WertherKultur- und Erholungsort in Not: Der Wassermühle droht das Aus

Besitzer Hans Westfeld will im denkmalgeschützten Gebäude Konzerte und Lesungen veranstalten. Auch ein gastronomischer Betrieb ist geplant. Es gibt jedoch keine Einigung mit der Stadt.

Sylvia Tetmeyer

In den vergangenen sechs Jahren ist ein Kleinod entstanden. Auch die Hotelzimmer im rechten Teil des Gebäudes sind fertig. - © Sylvia Tetmeyer
In den vergangenen sechs Jahren ist ein Kleinod entstanden. Auch die Hotelzimmer im rechten Teil des Gebäudes sind fertig. © Sylvia Tetmeyer

Niederdornberg-Deppendorf. Mit viel Enthusiasmus und einer Menge Ideen hat Hans Westfeld vor sechs Jahren die alte Deppendorfer Wassermühle gekauft, um sie zu einem Kleinod – auch für Besucher – zu machen: „Ich wollte einen öffentlichen Raum für Konzerte und Kulturveranstaltungen schaffen und den zahlreichen Radfahrern und Wanderern die Möglichkeit bieten, die Atmosphäre in unserem Biergarten zu genießen", sagt der Besitzer. Nun steht das Projekt auf der Kippe, weil es immer neue Hürden für eine Genehmigung gibt.

„Die Stadt muss mir ermöglichen, das Denkmal wirtschaftlich zu betreiben", betont der Unternehmer. Die jüngsten Gespräche mit dem Umweltamt würden dazu führen, dass ein Betrieb unmöglich gemacht werde. Dabei gehe es nicht nur um die umstrittene Verlegung des Schwarzbaches, sondern auch um benötigte Parkplätze. Um eine Genehmigung für die Gastronomie zu erhalten, habe er ursprünglich sieben Stellplätze nachweisen müssen. Vier hat Westfeld direkt vor der Mühle angelegt. In einem Schreiben von 2019 habe das Bauamt zugesichert, dass er drei weitere Plätze, die sich gegenüber der Mühle befinden und der Kommune gehören, ablösen könne.

Erholung für Radler und Wanderer

Jetzt erklärte das Umweltamt, dass dies nicht möglich sei, weil es sich um Wanderparkplätze handele. In weiteren Gesprächen habe die Stadt zwar die Anzahl der nötigen Plätze auf fünf reduziert. „Dann wäre aber die Rampe zugeparkt und auch für Radfahrer nicht mehr passierbar", sagt der Mühlenbesitzer. Diese habe er angelegt, um Besuchern mit Rollator oder Kinderwagen einen barrierefreien Zugang zu den Gasträumen und zur Terrasse zu ermöglichen. Nun ärgert sich der 56-Jährige, dass er für die Rampe und seine geschotterten Parkplätze rund 4.000 Euro auf ein Öko-Konto einzahlen soll.

Christoph Schlegel wird der gastronomische Leiter in der Wassermühle. - © Sylvia Tetmeyer
Christoph Schlegel wird der gastronomische Leiter in der Wassermühle. (© Sylvia Tetmeyer)

„Vorher stand hier eine alte Remise. Der Weg ist geblieben. Wir haben ihn geschottert, damit er wasserdurchlässig ist", erläutert Susanne Wilking. Die Geschäftsführerin erklärt, dass in der Mühle nicht zuletzt Arbeitsplätze geschaffen würden. Die Rückmeldungen der Besucher seien bislang sehr positiv gewesen. Einige Veranstaltungen hätten im vergangenen Jahr bereits stattgefunden, am Mühlentag seien etwa 700 Besucher gekommen. Inzwischen ist der Hotelbetrieb mit sieben Zimmern genehmigt worden.

"Wenn es nicht bald eine Lösung gibt, ziehe ich mich zurück"

Außerdem steht in Christoph Schlegel ein Koch in den Startlöchern, der als gastronomischer Leiter in dem Denkmal wirken soll. Zunächst muss eine Küche eingebaut werden. „Ich habe mich in das Objekt verliebt", bekennt der 29-Jährige. Im Gespräch ist bereits, dass er die Wassermühle pachtet. „Wenn es nicht bald eine Lösung mit der Stadt gibt, werde ich mich zurückziehen", kündigt Hans Westfeld an. Dann werde die Mühle nur noch für Hotel- und Seminarbesucher zur Verfügung stehen. Außerdem könnten Räume für private Feiern gemietet werden.

„Ich bin tieftraurig darüber, dass sich das Verfahren so lange hinzieht", sagt Paul John. Der Bezirksbürgermeister (Grüne) bezeichnet die denkmalgeschützte Mühle als „wichtiges, erhaltenswertes Kulturgut". Es sei „wunderbar", was bislang daraus geworden wäre. Deshalb müsse eine „ganzheitliche Lösung" gefunden werden. Die Politik stehe „voll dahinter". Dies solle auch während der kommenden Bezirkssitzung noch einmal bekräftigt werden. Die findet am Donnerstag, 29. April, statt.

Ganzheitliche Lösung mit allen Akteuren

Paul John hofft auf einen „gangbaren Kompromiss". Dazu müssten alle beteiligten Akteure an einen Tisch geholt werden. Es gehe darum, das Kleinod zu erhalten und Veranstaltungen möglich zu machen. Vorstellen können sich die Politikerinnen und Politiker, dass zukünftig eine Fahrradstraße entlang der Schloßstraße ins benachbarte Werther führt: „Es wäre doch schön, wenn man an der Mühle eine Rast machen und ein kaltes Getränk genießen könnte."

Hans Westfeld und Susanne Wilking wollen an der Mühle ein öffentliches Kulturangebot schaffen. Weil es keine Einigung mit der Stadt gibt, haben sie nun einen Zaun aufgestellt. - © Sylvia Tetmeyer
Hans Westfeld und Susanne Wilking wollen an der Mühle ein öffentliches Kulturangebot schaffen. Weil es keine Einigung mit der Stadt gibt, haben sie nun einen Zaun aufgestellt. (© Sylvia Tetmeyer)

Für Hans Westfeld drängt die Zeit. Der Mühlenbesitzer will mit einer Petition um Unterstützung für sein Projekt werben. „Wir haben jetzt einen Zaun aufgestellt, weil wir bei schönem Wetter keine Gäste mehr bewirten dürfen, auch wenn das wegen Corona jetzt sowieso nicht möglich ist", bedauert er. Eigentlich habe er ein „schönes Kulturprogramm" für dieses Jahr geplant. Sollte es keine Einigung geben, müsse so oder so alles ausfallen.

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