Gewerkschaft: Lehrermangel in NRW wird sich verschärfen

Der Verband Bildung und Erziehung in OWL fordert mehr Studienplätze und gleiche Bezahlung für alle Lehrer. Gegen die zunehmende Gewalt gegen Lehrer und für besseren digitalen Unterricht fordert die Gewerkschaft Fortbildungen.

Carolin Nieder-Entgelmeier

Der VBE in OWL warnt vor einer Verschärfung des Lehrermangels. - © Pixabay.com
Der VBE in OWL warnt vor einer Verschärfung des Lehrermangels. (© Pixabay.com)

Bielefeld/Düsseldorf. Unterrichtsausfall, größere Klassen und steigende Krankenstände in der Lehrerschaft: Die Folgen des Lehrermangels sind vielfältig und werden sich nach Angaben des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) in Nordrhein-Westfalen weiter verschärfen. „Die Studienkapazitäten müssen erhöht und der Lohn angepasst werden, denn wer gleiche Arbeit ungleich bezahlt, der kann den Lehrermangel nicht beheben", erklärt das Führungsduo des VBE in OWL, Florian Sandmann und Sandra Helfer.

Laut einer Prognose des NRW-Schulministeriums fehlen in den kommenden zehn Jahren 15.000 Lehrer an fast allen Schulformen. Während Schulministerin Yonne Gebauer (FDP) für Gymnasien und Gesamtschulen einen gegenteiligen Trend prognostiziert, fehlen an Grundschulen und Berufskollegs bereits jetzt Tausende Lehrer.

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An Grundschulen ist der Lehrermangel besonders stark zu spüren. Bis 2025 müssen 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Allerdings schließen bis dahin nur 70.000 ihr Studium ab. Um die Zahl der Grundschullehrer zu steigern, bemüht sich das Schulministerium um eine Ausweitung der Studienplätze. So stehen im Studienjahr 2018/19 2.220 Bachelor-Studienplätze im Grundschullehramt bereit. Die Erhöhung um 339 Plätze entspricht einer Steigerung um 18 Prozent. Zudem fördert das Ministerium auch Seiteneinsteiger. Trotzdem konnten zum Beginn des Schuljahres 2018/19 von 3.339 offenen Stellen nur die Hälfte besetzt werden.

„339 zusätzliche Studienplätze sind nur ein Anfang"

„339 zusätzliche Studienplätze sind ein Anfang, aber nicht ausreichend", moniert Sandmann. „Die Ministerien für Schule, Wissenschaft und Finanzen in NRW müssen besser zusammen arbeiten, damit flexibel auf Probleme in der Bildungslandschaft reagiert werden kann." Doch ohne Anreize lösen auch erhöhte Studienkapazitäten das Problem Lehrermangel nicht, ergänzt Sandmann. „Da alle Lehramtsanwärter mittlerweile die gleiche Universitätsausbildung durchlaufen, müssen auch alle gleich besoldet werden, unabhängig von der Schulform. Deshalb fordern wir A13 für alle Lehrkräfte", erklärt Helfer. Besonders betroffen von den unterschiedlichen Besoldungen sind Lehrer an Grundschulen und in der Sekundarstufe I.

Weitere Anreize kann die Politik nach Angaben des VBE mit Weiterbildungen schaffen. „Die Politik will die Schulen mit Blick auf die Digitalisierung endlich besser ausstatten und investiert dafür viel Geld, doch die Lehrkräfte werden dabei häufig vergessen", moniert Helfer. „Ohne Fortbildungen kann das Personal nicht adäquat qualifiziert und Innovationen nicht umgesetzt werden."

Fehlende Weiterbildungsangebote belasten Lehrer auch im Umgang mit gewalttätigen Schülern. „Verbale und körperliche Angriffe in der Schule sind alltäglich, doch Präventionsmaßnahmen werden bislang nicht angeboten", kritisiert Sandmann. Das Thema Gewalt in der Schule sei auch eine Konsequenz des Lehrermangels. „Je größer die Klassen, desto größer ist die Gefahr von Auseinandersetzungen." Ein problematischer Schüler könne eine ganze Klasse auf den Kopf stellen.

Verbesserte Arbeitsbedingungen sind nach Angaben des VBE wichtig für eine Entschärfung des Lehrermangels. „Immer mehr Lehrkräfte fallen überlastet aus, sind häufiger krank, arbeiten lieber in Teilzeit und gehen deutlich früher in den Ruhestand. Das zeigt, dass sich dringend etwas tun muss, wenn sich der Lehrermangel nicht weiter verschärfen soll", so Sandmann.

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