 Jahre alt, soll laut Ermittlungen insgesamt 28 Kinder und Jugendliche missbraucht haben, Mittäter Mario S. (34) wird der Missbrauch von 18 Opfern vorgeworfen. Die Zahl ist so hoch, dass Wüller noch immer fassungslos ist: "Es ist für mich unvorstellbar, dass niemand auf dem Campingplatz, auf einem so begrenzten Areal, etwas mitbekommen hat von diesen Straftaten." Andreas V., arbeitslos, hatte seit Jahren ein Pflegekind bei sich auf dem Campingplatz. Seine kriminelle Geschichte reicht aber, falls sich die Vorwürfe der Ermittler bestätigen, sehr viel weiter in die Vergangenheit zurück.

"Es wird einem schlecht"

Anwalt Wüller hat trotz seiner langen Erfahrung als Verteidiger und Opferanwalt in Strafsachen Mühe, die Details emotional auszuhalten: "Es wird einem schlecht, wenn man das liest." Die Taten, die geschildert werden, sind zum Teil so grausam, dass man sie hier nicht wiedergeben kann. Wüller: "Auf dem Platz fanden Missbrauchstaten jeglicher vorstellbarer Art statt. Das beinhaltete auch, dass Kinder untereinander den Geschlechtsverkehr vollziehen mussten und dabei gefilmt wurden." V. soll dabei zum Teil sehr gewaltsam vorgegangen sein.Die Staatsanwaltschaft Detmold und die Polizei Bielefeld teilten der Presse lediglich gemeinsam mit: "Auskünfte zu Vernehmungen und deren Inhalten werden aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht erteilt."

Info
• Die nordrhein-westfälische Landesregierung will die Zahl der Ermittler gegen Kinderpornografie im Landeskriminalamt (LKA) mehr als verdoppeln. Bislang sind zwölf Beamte vorwiegend mit der Sichtung und Bewertung von Fotos und Filmen mit kinderpornografischem Inhalt zuständig, wie der „Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet. In Kürze sollen es 32 sein. Die Stellenausweitung habe Innenminister Herbert Reul (CDU) bereits im Herbst 2018 angeordnet, also vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals von Lügde.
Reul: „Kinderpornografie ist inzwischen ein Massenphänomen, das wir noch viel stärker bekämpfen müssen als bisher. Das ist mir ein persönliches Anliegen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.