Verunglückter muss im Bielefelder Klinikum fünf Tage auf OP warten

Sebastian Kaiser

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Bielefeld. Aufgrund von Herzschmerzen hatte ein Hausarzt eine 86-Jährige ans Klinikum Mitte überwiesen. Fünf Stunden lang musste die Seniorin in der Notaufnahme sitzen, bis sie untersucht wurde. Sogar fünf Tage lang musste ein junger Radfahrer auf seinen OP-Termin warten. Er war nach einem Sturz per Rettungswagen in das Krankenhaus eingeliefert worden.

"Es wurde ein mehrfacher Schlüsselbeinbruch festgestellt. Aber ich wurde wieder nach Hause geschickt", klagt der Bielefelder. "Mir wurde erklärt, es handele sich nicht um einen Notfall. Die Operation könne auch später durchgeführt werden." Er wurde für den nächsten Tag einbestellt. "Es gab dann ein Vorgespräch zur OP, ein Gespräch mit dem Anästhesisten und eines auf der Station ", berichtet der Mann. "Doch danach hieß es, dass die OP erst in fünf Tagen stattfinden würde."

"Ich hatte die Faxen dicke"

Fünf Tage später stellte er sich um 6 Uhr morgens nüchtern in der Klinik ein. Erst wartete er neun Stunden lang auf dem Flur, dann auf einem Zimmer. Niemand habe sich um ihn gekümmert. "13 Stunden später hatte ich die Faxen dicke", berichtet der Mann. Er verließ das Krankenhaus auf eigenes Risiko.

Trotz anhaltender Schmerzen wollte er sich nun ein anderes Krankenhaus suchen. Zudem wandte er sich an die Beschwerdestelle der Klinik und an die Zeitung. Das hatte Erfolg. "Der Chefarzt der Unfallchirurgie hat ihn persönlich angerufen, sich entschuldigt und kurzfristig einen OP-Termin vereinbart", berichtet Klinik-Sprecher Axel Dittmar.

OP musste wegen mehrerer Notfälle verschoben werden
Er räumt ein: "Dem Herrn ist der Behandlungsablauf offenbar nicht richtig erläutert worden. Es gab Kommunikationsfehler." Außerdem habe es am Tag der vereinbarten OP eine Reihe von akuten Notfällen gegeben. Dadurch hätte die OP des Mannes immer wieder nach hinten geschoben werden müssen. Das sei nicht zu verhindern gewesen. Doch man hätte sich besser um den Mann kümmern müssen.

Zerknirscht zeigt sich der Krankenhaus-Sprecher auch in einem weiteren Fall. Eine Bielefelderin hatte ihren Vater zur Entfernung eines Lymphknotens in die Klinik gebracht. Der Eingriff verlief erfolgreich. Doch die Frau, selbst in der Pflege tätig, kritisiert "massive Missstände".

Frau beklagt mangelnde Hygiene

Da kein Anästhesist für die zuvor besprochene Vollnarkose verfügbar gewesen sei, sei nur unter lokaler Betäubung operiert worden. Zudem kritisiert die Frau mangelhafte Hygiene: "Anschließend wurde mein Vater mit der frischen Wunde auf ein Zimmer gelegt, in dem sich ein weiterer Patient befand, dessen Urinbeutel ein Leck hatte. " Auf ihre Beschwerden hin hätte eine gestresste Schwester sehr unwirsch reagiert.

"Die Umstände des Aufenthalts waren nicht erfreulich", sagt Axel Dittmar. Es habe Abstimmungsprobleme gegeben. Für die Narkose gebe es zwei Varianten, die dem Patienten erklärt worden seien. Die zugesagte Vollnarkose sei jedoch nicht erfolgt. Das Krankenzimmer sei "formal in Ordnung gewesen", dort habe es keine direkte Infektionsgefahr gegeben. Allerdings sei der "burschikose Ton" einer Schwester auf der Station nicht angemessen gewesen.

"Kommen unseren gesetzlichen Verpflichtungen nach"
"Wir können das nur bedauern und uns entschuldigen", sagt Dittmar. Er betont jedoch: "Das Personal ist ausreichend, wir kommen unseren gesetzlichen Verpflichtungen nach." Bei den Beschwerden handele es sich um Einzelfälle, die leider vorkommen könnten.

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