WertherNiedriger Inzidenzwert: Warum läuft es in Werther so gut?

Johnny Dähne

Das Eiscafé Venezia am Alten Markt hat wieder geöffnet. Klar, dass viele Menschen bei sonnigem Wetter zu Werthers Kultstätte pilgern. Coronaregeln sind dort aber zuletzt nicht missachtet worden, berichtet Ordnungsamtsleiter Jürgen Pilgrim. - © Birgit Nolte
Das Eiscafé Venezia am Alten Markt hat wieder geöffnet. Klar, dass viele Menschen bei sonnigem Wetter zu Werthers Kultstätte pilgern. Coronaregeln sind dort aber zuletzt nicht missachtet worden, berichtet Ordnungsamtsleiter Jürgen Pilgrim. © Birgit Nolte

Werther. Ordnungsamtsleiter Jürgen Pilgrim spricht über den aktuellen Inzidenzwert, Ansammlungen in der Stadt und er erklärt, warum er gerade keine Glaskugel zur Hand hat.

Jürgen Pilgrim - © Anja Hanneforth
Jürgen Pilgrim (© Anja Hanneforth)

Herr Pilgrim, am Montag und am Dienstag lag der Inzidenzwert in Werther bei null. Ist das ein Grund zum Feiern?

Jürgen Pilgrim: Nein. So schön es auch ist, dass in den vergangenen sieben Tagen keinen neuen Coronafall hinzukam, so schnell kann es auch wieder in die andere Richtung gehen. Das sehen wir ja gerade: Wenn eine neu infizierte Person hinzukommt, macht das bei knapp 11.500 Einwohnern in Werther gleich eine Inzidenz von 8,8 aus. (Anmerkung der Redaktion: Am Donnerstag lag der Inzidenzwert für Werther bei 26,4).

Insgesamt bewältigen die Wertheraner in absoluten wie relativen Zahlen die Pandemie im Vergleich zu den weiteren Kommunen im Kreis Gütersloh am besten. Gibt es dafür eine Begründung?

Nein, die eine klare Begründung sehe ich nicht. Wir machen nichts besser oder toller als andere Städte. Das ginge auch gar nicht, weil wir im Kreis Gütersloh alles möglichst relativ gleich handhaben. Dabei tauschen wir uns in einer wöchentlichen Videoschalte zwischen Kommunen, Ärzten und Polizei aus. Natürlich geben wir uns auch besondere Mühe bei der Beratung von Einwohnern, Geschäften und Institutionen.

Liegt das gute Abschneiden vielleicht an der Bewohnerstruktur oder der Disziplin der Bürger?

Natürlich ist die sehr gute Mitarbeit der Bevölkerung entscheidend dafür, dass es in Werther so niedrige Inzidenzen gibt. Da sind wir auch sehr stolz drauf. Generell kommt es Werther auch zugute, dass es keine massenhaft beengten Wohnverhältnisse gibt wie an Produktionsstandorten andere Städte, die die Ausbreitung des Virus’ fördern.

Am Spielplatz an der Mühlenwiese, am Jugendzentrum und der beliebten Eisdiele in der Innenstadt sammelten sich am vergangenen Wochenende viele Bürger. Hatten Sie und Ihre Mitarbeiter dort etwas zu tun?

Wir haben Anrufe zu eventuellen Verstößen gegen die Corona-Verordnungen erhalten. Allerdings sind wir – gerade am Wochenende – nicht rund um die Uhr erreichbar. Ich hatte Kontakt mit der Polizei, die zwei Mal an den besagten Stellen vorbeigefahren ist und kein Fehlverhalten feststellen konnte. Generell gilt: Auch wenn viele Menschen – zum Beispiel an der Eisdiele – zusammenkommen und in einer Schlange stehen, heißt das nicht, dass sie zwingend gegen die AHA-Regeln verstoßen müssen. Mindestabstand und das Tragen einer Maske waren in dem Beispiel Eisdiele gegeben.

Gehen Sie davon aus, dass die Inzidenzwerte in Werther weiterhin auf geringem Niveau verbleiben werden?

Geben Sie mir eine Glaskugel, meine ist gerade vom Tisch gefallen (lacht). Wir sind alle von den Einschränkungen betroffen. Je länger das so bleibt, desto größer kann der Unmut werden und die Risikobereitschaft jedes einzelnen steigen. Ich hoffe allerdings, dass sich unsere Bewohner weiterhin so vorbildlich verhalten wie bisher.

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