So sahen die Bielefelder Nachtansichten aus

56 Kultureinrichtungen sind mit kreativen Ideen am Start, einige sind neu dabei. Das Wiesenbad verandelte sich dabei unter anderem in eine Konzertbühne.

Ariane Mönikes

Hingucker: Der Mix aus Licht, Videoeffekten und Musik im Wiesenbad. - © Barbara Franke
Hingucker: Der Mix aus Licht, Videoeffekten und Musik im Wiesenbad. (© Barbara Franke)

Bielefeld. Die Bielefelder strömten am Samstag zu den Nachtansichten. 56 Kulturorte konnten die Besucher ab 18 Uhr ansteuern. Die Nacht zählt zu den aufwendigsten Kulturevents in OWL, die Stadt verwandelt sich wie in jedem Jahr in ein Lichtermeer. Hier sind die Highlights:

Das Telekom-Parkhaus erwacht aus seinem Schlaf

Ein schöner Anblick ist das Telekom-Hochhaus am Kesselbrink gewiss nicht. Und auch die Ladenlokale standen lange leer. Jetzt tobt dort das Leben. Die Offenen Ateliers Bielefeld zeigen in den Schauräumen die Ausstellung "23 auf einen Streich". Es ist voll am Abend. Niko Schröder schaut sich ein Bild von Katharina Blömer an und hält es mit dem Smartphone für die Ewigkeit fest. Auch Sabine Schnittker hat sich diesen Ort ausgesucht. Sie ist begeistert. Besonders die Vögel im Schauraum haben es ihr angetan. Künstlerin Katharina Blömer ist froh, dass die Offenen Ateliers die Räume unterm Parkhaus nutzen können. „Solche Möglichkeiten sollten Künstler öfter bekommen."

Das Kunstforum Hermann Stenner öffnet die Pforten

Mitte Januar eröffnete das Kunstforum Hermann Stenner. Die Schlange vor dem Haus reicht am Abend bis auf die Straße. Neben den Bildern des berühmten Künstlers hat sich das Forum tolle Aktionen für die Besucher einfallen lassen: Sie schauen sich durch einen Luftballon an und malen sich gegenseitig mit einem Stift drauf, wie Sibylle und Dieter Mormann. Andere machen ein Selfie mit Stenner aus Pappe. Angela Terbrack, Leiterin Bildung und Vermittlung im Forum, freut sich, dass die Aktionen so gut angenommen werden. Viola Hildebrand und Hans-Dieter Schat aus Frankfurt sind fasziniert von den Stenner-Bildern. „Sehr schön."

Spektakuläre Show im Wiesenbad

Baden ist hier (noch) nicht angesagt: Stattdessen verwandelt sich das Wiesenbad in eine Konzertbühne. Von der Tribüne aus erleben die Besucher eine musikalisch inszenierte Lichtshow, alles unter dem Motto „In the Eye of Rock’n’Roll Hurricane". Wir werden in das Jahr 1968 entführt, das die Effektspezialisten von "Tour Service Lichtdesign" aus Halle lebendig werden lassen: mit den Zeitdokumenten des Fotografen Neal Preston, dessen seltene Aufnahmen von Rockstars aus den 60er Jahren auf eine Zehn-Meter-Leinwand projiziert werden. Die hängt natürlich hoch am Zehn-Meter-Turm. 180 Scheinwerfer rund ums Becken und LED-Videoflächen auf den Wiesenflächen illuminieren – begleitet vom Sound der 60er – die Bilderfolge. Die Schwestern Gabriele Brandis und Christina Carl sind begeistert von der Show. Sie hatten es direkt zur ersten um 21 Uhr geschafft. „Sie hätte aber auch gerne länger laufen können", sagt Brandis.

Illuminiert: Das Alte Bielefelder Rathaus. - © Barbara Franke
Illuminiert: Das Alte Bielefelder Rathaus. (© Barbara Franke)


Das Kulturhaus zeigt sich

Eine irre Leistung: 100 Kreative haben im April im ehemaligen FH-Gebäude an der Werner-Bock-Straße ihre Ateliers eröffnet. 40 Atelier- und Gemeinschaftsräume sind dort auf mehr als 2.000 Quadratmetern entstanden. Es ist das erste Mal, dass die "Initiative Kulturhaus Bielefeld" bei den Nachtansichten dabei ist. Zu sehen gibt's an diesem Abend Arbeiten von Fotografie und Malerei über Druck, Skulpturarbeit und Digitale Kunst, aber auch Klangkunst, Tanz und Theater. Schon kurz nach der Eröffnung ist es hier voll. Dirk Topel und Sohn Niclas Topel haben einen Raum im Kulturhaus angemietet. Vater Dirk stellt dort seine Fotografien aus. Sie zeigen die Firma Windel, einen Bahnübergang oder auch ein Haus an der Bleichstraße. „Es war schon jemand da, der meine Bilder kaufen wollte", sagt Topel. Verkauft aber wird an diesem Abend nichts.

Das Alte Rathaus wird zum Kunstwerk

Spannend wird's auch am Alten Rathaus. Die Rathaus-Fassade wird zu einer interaktiven Videofläche. Eine Art Mitmach-Erlebnis. Denn: Wenn Besucher über eine Fläche am Boden gehen, wird das dort entstehende Bild auf eine Fassade projiziert.

Die Manufaktur Engelsbrücke lockt in die Mauerstraße

Foto- und Grafikdesigner zeigen hier, was sie drauf haben. Und das ist eine ganze Menge. Für die Nachtansichten haben Susanne Freitag, Bärbel Helms, Sandra Kreutzer und Tamara Pribaten kreative Ideen umgesetzt. Unter dem Titel "heiter bis wolkig" werden Hof und Tiefgarage des Gebäudes miteinbezogen. In der Tiefgarage bekommen die Besucher besonders viel geboten: Sie können ihren Kopf in Wolken stecken und abschweifen. Zu sehen gibt's Menschen, die ebenfalls in Wolken stecken. Eine sehr gelungene Installation.

Im Altstädter Kirchpark ist's mystisch

Mystisch wird es im Kirchpark. Stahlkünstler Hans Kordes erzeugt mit seinen „Mondansichten" mitten in der Stadt die Illusion lebendigen Tierlebens. Dazu installiert Kordes Stahlschnitte verschiedener Wildtiere vor einem beleuchteten Mond. In der Altstädter Nicolaikirche gibt es A-Capella-Gesang von Vierweiberei. Aber nicht nur das: Pianist Yongkyu Lee begeistert die Besucher am Flügel. Der Kirchraum ist atmosphärisch beleuchtet, die Bänke sind gefüllt. Ein toller Ort!

Spaß in der Fotobox

In der Fotobox an der Niedernstraße lassen sich an diesem Abend etliche Besucher fotografieren. So wie Sabine Nolting aus Steinhagen. Als Hintergrund-Motiv gibt’s die Sparrenburg, die Kunsthalle und die englische Telefonzelle.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.