WertherAufgeben ist keine Option: Zwei Geschäftsfrauen kämpfen für ihren Traum

Die beiden WollFee-Inhaberinnen erleben wegen der Pandemie stürmische Zeiten. Doch es gibt für die beiden Geschäftsfrauen gute Gründe, den Faden trotzdem nicht zu verlieren.

Birgit Nolte

Petra Schröder (links) und Annette Strothmann-Huxohl betreiben seit 2007 ihr Wollfachgeschäft in Werther. Beide hoffen jetzt auf ein besseres Herbst- und Wintergeschäft als 2020/2021, das durch Corona praktisch ausgefallen ist. - © Birgit Nolte
Petra Schröder (links) und Annette Strothmann-Huxohl betreiben seit 2007 ihr Wollfachgeschäft in Werther. Beide hoffen jetzt auf ein besseres Herbst- und Wintergeschäft als 2020/2021, das durch Corona praktisch ausgefallen ist. © Birgit Nolte

Werther. Sympathisch sind sie sich von Anfang an. Doch es sollen rund zehn Jahre vergehen, bis Annette Strothmann-Huxohl und Petra Schröder, die sich durch ihre Kinder kennenlernen, ihren ersten gemeinsamen Laden eröffnen. Seit 2007 existiert nun das Fachgeschäft WollFee in Werther. „Ausgerechnet am Eröffnungstag tobte der Orkan Kyrill übers Land", erinnert sich Petra Schröder. So stürmische Zeiten erleben die beiden Geschäftspartnerinnen erst wieder in der Corona-Pandemie.

Auch selbstgestrickte Babypüschlein gehören zum Sortiment der WollFee. - © Birgit Nolte
Auch selbstgestrickte Babypüschlein gehören zum Sortiment der WollFee. (© Birgit Nolte)

Jetzt im Sommer ist in der WollFee nicht ganz so viel los. „Mit schwitzigen Händen lässt es sich nicht gut stricken", weiß Annette Strothmann-Huxohl. Das Problem: In den Monaten Dezember, Januar und Februar, wo das Geschäft normalerweise brummt, ist ganz Deutschland im Lockdown. Die WollFee nicht ganz. Denn hier kann jeder schmutzige Wäsche abgeben. „Wir sind auch Annahmestelle einer Reinigung", erklärt Annette Strothmann-Huxohl. „Dieser Service gilt als systemrelevant und deswegen durften wir an den Vormittagen öffnen." Doch längst nicht alle Kunden wissen darüber Bescheid. In der WollFee bleibt es ruhig, obwohl gerade im Lockdown viele ganz viel Zeit zum Stricken und Häkeln haben.

Die meisten wollen stöbern

Als mühseliges Geschäft entpuppt sich der An-der-Tür-Verkauf. „Die meisten wollen sowieso lieber im Laden stöbern", hat Petra Schröder festgestellt. Weil das vor Ort nicht geht, wird eben im Internet gebummelt. „Und dann mit einem Klick auch gleich bestellt", ist sich Petra Schröder sicher.

Ans Aufgeben haben allerdings weder sie noch Annette Strothmann-Huxohl ernsthaft gedacht. „Es war schon immer mein Traum, einen Laden für Wolle zu besitzen", betont Petra Schröder, die sich mit 14 Jahren ihren ersten Schal strickt. „Seitdem habe ich nicht mehr aufgehört", lacht sie. Bei ihrer Geschäftspartnerin stammt die Leidenschaft von der Oma. „Die war Schneiderin und hat alles rauf und runter handgearbeitet. Von ihr habe ich alles gelernt." Außerdem sind die beiden ein eingespieltes Team. Annette Strothmann-Huxohl hat BWL studiert, schon ein Geschäft für Damenoberbekleidung geführt und ein Händchen für die Buchführung. „Ich bin eher die Praktische, und verkaufen können wir beide", sagt Petra Schröder mit einem Lächeln.

Vermieter und Lieferanten sind kulant

Im Geschäft ist momentan die Wollauswahl noch größer als gewohnt. Die Pandemie hat für rückläufigen Umsatz gesorgt. - © Birgit Nolte
Im Geschäft ist momentan die Wollauswahl noch größer als gewohnt. Die Pandemie hat für rückläufigen Umsatz gesorgt. (© Birgit Nolte)

Auch ihr verständnisvoller Vermieter gibt den beiden Auftrieb. In den Monaten, in denen das Geschäft geschlossen bleiben muss, berechnet er nur die Hälfte der Miete. „Dafür sind wir sehr dankbar." Auch die Wolllieferanten zeigen sich in weiser Voraussicht kulant. „Wir können zwar keine Ware zurückgeben, aber uns mit dem Bezahlen mehr Zeit lassen als sonst."

So viel geordert wie in normalen Jahren haben die zwei vorsichtshalber aber nicht für den kommenden Herbst und Winter. „Für den nächsten Sommer bräuchten wir eigentlich gar nichts zu bestellen, weil wir noch so viel haben, aber das geht natürlich nicht, weil wir unseren Kunden immer die neusten Trends präsentieren wollen."

Umgezogen auf die Shoppingmeile

Seit knapp vier Jahren ist die WollFee in den früheren Räumen der Galerie Wenzel an der Ravensberger Straße 45 untergebracht. Gestartet sind die beiden Inhaberinnen ein paar Häuser weiter stadtauswärts. Nur rund 100 Meter liegen dazwischen. Aber die sind entscheidend dafür, ob man von einer guten oder einer eher mittelmäßigen Lage sprechen kann.

„An der Runden Ecke hört für die meisten die Einkaufsstraße auf", sagt Annette Strothmann-Huxohl. Das alte Geschäft lag außerhalb dieser unsichtbaren Grenze, die die Ravensberger Straße offenbar in Shoppingmeile und Wohnquartier aufteilt. „Deswegen haben wir den Umzug auch nicht eine Sekunde bereut", betont Annette Strothmann-Huxohl, die gemeinsam mit Petra Schröder am aktuellen Standort deutlich mehr Kundschaft empfängt. Aktuell beschränken sich die Öffnungszeiten noch auf die Vormittage: montags bis samstags von 10 bis 13 Uhr.

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