Kind am Unfallort zurückgelassen: Polizei ermittelt flüchtige Fahrerin

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Symbolfoto - © Pixabay.com
Symbolfoto (© Pixabay.com)

Gütersloh (HK/zim). Die Polizei Gütersloh hat die Fahrerin ermittelt, die am Dienstagnachmittag an einem Unfall beteiligt war, bei dem ein Kind verletzt wurde. Laut Polizei schilderte die 57-jährige Gütersloherin die Geschehnisse während ihrer Vernehmung anders als die Kinder es taten.

Sie gab an, sofort angehalten und den Jungen angesprochen zu haben. Der wollte jedoch sofort seine Fahrt fortsetzen. Um das zu verhindern, lief sie hinter dem Jungen und seinen zwei Begleitern her und forderte sie laut und deutlich auf zu bleiben und ihre Name zu nennen.

Als Zeugen die Situation bemerkten, fuhr der Junge mit seinen Freunden weiter; zuvor hatte er der Frau seinen Namen gegeben. Später berichtete der Jungen seinen Eltern von dem Vorfall, die eine Anzeige bei der Polizei erstatteten.

Wenn Kinder beteiligt sind: Immer die Polizei rufen

Die Polizei weist wegen dieses Vorfalls noch einmal darauf, dass bei Unfällen, bei denen Kinder beteiligt sind, die Polizei hinzugezogen werden sollte - selbst wenn die Kindern beteuern, dass es ihnen gut gehe und auf den ersten Blick kein Schaden entstanden ist.

Die Polizei hat die Erfahrung gemacht, dass beteiligte Autofahrer in der Regel anhalten, sich um das gestürzte Kind kümmern und es fragen, ob es verletzt sei. In vielen Fällen verneinen die Kinder dann aber diese Frage, heißt es seitens der Polizei.

"Nach einem - wenn auch leichten - Verkehrsunfall sind die allermeisten Kinder schlicht überfordert, die Situation richtig einzuschätzen", heißt es erneut in der Pressemitteilung. Zudem seien Kinder unter 14 Jahren keine Feststellungsberechtigten. Deswegen liege bei Verlassen des Unfallorts Unfallflucht vor.

Unfallflucht ist strafbar

Melden die Eltern der Kinder daraufhin im Nachhinein den Unfall bei der Polizei, könnte es für beteiligte Autofahrer problematisch werden:

Für den Autofahrer besteht der Verdacht des unerlaubten Entfernens vom Unfallort und ein entsprechendes Strafverfahren wird eingeleitet.

In den meisten Fällen hatten die Unfall beteiligten Autofahrer gar nicht die Absicht, vom Unfallort zu flüchten, heißt es in der Meldung weiter. "Sie erfüllen durch ihr Verhalten aber den Tatbestand der Verkehrsunfallflucht."

Deshalb rät die Polizei: "Rufen Sie bei Unfällen mit Kindern immer die Polizei über den Polizeiruf 110 - zu Ihrer eigenen Sicherheit!"

In den vergangenen Wochen sind immer wieder Fälle bekannt geworden, bei denen sich Autofahrer, die in einen Unfall mit einem Kind verwickelt waren, vom Unfallort entfernt hatten. Das HK hat die Fälle im Kreis Gütersloh zusammengefasst.

Info

Info: Jedes entfernen vom Unfallort ist strafbar

„Wenn Kinder an einem Unfall beteiligt sind, muss man immer die 110 wählen. Auch wenn die Kinder sagen, es gehe ihnen gut und es sei nichts passiert", sagt Polizeipressesprecherin Katharina Felsch.

Häufig seien die Kinder nach einem Zusammenstoß zu erschrocken, verwirrt oder verängstigt und schlicht überfordert damit, die Situation richtig einzuschätzen. Erst wenn sich später in der häuslichen Umgebung oder in der Schule die Anspannung löse, bemerkten sie dann die Schmerzen oder Schäden am Fahrrad.

Zudem gelten Kinder unter 14 Jahren nach dem Gesetz nicht als Feststellungsberechtigte. Das heißt, sie können vor Ort nicht über den Sachverhalt entscheiden oder darüber, was weiter zu tun ist.

Der Autofahrer mache sich strafbar, sobald er den Unfallort verlässt, sagt Katharina Felsch. Selbst wenn er in gutem Glauben handele, dass mit dem Kind alles in Ordnung sei. Das unerlaubte Entfernen vom Unfallort ist kein Kavaliersdelikt und kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Die Autofahrer sollten neben der Polizei, möglichst auch die Eltern des Kindes benachrichtigen. Auf keinen Fall sollten sie das fremde Kind in ihr Auto setzen und zu dessen Eltern nach Hause fahren. „Gut gemeint ist in diesem Fall leider das Gegenteil von gut gemacht", sagt Katharina Felsch.

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