Enormer wirtschaftlicher Schaden: Neonazi-Demo in Bielefeld gefährdet Jobs

Jens Reichenbach

Jahnplatz gesperrt: Am Samstag müssen Autofahrer früher abbiegen als gewohnt. Auch viele Parkhäuser sind dicht.  - © Barbara Franke
Jahnplatz gesperrt: Am Samstag müssen Autofahrer früher abbiegen als gewohnt. Auch viele Parkhäuser sind dicht.  (© Barbara Franke)

Bielefeld. Die Nachricht von den umfassenden Polizeisperrungen, die für die Durchführung der Neonazi-Demo am Samstag, 10. November, ab 12 Uhr in der Innenstadt nötig werden, hat die Bielefelder böse erwischt.

Einzelhandel

Jörg Beyer vom Handelsverband OWL spricht von "katastrophalen Auswirkungen" für den Handel. "Dazu muss man angesichts dieser Sperrungen kein Prophet sein", sagt der Handelsreferent des Verbands. Umfragen nach ähnlichen Demonstrationen hätten ergeben, dass die Umsatzeinbußen für den Innenstadt-Einzelhandel sogar "Arbeitsplätze gefährden". Denn für die Summe, die insgesamt als Einnahmeverlust entstanden war, hätte man ohne weiteres mehrere Arbeitsplätze finanzieren können, rechnet Beyer. "Dieses Geld ist aber weg. Und es kommt auch nicht wieder rein. "Die Kunden wichen an solchen Tagen in andere Städte oder ins Internet aus."

Deshalb appelliert Beyer: "Möglichst früh kommen. Vor 12 Uhr ist die City noch komplett zu erreichen. Auch die Parkhäuser sind bis 12 Uhr noch offen.

Sorgen bei Inhabern

Die Polizei informierte gestern die Geschäfte über die bevorstehenden Sperrungen. Nachdem die Inhaber zunächst noch gelassen reagierten, äußerten sie im Laufe des Tages immer öfter Befürchtungen. Akkan Cerver, stellvertretender Geschäftsführer des Schuh- und Orthopädie-Geschäfts Wedeking am Siekerwall, macht sogar ganz dicht: "Ich habe keine Lust auf Nazis, wir machen zu."

Teutoburger Straße

Sogar der Real-Supermarkt an der Teutoburger Straße, die nicht von den Sperrungen betroffen ist, rechnet mit spürbaren Einbußen. Geschäftsführer Bernd Szameitpreiks: "Viele werden die Innenstadt ganz meiden. Wir werden das diesmal mehr spüren als bei den vorherigen Demos."

Weihnachtsmärchen

Die Premiere des Weihnachtsmärchens "Aladin und die Wunderlampe" wird trotz der Neonazis am Samstag, wie geplant, um 17 Uhr stattfinden. Das meldete das Theater, nachdem viele Besucher besorgt nachgefragt hatten: "Die Theaterleitung hält es für immanent wichtig, dass der Aufmarsch der rechten Szene nicht dazu führt, dass Kunst- und Kulturveranstaltungen abgesagt werden", sagt Sprecherin Nadine Brockmann: Man nehme die Sorgen der Besucher ernst und befinde sich in enger Abstimmung mit der Bielefelder Polizei. Zwar werde das Parkhaus gesperrt sein, zu Fuß sei das Stadttheater aber erreichbar. Die Neonazi-Demo wird auf der anderen Seite des Niederwalls entlangziehen. "Die Polizei empfiehlt, über die Brunnenstraße zum Stadttheater zu gelangen." Wer unsicher ist, ob und wie er das Theater erreichen wird, soll sich an die Polizei vor Ort wenden.

Jobmesse

Auch die Jobmesse in der Stadthalle hat viele besorgte Rückfragen von Ausstellern und Besuchern registriert. Jobmesse-Sprecher Daniel Stuckenberg kann aber Entwarnung geben: "Die Polizei hält den Zugang zum Stadthallenparkhaus auch während der Sperrzeit von 12 bis 20 Uhr für Besucher offen und sorgt dafür, dass die Messe erreicht werden kann." Wer mit dem Zug zum Hauptbahnhof kommt, erreicht die Stadthalle über den Bahnhofsvorplatz.

Ball der Wirtschaft

Das Gleiche gilt für den abendlichen Ball der Wirtschaft: Gäste der Veranstaltung erhalten ebenfalls Zugang zu Sperrzone und Parkhaus.

Parkhäuser

Ausweichmöglichkeit für die Stadthalle könnten die Parkhäuser im Neuen Bahnhofsviertel sein oder das Parkhaus an der Jöllenbecker Straße. Für Besucher der Fußgängerzone sind zudem die Parkhäuser rund um die Elsa-Brändström-Straße und im Altstadt-Hufeisen offen.

Alter Friedhof

Der Alte Friedhof am Jahnplatz wird wegen der Demonstrationen am Samstag ab 11.45 Uhr geschlossen.

Bürgertelefon

Die Polizei richtet ab sofort eine Bürgerinfo zu den Maßnahmen am Samstag ein.
Das Bürgertelefon der Polizei ist zu den Bürostunden erreichbar unter Tel. (05 21) 545 22 22.
Per Mail ist der Bürgerservice ebenfalls zu erreichen unter:
buergerservice.bielefeld@polizei.nrw.de.

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