Wald wieder extrem trocken: Feuerwehr und Forstleute fürchten neuen Dürresommer

Erste Waldbrände wurden auch in der Region registriert. Fortstamtsleiter: "Wald geht mit halbvollen Akkus in den Sommer." Bodenfeuchte immer noch kritisch, Schauer bringen kaum Entlastung

Dirk Müller

Symbolbild: Wegen der extremen Trockenheit fürchten Forstexperten und Feuerwehren wieder erhöhte Waldbrandgefahr. - © Pixabay
Symbolbild: Wegen der extremen Trockenheit fürchten Forstexperten und Feuerwehren wieder erhöhte Waldbrandgefahr. (© Pixabay)

Offenbach/Bielefeld. Bei anhaltender Trockenheit könnte Deutschland nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. „Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach.

Auch die Forstämter sind angesichts der Trockenheit der Waldböden in größter Sorge. Holger Raguse, als Leiter des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe mit Sitz in Minden für die Kreise Minden-Lübbecke, Lippe, Herford, Gütersloh und Bielefeld zuständig, benutzt ein technisches Bild, um die Lage zu beschreiben: "Angesichts der unzureichenden Niederschläge geht der Wald mit halbgeladenen Akkus in den Sommer!"

"Kleinere Feuer hatten wir hier auch schon"

Wenn der Sommer 2019 so trocken werde wie der vergangene, dann werde es für den Wald auch in Ostwestfalen-Lippe sehr ernst, sagt Raguse. "Und das gilt nicht nur für unsere Problembaumart Fichte, sondern zunehmend auch für die heimischen klassischen Laubbaumarten", so der Forstfachmann. Das geschwächte Immunsystem der Bäume mache sie anfällig für Schädlinge und Parasiten; Raguse nennt den Borkenkäfer, aber auch die Käferarten Kupferstecher und Buchdrucker.

Die Gefahr von Waldbränden sieht Raguse nicht nur für trockene Gebiete im Osten Deutschlands: "Kleinere Feuer hatten wir hier auch schon." Er appelliert an die Bevölkerung, aufmerksam zu sein: "Natürliche müssen Rauchverbot und Feuerverbot im Wald eingehalten werden", warnt er. Eine besondere Gefahr gehe zudem von den häufiger auftretenden starken Winden aus, die aus eine weggeworfenen Kippe schnell einen Flächenbrand entfachen könnten. Gemeinsam mit der Feuerwehr bereiten sich die Männer und Frauen des Forstbetriebes auf ernste Lagen vor, Wasserentnahmestellen und Zuwege werden überprüft.

Dramatisches Bild in den östlichen Bundesländern

Der Deutsche Wetterdienst malt besonders für die Östlichen Bundesländer ein noch dramatischeres Bild. Selbst wenn es noch viel regnen sollte, bleibt die Bodenfeuchte den Schätzungen zufolge bis in den Sommer hinein unter dem vieljährigen Mittelwert. „Die Startbedingungen für die Vegetation sind 2019 in vielen Gebieten Deutschlands deutlich schlechter als im Vorjahr."

Ein Dürresommer würde diesmal nicht nur die Landwirtschaft erneut hart treffen, sondern auch die Forstwirtschaft, schätzt der DWD. Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Regionen in Deutschland heimgesucht.

Bei Saaldorf in Thüringen haben Helfer ihren seit Tagen andauernden Kampf gegen einen größeren Waldbrand fortgesetzt. Unter anderem sollten Höhenretter der Geraer Feuerwehr die Löscharbeiten in dem unzugänglichen Steilhang unterstützen, teilte der Landkreis Orla-Saale-Kreis mit. Dort brennt es seit drei Tagen auf einer Fläche von schätzungsweise 15 Hektar. Wind facht das zwischenzeitlich gelöschte Feuer immer wieder an, Gebäude oder Menschenleben sind aber nicht gefährdet. Nach Angaben des Landkreises sollte im Laufe des Mittwochs auch über den neuerlichen Einsatz eines Löschhubschraubers entschieden werden.

Feuerwehr: Zu wenig Hubschrauber mit Außentanks verfügbar

Angesichts der Trockenheit und der hohen Waldbrandgefahr fordert der Deutsche Feuerwehrverband mehr Löschhubschrauber in Deutschland. Helikopter mit Außenlastbehältern seien für die Brandbekämpfung sinnvoll, sagte Verbandspräsident Hartmut Ziebs der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Das ist ein vielfach praktiziertes Verfahren, scheitert aber manchmal an der Zahl der verfügbaren Hubschrauber." Die größten Wasserbehälter fassen nach seinen Angaben 5.000 Liter und können nur von Helikoptern der Bundeswehr vom Typ CH-53 geflogen werden. „Die sind aber nicht immer verfügbar. Hier müsste die Bundeswehr ein paar mehr Hubschrauber vorhalten", sagte Ziebs.

Grundsätzlich hält Ziebs die deutschen Feuerwehren für gut ausgerüstet, um Waldbrände zu bekämpfen. Der Verbandspräsident appellierte aber an Bürger, kein offenes Feuer im und am Wald zu entfachen und in Waldnähe nicht zu rauchen. Autofahrer sollten zudem ihren Wagen nicht auf Wiesen abstellen. „Die heißen Katalysatoren können eine trockene Wiese in Brand setzen."

"Monokulturen werden mittelfristig scheitern"

Aus Sicht eines Waldexperten muss der „Wald der Zukunft" vielfältig sein, um möglichen Waldbränden Paroli bieten zu können. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung sagte. „Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern."

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