Maus im Aldi-Gefrierschrank: Gütersloher hat seit Neukauf ein Ungezieferproblem

Ein Aldi-Kunde fängt sich beim Kauf eines Gefrierschrankes ein tierisches Problem ein. Selbst der Kammerjäger kann es nicht lösen

Ludger Osterkamp

Schmutz: An vielen Stellen finden sich Spuren von Mäusekot in der Wohnung. - © Andreas Frücht
Schmutz: An vielen Stellen finden sich Spuren von Mäusekot in der Wohnung. (© Andreas Frücht)
Einwandfrei: Aldi stellte umgehend einen Ersatz-Gefrierschrank bereit. - © Andreas Frücht
Einwandfrei: Aldi stellte umgehend einen Ersatz-Gefrierschrank bereit. (© Andreas Frücht)

Gütersloh. Am 4. Januar kaufte Polat Hüner beim Aldi an der Hans-Böckler-Straße einen Beutel Mandarinen für 1,27 Euro, einige Bananen für 0,96 Euro und einen Gefrierschrank der Marke Quigg für 80 Euro. Was er nicht wusste: Mit der Gesamtrechnung hatte er auch zwei Mäuse erstanden. Eine davon macht ihm nun das Leben schwer.

„Ich bin fix und fertig", sagt der 59-jährige Gütersloher. Zwei Stunden täglich bringe er mit Staubsaugen und Wischen zu, nachts schlafe er schlecht, tagsüber sei er in ständiger Sorge, die Maus gehe an die Küchenvorräte. Seiner Familie gehe es kaum besser.

Zwei Nager haben in der Verpackung gelebt

Die beiden Nager hatten es sich in der Kartonverpackung des Gefrierschranks gemütlich gemacht. Sie hatten die Kabel angefressen, die Pappe angenagt, ihren Kot hinterlassen, und als sie in Hüners Wohnung die Gelegenheit erkannten, eine neue Umgebung zu erkunden, machten sie Gebrauch davon. Eine der Mäuse konnte Hüner schnappen, doch die andere entwischte. Spuren und Köttel verraten, dass sie gut in der Wohnung herumkommt.

1.000 Euro hat Aldis Versicherung inzwischen angeboten. Lächerlich wenig, findet Hüner. Er zeigt auf Bissschäden am Sofa, auf Löcher unterm Polster eines Sessels, auf Spuren in seinem Vorratsschrank und Kot hinter der Bodenleiste seiner Küchenzeile. Und er holt die Rechnung eines Kammerjägers hervor: 641,41 Euro. Viermal, so steht es dort, rückte der Jäger zur „Akutmaßnahme Hausmäuse" an, verteilte zehn Spezialboxen, doch alle blieben leer.



Die Firma zu bestellen, hatte sich Hüner in Absprache mit Aldi getraut. Wie überhaupt sich der Konzern anfangs entgegenkommend gezeigt habe. Hüners Frau war tags nach dem Kauf zurück an die Hans-Böckler-Straße gefahren, hatte die Gefriertruhe mit den kaputten Kabeln präsentiert, hatte das Verständnis von Verkäuferin und Teamleiterin gefunden und war mit einem neuen, einwandfreien Ersatzgefrierschrank nach Hause gefahren. „Es war vollkommen in Ordnung, wie die mit uns umgegangen sind", sagte Hüner. Aldi habe zugesichert, für die Kosten des Kammerjägers aufzukommen, und die Familie sei zuversichtlich gewesen, dass sich das Mäuseproblem damit bald erledigt hätte.

Der Kammerjäger kann die Maus nicht vertreiben

Doch das Gegenteil trat ein: Der Maus wurde es zunehmend wohl im Haus. Sie ignorierte alle Fallen, fing an, auch die anderen Räume zu erkunden, krabbelte vor den Augen der Familie in den Rollokasten und gelangte wie auch immer in Schränke, die als fest verschlossen galten. „Es ist ein einziger Alptraum", sagt Hüner. Gift, die radikale Variante, mag er dennoch nicht auslegen: Im Haushalt lebt ein Husky. Und weil der sich nicht mit Katzen vertrage, scheide auch diese Methode aus.

Eine Aldi-Sprecherin teilte mit, das Unternehmen könne sich zu laufenden Regulierungen der Versicherer nicht äußern. Man bitte um Verständnis. Für Aldi habe das Wohl der Kunden oberste Priorität. Sie könnten sich auf das Leistungsversprechen – beste Qualität zum besten Preis – verlassen und mit der Qualität der Produkte rundum zufrieden sein. Sollte das einmal nicht der Fall sein, biete Aldi eine unkomplizierte Umtausch- und Garantieregelung an.

Die Versicherung von Aldi hatte Hüner in ihrem Schreiben mitgeteilt, bei Haftpflichtschäden bestehe lediglich ein Anspruch auf Zeit-, nicht auf Neuwerterstattung. Der Schaden am Sofa könne allenfalls als Wertminderung berücksichtigt werden. „Im Sinne einer abschließenden Schadenbearbeitung" biete man 1.000 Euro als Gesamtabfindung an. Dieses Angebot sei „sehr entgegenkommend". Hüner solle eine „Abfindungserklärung" unterschreiben, die beinhaltet, „dass damit sämtliche Ansprüche endgültig und vollständig abgegolten sind, und zwar unabhängig davon, ob sie schon entstanden sind oder noch entstehen werden, ob sie vorhersehbar sind und ob alle Folgeschäden in die Vorstellung der Beteiligten einbezogen sind."

Hüner sagt, er denkt nicht daran, diese Erklärung zu unterschreiben. Er ist zum Anwalt gegangen.

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