WertherSüthfeld II erstmal vom Tisch: Diskussion ist noch lange nicht beendet

Nach langem Hin und Her setzt eine Kampfabstimmung im Planungsausschuss unter alle drei gestellten Anträge einen Schlussstrich. Die Gegner der Bebauung dürfte das freuen. Dass es allerdings eine nächste Runde geben wird, ist so gut wie sicher.

Anja Hanneforth

Erst einmal wird hier nicht gebaut. Jedenfalls hat eine hauchdünne Mehrheit im Ausschuss einen Aufstellungsbeschluss zur Bebauung des Süthfelds II abgelehnt. - © Ulrich Fälker
Erst einmal wird hier nicht gebaut. Jedenfalls hat eine hauchdünne Mehrheit im Ausschuss einen Aufstellungsbeschluss zur Bebauung des Süthfelds II abgelehnt. © Ulrich Fälker

Werther. Es kommt nicht oft vor, dass Themen bei politischen Sitzungen einen Besucheransturm auslösen. Schon gar nicht muss jemand nach Hause geschickt werden. Doch Corona macht’s nötig. Obwohl die Verwaltung den Planungsausschuss extra in den großen Saal des Gemeindehauses verlegt hatte, erhielten rund 15 Personen keinen Einlass. Enttäuscht zogen sie ab, während 20 weitere Platz nehmen durften – coronakonform mit Maske und Abstand.

Der Frust der Abgewiesenen dürfte allerdings nicht lange vorhalten, wenn sie hören, dass an diesem Abend weder ein Grundsatzbeschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans noch überhaupt ein Vorstoß in diese Richtung unternommen wurde. Nach langer Debatte fiel gar keine Entscheidung, das Süthfeld II ist damit erst einmal vom Tisch.

Kommentar

Spannende Zeiten brechen an

Früher war alles leichter. Da gab es feste Bündnisse aus Rot-Grün oder Schwarz-Gelb, und die UWG konnte sich mehr als einmal rühmen, das Zünglein an der Waage zu sein. Das ist inzwischen anders. Seit der Kommunalwahl sitzen sechs Parteien im Rat, keine von ihnen mit klarer Mehrheit. Wer einen Antrag durchbringen will, braucht Verbündete, und zwar mindestens zwei. Automatismen gibt es nicht mehr, Absprachen werden schwieriger, aber nötiger, bei jedem Thema werden die Karten neu gemischt – siehe Süthfeld II. Das ist neu für Werther. Und gut. Denn es wird wieder eine Gesprächskultur geben müssen, sonst droht die Gefahr, in entscheidenden Punkten auf der Stelle zu treten. Es brechen spannende Zeiten an für den politischen Diskurs in der Stadt.

Von Anja Hanneforth

Debatte erstmals konkret

Seit vielen Jahren wird kontrovers über eine potenzielle Bebauung der rund zehn Hektar großen Fläche in Werthers Südosten diskutiert. Waren die Debatten bisher eher theoretischer Art, wurde es jetzt erstmals konkret. Die UWG-Fraktion hatte wie berichtet einen Antrag gestellt, in dem sie den Grundsatzbeschluss zum Aufstellen eines Bebauungsplans forderte. Die CDU zog nach, weshalb beide Anträge jetzt auf die Tagesordnung des Planungsausschusses kamen.

Offenkundig gab es dann allerdings in der vergangenen Woche eine Videokonferenz von CDU, UWG und den Freien, in der sie sich auf einen neuen, gemeinsamen Antrag verständigten und ihn am Dienstagabend vortrugen: die Forderung eines Grundsatzbeschlusses zur Überplanung einer Teilfläche des Süthfelds II, rund 0,8 Hektar entlang der Schloßstraße für zwölf bis 15 Grundstücke. Ein „ökologisches Vorzeigegebiet" und „Leuchtturmprojekt", denn Werther brauche endlich eine Perspektive, so Birgit Ernst (CDU). „Wir können es uns nicht erlauben, die Sache noch weiter auf die lange Bank zu schieben."

„Borgholzhausen, Halle und Steinhagen: Alle hängen uns ab"

Andreas Honsel (Freie) bekräftigte: „Wir sind mit unserem Antrag nicht zu früh, sondern zu spät. Borgholzhausen, Halle und Steinhagen: Alle hängen uns ab. Es ist fatal, dass wir potenziellen Neubürgern keine Angebote machen können. Wir müssen endlich in den Quark kommen."

Das sahen SPD, Grüne und WDGA ganz anders. Bürgermeister Veith Lemmen (SPD) begann mit der Gegenrede, indem er betonte, dies sei nicht der richtige Zeitpunkt für einen solchen Antrag. Vielmehr forderte er ein grundsätzliches Wohnraumkonzept mit Blick auf die nächsten zehn, 15 Jahre. „Natürlich gibt es viele Begehrlichkeiten, aber das muss ökologisch wie ökonomisch sinnvoll passieren."

Hauchdünne Mehrheit entscheidet

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Die SPD lehnte den Antrag rundheraus ab, begründete dies unter anderem mit Plänen an der Borgholzhausener Straße, der Nordstraße und dem Schlingweg, die den Druck vom Kessel nähmen. Stattdessen forderte sie, den Antrag zurückzustellen, um in Ruhe einen mehrheitsfähigen Kompromiss zu finden. Das unterstützten die Grünen, die sich wehrten, „mit zwei Blöcken gegeneinander zu stimmen", wie es Thomas Heidemann formulierte. WDGA war grundsätzlich gegen das Baugebiet, das „gegen den Erhalt unserer Lebensgrundlagen verstößt".

Am Ende entschied die hauchdünne Mehrheit von acht zu sieben Stimmen von SPD, Grünen und WDGA gegen den Gemeinschaftsantrag und damit das Süthfeld II. Von Dauer dürfte dies allerdings nicht sein. Im Rathaus wird jedenfalls schon einmal eruiert, ob die Besitzer der Süthfeld-Flächen überhaupt bereit wären zu verkaufen.

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