Schuss auf Bielefelder Stadtbahn aufgeklärt

Ein Junge soll am Niederwall den vorderen Teil eines Notfallhammers in die Bahnscheibe geschleudert haben

Jens Reichenbach

Diese Löcher in den beiden Türen der Stadtbahnlinie 1 sollen durch den Wurf eines Jungen entstanden sein. - © Wolfgang Rudolf
Diese Löcher in den beiden Türen der Stadtbahnlinie 1 sollen durch den Wurf eines Jungen entstanden sein. (© Wolfgang Rudolf)
Nach der Tat: Die getroffene Stadtbahn blieb nach der Tat am Niederwall zunächst für eine knappe Stunde an der Haltestelle Rathaus stehen. Polizei und Kripo durchsuchten den Zug. - © Christian Mathiesen
Nach der Tat: Die getroffene Stadtbahn blieb nach der Tat am Niederwall zunächst für eine knappe Stunde an der Haltestelle Rathaus stehen. Polizei und Kripo durchsuchten den Zug. (© Christian Mathiesen)

Bielefeld. Überraschende Auflösung im Fall des mutmaßlichen Schusses am Montag vergangener Woche auf die Stadtbahn der Linie 1. Wie die Polizei mitteilte, hat die eigens eingerichtete Ermittlungskommission "StraB" einen tatverdächtigen Jungen ermittelt, der zumindest für den zweiten Anschlag auf eine Bielefelder Stadtbahn verantwortlich sein soll.

Polizeisprecherin Hella Christoph will zum Schutz des Jungen nicht das genaue Alter mitteilen. "Er ist zwischen 6 und 12 Jahren alt."

"Die Recherchen der Kriminalbeamten führten nach mehreren Zeugenhinweisen zu einem Tatverdacht gegen ein Kind", heißt es in der Meldung zu dem Ermittlungserfolg. Am Ende gab es einen entscheidenden Hinweis, der den Vorgang nun aufgeklärt haben dürfte.

"Erstaunlich, dass es ein Wurf gewesen sein soll"

Demnach beschädigte der Junge am Montagabend, 26. November, am Niederwall eine Türscheibe der fahrenden Linie 1, die vom Landgericht zum Rathaus fuhr tatsächlich mit dem vorderen Teil eines Nothammers - dem sogenannten Schlagdorn.

Offensichtlich war der Junge an jenem Abend mit einer Gruppe Kinder unterwegs, aus der er heraus die Nothammer-Spitze gegen die Stadtbahn schleuderte. Die Motivation dafür sei unklar. Hella Christoph betont: "Es ist auch für uns erstaunlich, dass es ein Wurf gewesen sein soll. Aber das ist jetzt nach den Zeugenaussagen Stand der Ermittlungen."

Wie berichtet, hatte der Gegenstand nicht nur die Türscheibe auf der einen Seite durchschlagen, sondern auch eine Scheibe auf der gegenüberliegenden Seite beschädigt und dort ein Tennisball großes Loch hinterlassen.

Die beschädigte Scheibe bei der Feuerwehr wird ihm nicht angelastet

Ob der Schüler auch für den ersten Vorfall am Samstag, 24. November, verantwortlich ist, wo an der Kurt-Schumacher-Straße eine Scheibe der Linie 4 beschädigt wurde, ist noch nicht endgültig geklärt, so Christoph. Aber die "EK StraB" vermutet, dass es nicht zwei verschiedene Täter waren. "Einiges spricht dafür, dass der Junge auch hier verantwortlich sein könnte", so Christoph. Die Ermittlungen auch dazu dauern noch an.

Die sechsköpfige Ermittlungskommission der Kripo, die nach dem zweiten Anschlag eingerichtet worden war, geht indes davon aus, dass der Junge nicht auch noch für die beschädigte Scheibe vom Sonntag, 25. November, in der zweiten Etage der Hauptfeuerwache, Am Stadtholz, verantwortlich ist.

Dass der mutmaßliche Täter ein Kind ist, nimmt möglicherweise einigen Fahrgästen nun größere Sorgen über die Motivation eines unberechenbaren Unbekannten. MoBiel-Sprecherin Yvonne Liebold spricht von einer gewissen "Erleichterung, weil man den Fall jetzt besser einschätzen kann". Hella Christoph betont aber auch: "Es bleibt aber dabei: Das war dennoch kein Dummer-Jungen-Streich, das war sehr gefährlich."

Info

Was ist ein Nothammer?

Ein Nothammer oder Rettungshammer ist ein einfaches Werkzeug, um im Fall eines Unfalls Seiten- und Heckscheiben relativ einfach einschlagen zu können.

Nothammer hängen in allen in Bussen und Straßenbahnen. Mit ihnen sollen sich Fahrgäste selbst aus Fahrzeugen befreien können, in denen nach einem Unfall der Weg zur Tür versperrt ist.

Die Spitze aus Stahl - der sogenannte Schlagdorn - erleichtert im Notfall das Einschlagen von Sicherheitsglas - wie etwa der Seitenscheiben im Bus.

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