Tödliche Giftköder bedrohen Hunde in ganz OWL

Martin Krause

Hundehalter aufgepasst. Immer wieder werden aus ganz OWL Giftköder gemeldet. - © Pixabay.com
Hundehalter aufgepasst. Immer wieder werden aus ganz OWL Giftköder gemeldet. (© Pixabay.com)

Bielefeld. Hinterhältige Anschläge auf Hunde beunruhigen die Hundehalter in OWL. Die Gefahr steckt in Wurststückchen oder Fleischbällchen, ausgelegt auf Parkwiesen oder Straßen. Manchmal sind sie präpariert mit Rattengift, manchmal gespickt mit Nägeln oder Schlimmerem.

So wie im vergangenen September in Bad Oeynhausen: Ein vier Monate altes Hundebaby freute sich beim Gassigehen im Stadtteil Rehme über einen unverhofften Hundesnack, der Yorkshire-Welpe hatte den Happen schon im Maul. Mit knapper Not konnte sein Herrchen gerade noch verhindern, dass der Hund den Köder runterschluckte - innen steckte eine Rasierklinge. Der Hundebesitzer erstattete eine Anzeige, bestätigt Ralf Steinmeyer, der Sprecher der Kreispolizeibehörde Minden-Lübbecke.

Eine tödliche Versuchung waren wohl auch die beiden Fleischwurst-Stücke, die im August auf der Wiese vor einer Hofzufahrt im lippischen Barntrup lagen. Der Hofbesitzer und Hundehalter rief die Polizei und erstattete ebenfalls eine Anzeige, wie Polizeisprecherin Laura Merks sagt. In der Fleischwurst verbargen sich Metallkrampen, jene gebogenen Nägel mit zwei spitzen Enden, die etwa zur Befestigung von Drähten oder Gittern an Holzpfosten oder Wänden dienen.

Giftiges Cumarin kann tödlich sein - es führt zu inneren Blutungen

Solche Berichte über gefährliche Köder sind aus der gesamten Region zu hören - viele besorgte Hundehalter haben sich inzwischen auf verschiedenen Internet-Portalen vernetzt, um sich gegenseitig über aktuelle Bedrohungen zu warnen. Bei Ködern mit Nägeln und Klingen liegt der Beweis einer mutwilligen Gefährdung von Hunden oder Katzen (und im schlimmsten Fall von Kindern) erkennbar auf der Hand. Durch Zufall können die Gegenstände kaum ins Fleisch gekommen sein. Schwieriger wird die Einschätzung bei dem Verdacht, dass Giftköder gefunden wurden. Der jüngste Fall ereignete sich vor wenigen Tagen in Rietberg: Ein Terrier hatte in einem Park etwas Unbekanntes gefressen und erkrankte noch am gleichen Tag. Der Tierarzt vermutete eine Vergiftung. Er konnte dem Hund, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, helfen - das Tier kam an den Tropf.

Ein Todesfall ereignete sich im Januar 2018 mitten in Gütersloh: Der 18 Monate alte Terrier eines Rentner-Ehepaar starb vermutlich, weil er etwas Giftiges gefressen hatte. Der Verdacht, dass ein Giftköder die Todesursache gewesen sein könnte, rettete einem Hund in der Nachbarschaft dann das Leben. Die trauernden Rentner hatten andere Hundehalter gewarnt, und als ein Tier tatsächlich ähnliche Symptome zeigte, reagierten dessen Besitzer schnell. "In der Tierklinik hat man festgestellt, dass unsere Hündin eine Vergiftung durch Rattengift hat", so die Halterin damals. In beiden Fällen wurden Anzeigen erstattet. Die Gütersloher Polizei-Sprecherin Katharina Felsch bestätigt, dass tatsächlich Cumarin gefunden worden ist - ein pflanzlicher Duftstoff, der in Lebensmitteln verwendet wird und in der Medizin als Gerinnungshemmer. In hoher Dosierung ist Cumarin tödlich und kommt etwa als Rattengift zum Einsatz. Die Tiere sterben dann an inneren Blutungen.

In vielen Fällen fehlt der entscheidende Beweis

Ähnliche Fälle gab es etwa zur gleichen Zeit - Anfang des Jahres 2018 - in Borgentreich (Kreis Höxter). Drei Anzeigen gingen bei der Polizei ein. Ein Hund sei verendet, zwei weitere mussten tierärztlich behandelt werden, so hieß es. Die Tiere erbrachen nach Spaziergängen in den Feldern westlich von Borgentreich eine grün-bläuliche Substanz - ein Hinweis auf Rattengift.

In vielen Fällen können Hundehalter ihre Vermutung, dass ihr Liebling wegen eines Giftköders erkrankt oder verendet ist, allerdings nicht nachweisen. Nicht zuletzt wegen der drohenden Kosten wird auf klärende Untersuchungen oft verzichtet. Auch polizeiliche Ermittlungen führen selten zur Überführung eines Täters.

Auch Vögel werden gelegentlich Opfer von Giftanschlägen

Selbst wenn eine Vergiftung diagnostiziert wurde, ist allerdings nicht erwiesen, dass Haustiere auch das Ziel waren. Möglicherweise werden Giftköder, die etwa im Kampf gegen Ratten oder Tauben ausgelegt wurden, gelegentlich verschleppt, denkt Uwe Maser, der Sprecher der Kreispolizeibehörde Herford. Die giftigen Substanzen könnten zudem durch Nager verbreitet werden, die selbst vergiftet wurden.

Und: Gift wird gelegentlich auch in Tieren entdeckt, deren absichtliche Tötung einem unbefangenen Bürger nicht in den Sinn kommen würde. Bedrohte Tierarten wie Greifvögel zum Beispiel. Ulrich Kros vom Veterinäruntersuchungsamt in Detmold berichtet, dass in Rietberg im Mai ein Graureiher und ein Weißstorch vergiftet aufgefunden wurden. "Mit dem Gift Carbufuran, das in Deutschland seit langem nicht mehr zugelassen ist." Mutwilligkeit liegt in solchen Fällen nahe - doch über die Gründe kann nur spekuliert werden.

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