WertherFast 400 Anrufe am Tag: Falsche Polizisten versuchen Senioren abzuzocken

Im Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer Betrügerbande sagt am Mittwoch ein Bielefelder Polizist vor dem Landgericht aus. Er berichtet auch über die Methoden der Hinterleute.

Herbert Gontek

Die Täter nutzen oft die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus. - © Maik Goering - Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes
Die Täter nutzen oft die Gutgläubigkeit ihrer Opfer aus. © Maik Goering - Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes

Werther/ Bielefeld. Mit bis zu 300 oder 400 Anrufen an einem Tag habe das Callcenter der falschen Polizisten aus dem türkischen Izmir ältere Menschen im Großraum Bielefeld belästigt und zur Übergabe von Gold und Geld genötigt. Das berichtete ein ermittelnder Polizist im Prozess gegen die drei mutmaßlichen Geldabholer der Bande.

Das Trio, zwei 23- und 25-jährige Schwestern, sowie der Bruder einer in der Türkei untergetauchten Depothalterin, müssen sich wie berichtet gegenwärtig vor der Ersten Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichtes verantworten. Die drei allein sollen Wertsachen und Geld für rund 700.000 Euro eingesammelt. haben. Nach drei erfolgreichen Vorgehen gegen zwei Bielefelder und einer Frau aus Werther im Mai des vergangenen Jahres innerhalb von nur zwei Tagen verfügte die Polizei über die Nummern der Anrufer und beantragte die Telefonüberwachung.

"Die Überwachung war schwierig"

Nun sagte der leitende Polizeibeamte der Bielefelder Spezialabteilung am Mittwoch vor Gericht aus. „Die Überwachung war schwierig, weil wir gegen die Menge der Gespräche nicht ankamen. Über 5.000 waren es. In einigen Fällen konnten wir eine Übergabe in letzter Sekunde verhindern", berichtete er. Die sogenannten „Keiler", die Gesprächsführer und Einsatzkoordinatoren der Lockgespräche, hätten sicher in der Türkei gesessen und über ihre Logistiker in Deutschland nach einem erfolgreichen Kontakt das Einsammeln der Beute abgewickelt.

Nach den Schilderungen des Zeugen ergab sich folgendes Bild: Es gab eine Art Regionalleiter, in Bielefeld war es die Schwester des angeklagten Mannes aus Verl. Die Regionalleiter schickten die Abholer los und spionierten die Sicherheit am Übergabeort aus. Sie waren auch für die Bezahlung der Fahrer zuständig. Der Depothalter war nach einer gestaffelten „Gebührenordnung" am Geschäft beteiligt: bis 15.000 Euro Wert für die „Ware" mit 20 Prozent und bis 30.000 Euro Wert mit 15 Prozent. An allen Raubzügen, die mehr als 30.000 Euro an Wert brachten, waren es zehn Prozent Beteiligung.

Es fällt das Wort "Kronzeugenregelung"

Die drei jetzt angeklagten Bielefelder wurden im Spätsommer des vergangenen Jahres festgenommen. Am 2. Dezember klickten für 39 Hauptdrahtzieher in der Türkei die Handschellen. Zwei oder drei Kriminelle sollen auch für die Einsätze der Bielefelder Zelle verantwortlich gewesen sein.

Innerhalb der Darstellung der polizeilichen Arbeit fragten der Vorsitzende Richter Georg Zimmermann und auch die Verteidiger detailliert nach, in welchem Maße das Trio an der Aufklärung mitgewirkt habe. Immer wieder fiel dabei das Wort „Kronzeugenregelung". Allerdings bezweifelte der Polizist die Bedeutung der 25-jährigen Schwester in der Hierarchie. Sie war zusammen mit der mutmaßlichen Bielefelder Statthalterin in einem grünen Lamborghini eines türkischen Logistikers fotografiert worden. „Niedrige Mitglieder des Systems dürfen sicherlich nicht das Auto des Chefs benutzen", sagte der Zeuge.

Bis zum Ende des Prozesses sind noch zwei Verhandlungstage angesetzt.

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