Brexit: OWL-Unternehmen fürchten Millionenkosten

Nur noch jedes siebte ostwestfälische Unternehmen ist mit den Beziehungen zu Großbritannien zufrieden. Rund 18 Millionen Zolldokumente müsste die deutsche Wirtschaft ausfüllen

veröffentlicht

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Bielefeld (HK). Der bevorstehende Brexit treibt den heimischen Unternehmern tiefe Sorgenfalten auf die Stirn. Das zeigt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen unter Unternehmen mit Geschäftsverbindungen zu Großbritannien. Nicht einmal mehr jedes siebte der befragten Unternehmen bewertet seine Geschäfte im Vereinigten Königreich als gut, 56 Prozent der Betriebe erwarten für 2019 eine Verschlechterung.

Einige Unternehmen ziehen bereits Konsequenzen. Aktuell plant jeder fünfte Betrieb mit UK-Geschäft, seine Investitionen auf andere Märkte zu verlagern – größtenteils nach Deutschland und in andere EU-Länder. Anfang 2018 hatten nur 5,7 Prozent der befragten Betriebe von entsprechenden Vorhaben berichtet.

Navigieren ohne Kompass

„Der Brexit ist bereits jetzt eine hohe Belastung für unsere Unternehmen", fasst Harald Grefe, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer, die Ergebnisse zusammen. Handel und Investitionen befänden sich seit dem Brexit-Referendum im Jahr 2016 auf dem Rückzug. „Zwei Wochen vor dem Austrittsdatum Ende März müssen die Betriebe ohne Kompass navigieren", so Grefe. Eine konkrete Vorbereitung auf den Brexithttps://www.haller-kreisblatt.de/tagsuche?q=32950 gestalte sich deshalb für viele Unternehmen trotz intensiver Bemühungen schwierig. Nach Schätzungen der IHK beläuft sich das Exportvolumen ostwestfälischer Unternehmen nach Großbritannien auf mehr als eine Milliarde Euro.

Das Vereinigte Königreich ist der fünftwichtigste Handelspartner Deutschlands. Rund 400 ostwestfälische Unternehmen unterhalten regelmäßige Ex- und Importbeziehungen mit Großbritannien, davon sind 60 mit eigenen Niederlassungen oder Produktionsstandorten auf der Insel vertreten. Somit sichern die bislang bestehenden Geschäftsbeziehungen Arbeitsplätze in der Region.

Ausfüllen der Zolldokumente kosten 200 Millionen Euro

„Den größten Risikofaktor für ihre Geschäfte sehen die Unternehmen dabei im drohenden Mehraufwand bei der Zollbürokratie. Der Brexit wird zu einem zusätzlichen Aufwand von circa 18 Millionen Zolldokumenten führen", sagt Grefe. Nach konservativer Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) würde allein das Ausfüllen von Zolldokumenten Mehrkosten in Höhe von etwa 200 Millionen Euro verursachen. Hinzu kämen bei einem „No-Deal"-Szenario, in dem der Handel auf WTO-Regeln basieren würde, Zölle in Milliardenhöhe.

Die IHK steht mit Rat zur Seite und hält unter anderem eine Checkliste vor (www.ihk.de/brexitcheck), die aufzeigt, wo Anpassungsbedarf besteht. Die Online-Zugriffe auf die Brexit-Checkliste zeigen, dass die Verunsicherung hoch ist. In den vergangenen drei Monaten gab es rund 35.000 Downloads – Tendenz steigend.

Copyright © Haller Kreisblatt 2019
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.