Gewalt gegen OrdnungskräftePolizist aus Werther klagt über verloren gegangenen Respekt

Bezirkspolizist Martin Rondorf hat auch in Werther eine ungute Entwicklung in der Gesellschaft beobachtet. Die Hemmschwellen würden immer niedriger.

Anke Schneider

In der Silvesternacht kam es in verschiedenen Städten, unter anderem in Berlin, zu massiven Übergriffen auf Einsatzkräfte. - © picture alliance/dpa/TNN
In der Silvesternacht kam es in verschiedenen Städten, unter anderem in Berlin, zu massiven Übergriffen auf Einsatzkräfte. © picture alliance/dpa/TNN

Werther. In der Silvesternacht kam ist es vor allem in Berlin, aber auch in Hamburg, Frankfurt und anderen Städten zu massiver Gewalt. Autos und Mülltonnen wurden angezündet, Polizisten und Feuerwehrleute angegriffen, hunderte Einsatzkräfte wurden verletzt. Nun wird in der Politik heftig diskutiert, woher der sinkende Respekt vor Einsatzkräften kommt und wie man solchen Übergriffen begegnet.

Sind Übergriffe auf Einsatzkräfte ein Phänomen in Großstädten, oder gibt es so etwas auch in kleinen Städten, wie Werther? Wir haben nachgefragt.

Martin Rondorf, Bezirkspolizist in Werther, hat durchaus eine gewisse „Erosion des Respektes in der Gesellschaft" festgestellt, wie er sagt. Das gelte nicht nur gegenüber Behörden und Amtsträgern, sondern generell im Umgang der Menschen miteinander. „Das fängt schon bei den Kindern und Jugendlichen in den Schulen an", sagt er. Wenn man höre, wie Kinder und Jugendliche miteinander umgingen, da schlackerten einem schon die Ohren. „Da wird beleidigt, was das Zeug hält. Und am Ende heißt es, das sei nur Spaß gewesen", so Rondorf. Spaß sei es seiner Meinung nach aber nur dann, wenn beide lachten.

Akzeptanz von Regeln schwindet

Martin Rondorf sieht durchaus eine gewissen Erosion des Respektes gegenüber der Polizei. - © Anke Schneider
Martin Rondorf sieht durchaus eine gewissen Erosion des Respektes gegenüber der Polizei. (© Anke Schneider)

Dass die Akzeptanz von Regeln schwindet, merkt der Polizist in seinem Alltag immer wieder. „Zum Beispiel bei meinen Sprechzeiten", erzählt er. Wenn er im Rathaus sei und Bürger außerhalb der Sprechzeiten zu ihm kämen, hätten sie wenig Verständnis dafür, dass sie nicht vorgelassen würden. Ebenso sei es an der Schule, wenn Eltern im Halteverbot parkten. „Wenn ich die Leute dann anspreche, muss ich mir so manches Mal was anhören". Viele sähen ein, dass sie gegen Regeln verstoßen hätten, einige aber auch nicht. Durchgehen lassen würde er solche Verstöße aber nicht.

Martin Rondorf erklärt den Schneeballeffekt, den Verfehlungen haben, wenn sie toleriert werden, so: „Stellen Sie sich vor, da steht ein verlassenes Auto seit Tagen irgendwo herum, und dann schlägt einer eine Scheibe ein. Ab diesem Moment dauert es nicht lange, bis das Auto völlig demoliert ist", sagt er. Wenn die Hemmschwelle einer Person erst einmal gefallen sei, würden das viele andere nachmachen.

Beim Oktoberfest in Werther eskalierte die Situation

So richtig brenzlig wurde es für Martin Rondorf in seiner inzwischen 33-jährigen Laufbahn als Polizeibeamter aber noch nicht. Ein Ausreißer sei das Oktoberfest in Werther im Jahr 2018 gewesen, erinnert er sich. Da sei es zu einer Schlägerei gekommen, bei der ein Kollege verletzt worden sei. Er persönlich sei zum Glück noch nie in eine solche Situation gekommen.

Aggressionen, die ihm entgegengebracht werden, nimmt Martin Rondorf nicht persönlich. „Ich habe ein dickes Fell", sagt er. Auf Diskussionen um die Einhaltung von Regeln und Gesetzen lasse er sich gar nicht ein. Zunächst erkläre er den Leuten, was sie falsch gemacht hätten. Wenn keine Einsicht erfolge, gehe er eben den behördlichen Weg.

Die Feuerwehr in Werther hat eine zunehmende Aggressivität gegen Mitglieder der Feuerwehr hingegen nicht feststellen können. „Noch nicht", sagt Pressesprecher Jürgen Blomeier. „Hier bei uns in Klein-Werther ist die Welt noch in Ordnung", sagt er. Die Feuerwehr sei in der Regel überall gern gesehen, schließlich kämen die Einsatzkräfte, um zu helfen. Das bestätigt auf Anfrage auch Werthers Wehrführer Dirk Hollmann. Er kann sich ebenfalls an keinen Fall erinnern, in dem die Helfer ernsthaft angegangen worden wären.

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