20 Jahre DNA-Analyse-Datei: Diese Mordfälle im Kreis Gütersloh wurden aufgeklärt

Amelie Förster

Symbolbild - © Raimund Vornbäumen
Symbolbild (© Raimund Vornbäumen)

Kreis Gütersloh/Halle/Steinhagen. Am 17. April 1998 ist die DNA-Analyse-Datei, kurz DAD genannt, bundesweit Betrieb genommen worden. Auch im Kreis Gütersloh konnten Fälle mit Hilfe der Datei gelöst werden. Andere blieben trotz der neuen technischen Möglichkeiten ungelöst.

So zum Beispiel im Fall von von Ingrid Amtenbrink (67), deren Leiche 2009 in einem Getreidefeld in Gütersloh gefunden wurde, kam es zu einem Massenspeicheltest. Insgesamt 12.000 Männer wurden am 7. Juli 2010 für einen Gen-Abgleich zur Speichelprobe gebeten.

Ein Mann wehrte sich gegen den Speicheltest

Ein Mann, der sich besonders gegen den Test gewehrt hatte, wurde mittels eines richterlichen Beschlusses zur Abgabe seiner Speichelprobe gezwungen. Allerdings hatte der Mann mit dem Mord an Ingrid Amtenbrink nichts zu tun. Bis heute konnte der Fall nicht aufgeklärt werden.

Ähnliches gilt für den Fall "Nelli Graf" aus Halle, die damals 46-jährige Frau verschwand. Ihre Leiche wurde Monate später durch einen Landwirt entdeckt. Mund und Augen waren mit Panzerband verklebt, sie war mit Kabelbindern gefesselt und es war mehrfach auf sie eingestochen worden. Der Fall wurden bei „Aktenzeichen XY...ungelöst" gesendet, die Ausstrahlung erfolgte, ebenso wie ein Massengentest, ohne Erfolg.

Daniel K. aus Isselhorst wurde überführt

Anders verlief die DNA-Analyse im Fall des damals 22-jährigen Daniel K. aus Isselhorst. Dieser hatte die Schwester einer Frau, in die er unglücklich verliebt war, zunächst gewürgt und dann mit 58 Messerstichen getötet. Er wurde wenige Monate nach der Tat mit Hilfe einer Speichelprobe überführt. Insgesamt wurden 48 Personen geprüft. Die letzte Probe brachte den Treffer. Die DNA stimmte mit Hautresten unter den Fingernägeln des Opfers überein. Daniel K. wurde wegen Totschlags angeklagt und zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Die zufällige Aufklärung eines Falles

Wohl am spektakulärsten war die Aufklärung eines Mordfalles aus Steinhagen nach mehr als 20 Jahren. Ein 52 Jahre alter Mann hatte 1985 die 63-jährige Martha Riewe brutal umgebracht. Ein Nachbar rief die Polizei, als er entdeckte, dass tagsüber das Licht im Haus der Nachbarin noch brannte. Die Leiche der Frau hatte Hämatome am ganzen Körper, Würgemale am Hals und der Brustkorb war so eingedrückt, als wäre jemand mit voller Kraft darauf gesprungen.

Der Täter Spasoje V. gehörte bis zur Einstellungen der Ermittlungen 1986 zunächst nicht zu den Verdächtigen. Die Polizei wurde erst 2001 auf den Mann aufmerksam, weil er als Drogenkurier aktiv war. 2005 sendeten die Ermittler DNA-Proben aus dem Haus von Martha Riewe nach Düsseldorf zum LKA. Der Abgleich mit Datenbank ergab 2005: Spasoje V. war am Tatort. Ein Zufallstreffer. Der Täter wurde schließlich im Oktober 2005 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

So viele Treffer gab es bei der DNA-Analyse-Datei in NRW

„Seit dem Start im Jahr 1998 haben wir in NRW insgesamt 265.169 DNA–Datensätze gesammelt", sagt Frank Scheulen, Pressesprecher des Landeskriminalamtes (LKA) NRW. Eine genaue Liste über alle Fälle in NRW führe er nicht, er habe aber einzelne Fälle, in denen die DAD zum Einsatz gekommen sei, für Presseanfragen archiviert.

Die meisten Treffer bringt die DNA-Analyse-Datei, im Bereich Diebstahl und Unterschlagung. 41.586 Personen-Spur-Treffer verzeichnet das LKA landesweit in diesem Bereich. Das bedeutet, die überprüfte DNA stimmt mit bereits vorhandenen DNA-Daten, die bestimmten Personen zugeordnet werden konnten, überein. Täter, deren DNA an mehreren Tatorten gefunden wurde, deren Identität aber nicht bekannt ist, werden als Spur-Spur-Treffer bezeichnet. In diesem Jahr gab es in diesem Bereich 384, seit Beginn 12.085 Treffer.

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