In OWL fehlt Impfstoff gegen Grippe

Hausärzte müssen erste Patienten abweisen

Matthias Bungeroth

Mangelware: Der Impfstoff zum Grippeschutz wird in OWL knapp. - © Pixabay.com
Mangelware: Der Impfstoff zum Grippeschutz wird in OWL knapp. (© Pixabay.com)

Bielefeld. In Ostwestfalen-Lippe gehen die Präparate zur Impfung gegen das Grippevirus aus. In vielen Apotheken sind derzeit keine Impfdosen oder nur noch Kleinbestände vorhanden. Das ergibt eine stichprobenartige Umfrage in allen Kreise sowie der Stadt Bielefeld. „Das Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung ist gestiegen", sagt etwa der Apotheker Georg Wiemann von John aus Detmold-Pivitsheide. Die Impfquote gehe entsprechend nach oben.

30 Prozent Patienten mehr geimpft

Dies bestätigt Allgemeinmediziner Wolfgang Picker-Huchzermeyer aus Bielefeld, Mitglied im Hausärzteverband Westfalen-Lippe. „Wir haben 30 Prozent mehr Patienten geimpft als im Vorjahr." In der Vorwoche habe seine Praxis Impfpräparate bei sieben Apotheken der Stadt angefragt und nichts mehr bekommen. Erste impfwillige Patienten mussten abgewiesen werden. „In anderen Jahren haben wir damit kein Problem gehabt" sagt der Hausarzt.

„Auf jeden Fall würde es noch Sinn machen, sich impfen zu lassen", sagt Melanie Pothmann, Sprecherin des Landeszentrums für Gesundheit (LZG) Nordrhein-Westfalen. Denn die Fallzahlen der Influenza stiegen erfahrungsgemäß erst zu Beginn des nächsten Jahres an. Es habe bereits frühzeitig Meldungen über regionale Versorgungsengpässe seitens der Apotheken gegeben, so Pothmann.

Importe aus dem Ausland beantragt

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) stellte diesen Versorgungsmangel offiziell fest und schaffte damit die Voraussetzung dafür, dass kurzfristig Importe aus dem Ausland erfolgen können. Mehrere Anträge aus unterschiedlichen OWL-Kreisen auf Lieferung von Impfpräparaten aus dem Ausland seien bislang genehmigt worden, bestätigte das Gesundheitsamt Bielefeld.

Es seien 15,7 Millionen Dosen Impfstoff verfügbar, erklärte Spahn. Das sei eine Million mehr als im Vorjahr. „Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können", so der Minister. Die Grippesaison 2017/18 war mit mehr als 330.000 Erkrankten, rund neun Millionen Praxisbesuchen und rund 1.700 Todesopfern ungewöhnlich stark gewesen.

Zu wenige Hersteller verknappen das Angebot

Laut Experten ist aber nicht nur die höhere Impfbereitschaft für die Versorgungsengpässe in einigen Region. „Wenn der Markt locker wäre, müsste man auch nachbestellen können", sagt Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Das Impfmodell in Deutschland ist schlecht", so Windhorst. Zu wenige Hersteller verknappten den Markt, die Verteilung laufe zu zögerlich. Apotheken müssten auf Vorkasse bestellen. Windhorst fordert mehr Marktdurchlässigkeit ein.

Info
  • Hausarzt Wolfgang Picker-Huchzermeyer rät, sich auf natürlichem Wege vor einer Grippeinfektion zu schützen.
  • „Häufiges Hände waschen ist wichtig." Auch solle man andere Leute nicht anniesen und sich gesund ernähren.

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