Gütersloher Familienvater soll mehr Miete zahlen - trotz Schimmel in der Wohnung

Weil ein Familienvater dem Bescheid nicht zustimmte, geht der Immobilienkonzern gerichtlich gegen ihn vor.

Nicole Hille-Priebe

Dieses Foto stammt aus der Wohnung der betroffenen Familie. - © Privat
Dieses Foto stammt aus der Wohnung der betroffenen Familie. (© Privat)

Gütersloh. Die Sorgen und eine schlaflose Nacht stehen Sead M. (Name geändert) ins Gesicht geschrieben, als er im Amtsgericht auf seinen Anwalt wartet. Der 42-jährige Familienvater hat Angst, dass er mit seiner Frau und den vier Kindern bald auf der Straße stehen könnte, weil er sich bislang geweigert hat, der Mieterhöhung, die ihm die LEG/Ravensberger Heimstätten im vergangenen Jahr geschickt hatte, zuzustimmen.

„Da war die Sanierung des Hauses noch gar nicht abgeschlossen. Das Gebäude war jahrelang eine Baustelle, als das Dach saniert wurde, hat es sogar reingeregnet", berichtet M. Direkte Folge ist seiner Meinung nach der Schimmel, der in der Wohnung blüht – doch bei der LEG habe niemand auf die Beschwerden reagiert. „Und ich habe es ehrlich gesagt nicht eingesehen, in Anbetracht der Mängel noch mehr Miete zu zahlen."

Kinder sind ständig krank

Vor zwei Wochen habe dann die Klage im Briefkasten gelegen – „und es kam auch endlich jemand, aber der hat den Schimmel nur abgewaschen. In ein paar Wochen kommt das doch wieder durch und unsere Kinder sind jetzt schon ständig krank." Zum Beweis hat er Fotos mitgebracht, die vor drei Wochen gemacht wurden, und Zeugen. Einer von ihnen ist sein Nachbar, der vergangene Woche ebenfalls eine Mieterhöhung bekam.

Richter Markus Pollmüller ist offenbar schon bei der Belehrung der Zeugen klar, dass er sie später nicht aufrufen wird. Denn juristisch sei die Sache eindeutig: „Es kommt auf den Schimmel nicht an. Das ist kein Grund, die Miete nicht zu erhöhen." Sead M. folgt den Ausführungen mit enttäuschter Miene. Auch der Einwand seines Anwalts Yusuf Dogan, dass die Schäden seines Erachtens nach substanz- und nicht verhaltensbedingt seien, bringt in der Sache nichts.

"Kein Grund, die Erhöhung nicht zu akzeptieren"

„Bei Schimmel handelt es sich um einen behebbaren Mangel. Das ist ein Minderungsgrund, aber kein Grund, die Mieterhöhung nicht zu akzeptieren", führt Pollmüller noch einmal aus und fügt hinzu: „Aber ich kann das voll und ganz nachvollziehen. Verklagen Sie die Ravensberger Heimstätten wegen des Schimmels und ich kann Ihnen versprechen, dass Sie Prozesskostenhilfe bekommen."

Er empfiehlt einen Vergleich und fragt M., ob er bereit sei, die Mieterhöhung ab dem 1. Februar dieses Jahres zu akzeptieren. Der besorgte Familienvater stimmt zu. „Ich unterschreibe sofort. Ich habe auch noch ein Guthaben auf meinem Mietkonto bei der LEG, das könnt Ihr haben." Zuvor hatte M. erklärt, dass er wegen seiner Religion als Moslem und vier Kindern Probleme hätte, eine andere Wohnung zu finden.

Zu einer gütlichen Einigung kommt es an diesem Tag trotzdem nicht. „Ich habe die Anweisung, heute keinen Vergleich zu schließen", erklärt die von der Gegenseite beauftragte Anwältin. Sie würde diesen aber unterstützen.

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