Zu süß, zu fettig, zu salzig: Macht uns die Lebensmittelindustrie krank?

Damit Produkte länger frisch bleiben und gut aussehen, werden ihnen immer häufiger Zusatzstoffe zugefügt.

Leandra Kubiak

Dass Tiefkühl-Pizzen und Chips in großen Mengen nicht gerade der Gesundheit dienen, ist kein Geheimnis. Aber auch andere Produkte werden behandelt, damit sie cremiger oder länger haltbar werden. - © Pixabay.com
Dass Tiefkühl-Pizzen und Chips in großen Mengen nicht gerade der Gesundheit dienen, ist kein Geheimnis. Aber auch andere Produkte werden behandelt, damit sie cremiger oder länger haltbar werden. (© Pixabay.com)

Bielefeld. Wirft man einen Blick auf die Zutatenlisten industriell gefertigter Lebensmittel, kann man sich oftmals fragen, ob das, was einem da angeboten wird, eigentlich gesund ist und uns guttut. Die Liste der Zutaten beziehungsweise Stoffe, die die Produkte enthalten, ist meist lang. Kaum ein Produkt kommt mit nur zwei oder drei Zutaten aus.

Viele der Stoffe, die industriell gefertigte Lebensmittel enthalten, würden in der heimischen Küche wohl nie zur Anwendung kommen. So zum Beispiel Farbstoffe, Konservierungsstoffe und Stabilisatoren. Zudem enthalten die Nahrungsmittel oft viel Salz oder Zucker.

Dass Tiefkühl-Pizzen und Chips in großen Mengen nicht gerade der Gesundheit dienen, ist kein Geheimnis. Heutzutage kommen aber selbst einfache Produkte wie das abgepackte Brot kaum noch ohne Zusatzstoffe aus. Wie das Bundesinstitut für Risikobewertung erklärt, sind diese nur zugelassen, wenn sie technologisch notwendig sind. Doch das ist inzwischen bei einer großen Breite von Produkten der Fall. Damit der Pudding möglichst lange cremig, die Mousse möglichst lange luftig und die Wurst möglichst lange frisch bleiben, sind sie für die Lebensmittelindustrie unverzichtbar geworden.

Zu süß, zu salzig, zu fettig

Der Verbraucher sei gewissermaßen mitverantwortlich dafür, wie Silvia Roser vom Max-Rubner-Institut (MRI) findet. Die Nachfrage der Verbraucher entscheide schließlich mit darüber, welche Produkte auf dem Markt erhältlich sind.Fertigprodukte haben häufig eines gemeinsam: Sie sind relativ süß, salzig oder fettig. Dass uns zu große Mengen Salz schaden, ist wissenschaftlich belegt. Es gebe zuverlässige Daten, die zeigten, dass eine zu hohe Salzzufuhr dem Herz-Kreislauf-System schade, sagt Roser.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als sechs Gramm Salz pro Tag zu verzehren. Erhebungen des Robert-Koch-Instituts zeigen allerdings, dass die Deutschen wesentlich mehr davon essen: Männer kommen im Mittel täglich auf zehn Gramm, Frauen auf 8,4 Gramm.

Auch Zucker stellt ein Problem dar. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, maximal zehn Prozent der Energieaufnahme im Laufe eines Tages in Form von sogenanntem freien Zucker zu sich zu nehmen. Dazu zählen neben Haushaltszucker beispielsweise auch Honig, Traubenzucker und zugesetzte Fruktose. Wer zu viel Zucker isst oder trinkt, hat ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Adipositas und Diabetes, sagt Roser.

Neue Technologien, die unser Essen gesünder machen sollen

Damit wir uns in Zukunft bei einem etwa gleichbleibenden Essverhalten gesünder ernähren, forscht das MRI im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung zu Möglichkeiten, Lebensmittel bei ähnlichem Geschmack mit weniger Salz, Zucker und Fett herzustellen.

Das sei in vielen Bereichen gar nicht so einfach, sagt Roser und nennt das Beispiel Knuspermüsli. Viele würden die knusprige Konsistenz einfach gerne mögen. Um diesen Effekt zu erzielen, müssten den Müslis aber grundsätzlich relativ viel Zucker und viel Fett zugefügt werden.

Das MRI arbeitet unter anderem an neuen Lebensmittel-Technologien, mit deren Hilfe knusprige Frühstückscerealien mit einem erhöhten Ballaststoffgehalt hergestellt werden können. Das Institut beschäftigt sich außerdem damit, Fettgebäck herzustellen, das beim Frittieren weniger Fett aufnimmt. Großes Potenzial für die Reduktion des Salzgehaltes sieht das Institut in Brot und anderen Backwaren. „Die Deutschen nehmen einen Großteil der täglichen Salzzufuhr über Backwaren auf", weiß Roser. Wäre unser Brot weniger salzig, wäre damit schon ein großer Schritt getan, ist man beim MRI überzeugt.

Bis 2025 sollen Limo, Pizza und Müsli kalorienärmer werden

Selbst wenn es gelingt, erfolgreich neue Technologien zu entwickeln, heißt das aber nicht zwangsläufig, dass sie von den Herstellern auch angewendet werden. Unternehmen sind grundsätzlich nicht verpflichtet, die Rezepturen ihrer Produkte zu ändern.

Auch das Bundesministerium für Ernährung mit Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) verfolgt das Ziel, insbesondere Fertigprodukte gesünder zu machen. Erst vor kurzem hat das Ministerium eine „Reduktions- und Innovationsstrategie" verabschiedet. Bis 2025 soll zum Beispiel der Zuckergehalt in Limos und Cola um 15 Prozent sinken, in Frühstückscerealien für Kinder um mindestens 20 Prozent. Fertigpizzen sollen nach und nach weniger Salz enthalten.

Klöckner will bei ihren Plänen auf Selbstverpflichtungen der Hersteller setzen. Der Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft beispielsweise hat sich bereits freiwillig verpflichtet, die Zuckermenge in Kinder-Frühstückscerealien um mindestens 20 Prozent zu senken.

Jedes "Zuviel" schadet der Gesundheit

Mit seinem Sortiment, das unter anderem Müslis, Kuchen und Pizzen umfasst, stellt Dr. Oetker gleich mehrere Produkte her, die als ungesund gelten. Der Bielefelder Hersteller reduziert den Salzanteil seiner Pizzen nach eigener Aussage allerdings bereits seit 2005 schrittweise. Über das gesamte Pizza-Sortiment sei der Salzgehalt in Summe bereits um 27 Prozent gesenkt worden, heißt es von einer Unternehmenssprecherin.

Für Verbraucher, die es weniger süß mögen, hat Oetker 2007 außerdem eine Müsli-Produktreihe eingeführt, die weniger süß ist. Die verschiedenen Sorten dieser Reihe seien jeweils 30 Prozent weniger süß als vergleichbare Müslis.

Ob industriell gefertigte Lebensmittel uns schaden, darauf antwortet die Leiterin des Bundeszentrums für Ernährung, Margareta Büning-Fesel, so: „Jedes ,Zuviel‘ schadet der Gesundheit und damit der Gesellschaft." Bestehe die tägliche Ernährung überwiegend aus industriell gefertigter Nahrung und Fertiggerichten, könne es zu gesundheitlichen Problemen wie Übergewicht und Bluthochdruck kommen. Diese Dinge ab und zu zu essen, sei sicherlich kein Problem. Eine wichtige Aufgabe sieht sie darin, Kindern den richtigen Umgang mit Lebensmitteln zu erklären.

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