So wenig ungeklärte Straftaten wie nie im Kreis Gütersloh

Anja Hustert

Die weibliche Sicht auf die Kriminalitätstatistik: : Polizeipressesprecherin Katharina Felsch und Kriminalhauptkommissarin Ulrike Magdanz (von links) bei der Pressekonferenz der Polizei. - © Andreas Frücht
Die weibliche Sicht auf die Kriminalitätstatistik: : Polizeipressesprecherin Katharina Felsch und Kriminalhauptkommissarin Ulrike Magdanz (von links) bei der Pressekonferenz der Polizei. (© Andreas Frücht)

Kreis Gütersloh. Für Ulrike Magdanz war es eine Premiere: Zum ersten Mal saß die Kriminalhauptkommissarin mit am Tisch der Pressekonferenz, bei der die polizeiliche Kriminalstatistik 2017 vorgestellt wurde. Im kommenden Jahr wird es ihre Aufgabe sein, die Zahlen, Daten und Fakten den Medien vorzustellen. Sie tritt in die Fußstapfen von Bernd Rebischke (61). Der Leiter der Führungsstelle der Direktion Kriminalität bei der Kreispolizeibehörde Gütersloh geht im Juni in den Ruhestand. Ulrike Magdanz wird ihn dann beerben. "Es ist schon spannend. Bis Juli habe ich in den Bereichen, die hier vorgestellt werden, ganz normal ermittelt", sagt die 57-Jährige.

Die Vorstellung der Kriminalstatistik übernimmt traditionell Landrat Sven-Georg Adenauer als Behördenleiter. "Unsere Botschaft ist: Die Menschen im Kreis Gütersloh wohnen sicher", sagt er. Es habe 2017 einen historischen Tiefstand bei den Straftaten und eine historisch gute Aufklärungsquote gegeben. "Ich danke den Kollegen für die gute Arbeit", so Adenauer.

GESAMTKRIMINALITÄT

17.255 Straftaten wurden im vergangenen Jahr im Kreis Gütersloh statistisch erfasst. Das entspricht einem Rückgang von 1.195 Taten im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig erhöhte sich die Aufklärungsquote leicht auf 53,6 Prozent. Adenauer dämpfte die Erwartungen, dass diese Erfolgszahlen im kommenden Jahr noch zu steigern seien. "Aus unserer Sicht sind wir im Tal angekommen. Kriminaldirektor Ulrich Hemicker erläuterte auf Nachfrage, dass von den ermittelten 7.359 Tatverdächtigen nur 1.571 Frauen seien. "Frauen sind grundsätzlich weniger auffällig. Sie können die Spielregeln der Gesellschaft besser einhalten", sagte er. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger lag wie im Vorjahr bei 40 Prozent.

WOHNUNGSEINBRÜCHE

Auch wenn der Bürger subjektiv ein anderes Empfinden hat: Bei den Wohnungseinbrüchen hat sich die Lage im vergangenen Jahr weiter entspannt. 494 Fälle wurden registriert. "Aber es bleibt vielfach bei einem Versuch", so Adenauer. Das war in 238 Fällen.

FAHRRADDIEBSTÄHLE

Drahtesel sind im Kreis Gütersloh vor Langfingern nicht sicher. "Hier wird viel Fahrrad gefahren", so Adenauer. Und ebenso viel gestohlen. 2.290 Fahrräder waren es 2017. Dabei spielt die Größe der Kommune eine entscheidende Rolle. Rebischke: "In Langenberg und Borgholzhausen kommen wir auf einen Fahrraddiebstahl im Monat, in Gütersloh sind es im gleichen Zeitraum einhundert." Häufig würden E-Bikes gestohlen.

SEXUALSTRAFTATEN

Insgesamt registrierte die Polizei in diesem Bereich 178 Straftaten (Vorjahr 160). Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen hat sich mehr als verdoppelt - von 23 auf 54. Laut Ulrike Magdanz könnte ein Grund für den Anstieg in der Statistik die Sexualstrafrechtsreform sein, die Ende 2016 in Kraft trat. "Es fallen mehr Fälle in den Bereich", so die Kriminalhauptkommissarin. Es würden auch mehr Fälle zur Anzeige gebracht, das Thema sei durch die Metoo-Debatte präsenter.

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