Gütersloher Krebs-Patient: „Ich habe keine Angst“

Lars ist an einer seltenen Form von Blutkrebs erkrankt - seine einzige Überlebenschance ist eine Stammzellspende

Lena Vanessa Niewald

Der Gütersloher Lars lebt mittlerweile wieder bei seinen Eltern in Isselhorst. - © Privat
Der Gütersloher Lars lebt mittlerweile wieder bei seinen Eltern in Isselhorst. (© Privat)

Gütersloh. Lars führt ein unbeschwertes und erfolgreiches Leben. Der 25-Jährige aus Isselhorst studiert, spielt Handball im Verein und reist gerne durch die Weltgeschichte. Seinen BWL-Bachelor hat er in der Tasche. Ein Jahr lang lebt Lars in Portugal. In Lissabon beginnt der 25-Jährige schließlich mit seinem Master-Studium. Zwölf Monate in Brasilien sollen folgen.

Tatsächlich bleibt Lars aber nur einen Monat in Rio de Janeiro. „Ich habe plötzlich gemerkt, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Ich habe mich schlapp gefühlt, ständig Fieber gehabt und war eigentlich immer platt."

Er lässt sich durchchecken. Sein Blut ist nicht okay. Ein Arzt stellt Blutarmut fest. Was genau dem Studenten fehlt, ist aber nicht klar. Lars entscheidet sich, zurück nach Deutschland zu fliegen. Sein Gesundheitszustand ist mittlerweile so schlecht, dass die Fluggesellschaften die Verantwortung für seinen Transport nicht übernehmen können. Es dauert noch einige Wochen, bis Lars schließlich in Begleitung eines Arztes die Heimreise antritt. Er kommt in eine Spezialklinik nach Hannover. Und dort erfährt Lars schließlich auch die erschütternde Diagnose: Er hat Blutkrebs. Eine besonders seltene, aggressive Form. Seine Überlebenschance? 50 Prozent.

„Das ist erstmal ein Schock. Plötzlich bekommst du da so eine Prozentzahl hingeschmissen und denkst dir im ersten Moment nur, ’und jetzt’?" Er habe nie daran gedacht, dass er irgendwann mal Krebs haben könnte. Auch, als es ihm so schlecht ging. Ein kleiner Infarkt vielleicht. Irgendwas, das schnell wieder vorbei ist. Einen Fall von Blutkrebs hat es in Lars’ Familie noch nicht gegeben. Er versucht, den Schock zu verarbeiten und irgendwie den Alltag zu stemmen. Statt in Uni-Bibliotheken und vor dem Laptop verbringt der 25-Jährige seine Zeit jetzt im Krankenhaus.

Einzige Überlebenschance? Eine Stammzellspende

Mehrere Tage in der Woche fährt er nach Hannover. Die ersten Chemo-Therapien hat er bereits hinter sich. „Ich fühle mich seit dem schon besser." Trotzdem weiß Lars, dass er auf eine Stammzellspende angewiesen ist. Die Spende ist seine einzige Überlebenschance. Derzeit wird geprüft, ob in der weltweiten Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) ein passender Spender für Lars dabei ist. In der nächsten Woche bekommt er Bescheid. Er hofft auf die erlösende Nachricht. Einschüchtern lässt er sich von der Warterei trotzdem nicht: „Ich habe keine Angst. Im Gegenteil. Ich bin positiv gestimmt. Warum sollte ich denn nicht zu den 50 Prozent gehören, die es schaffen?"

Gemeinsam mit der DKMS, seiner Familie und Freunden hat Lars für den kommenden Samstag eine Typisierungsaktion in Gütersloh organisiert. Vielleicht ist auch dort ein passender Spender für Lars dabei. „Nehmt an der Aktion teil. Ein kleiner Moment eurer Zeit könnte das Leben unseres Sohnes, Bruders und Freundes retten", schreiben sie in dem Aufruf. Für Lars ist die Organisation der Veranstaltung auch eine Ablenkung im Alltag – und eine Herzensangelegenheit. „Ich mache das aber nicht nur für mich, sondern auch für andere Krebs-Patienten, die auf eine Stammzellspende angewiesen sind."

Große Hilfsbereitschaft der Gütersloher

Wenn er sich fit genug fühlt, dann ist Lars am Samstag auch selbst in Isselhorst am Start. „Ich habe die Aktion ja jetzt mit aufgebaut, da will ich auch bei der Veranstaltung dabei sein." Im vergangenen Jahr hatten die Gütersloher bei einer Typisierungsaktion für den kleinen Leon, der ebenfalls an einer seltenen Form von Blutkrebs erkrankt war, schon ihre große Hilfsbereitschaft gezeigt. Etliche Bürger ließen sich damals für die Spenderdatei registrieren. Mittlerweile ist tatsächlich ein passender Spender für den 10-jährigen Gütersloher gefunden worden.

Solche Fälle geben Lars Hoffnung, dass auch er bald wieder ein unbeschwertes Leben führen kann.

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