Gehäkelte Baumwollmonster an Strommasten: Diese Frau macht Werther bunt

Ekkehard Hufendiek

Cora Stern hat im Lockdown einen Strommasten vor ihrer Haustür mit bunten Akrobatikmonstern geschmückt. Sie will Passanten damit eine kleine Freude bereiten. - © E. Hufendiek
Cora Stern hat im Lockdown einen Strommasten vor ihrer Haustür mit bunten Akrobatikmonstern geschmückt. Sie will Passanten damit eine kleine Freude bereiten. (© E. Hufendiek)

Werther. Fußgänger und Radfahrer werden vergnügt sein, wenn sie zurzeit die Bransheide durchqueren. Rechts und links des Weges begegnen ihnen Smileys oder Akrobatikmonster aus Baumwolle. Eine Regenbogenfahne und ein buntes Karomuster zählen ebenfalls zu den netten Kunstwerken am Wegesrand. Die hat die Wertheranerin Cora Stern gehäkelt und in etwa zwei bis drei Meter Höhe an einige Strommasten angebracht.

Der Grund für ihre Aktion ist eine seltene Tugend – kreative Selbstlosigkeit. Da die Kultur zurzeit kaum eine Möglichkeit des Ausdrucks findet, habe sich Cora Stern gefragt: „Was kann ich tun, damit ich den Spaziergängern eine Freude bereite?"Angeregt wurde sie dabei von einer Babenhausener Nachbarschaftsaktion, die während der Coronakrise berühmte Kunstwerke nachstellte. Die Teilnehmer fotografierten sich beim Verkörpern der Werke. „Das war sehr schön", sagt Cora Stern.

Das Vorbild Kleinkrieg-Stricken

Außerdem kennt sie aus anderen Ländern den englischen Begriff Guerilla-Knitting, zu Deutsch: Kleinkrieg-Stricken. Das tauchte 2010 erstmals in deutschen Städten auf. Dabei kleiden Leute mit bunten Strickarbeiten Bäume oder unschöne Objekte in der Innenstadt ein. „Bäume finde ich schön genug, aber die Strommasten sind ja nun keine Augenweide. Die stehen einfach nur dumm da."

Damit die Strommasten nach ein wenig mehr aussehen, kaufte sie vor dem Lockdown im November Baumwolle ein. Das Stöbern im Internet half ihr bei der Entscheidung für ein Motiv. Weil sie Stricken bislang nicht gelernt hat, kramte sie kurzerhand ihre Häkelnadeln aus der Schulzeit hervor.

"Die, die sich darüber nicht freuen, erreiche ich sowieso nicht"

Zwei bis drei Wochen häkelt sie laut ihrer Angabe an einer einzelnen Arbeit. 20 Knäuel hat sie bislang für die Aktion verbraucht. „Mir macht das Spaß." Und wenn ihr beim Stricken mal eine Farbe fehle, frage sie einfach in ihrem Wohnhaus herum, ob jemand noch etwas Baumwolle in der Farbe vorrätig habe.

Cora Sterns erste Häkelarbeit ist diese Regenbogenfahne. - © E. Hufendiek
Cora Sterns erste Häkelarbeit ist diese Regenbogenfahne. (© E. Hufendiek)

Ihre erste Häkelei war eine Regenbogenfahne, ein Friedens- und Freiheitssymbol. Beim Anbringen musste sie eine Leiter zu Hilfe nehmen. Danach habe sie öfters aus dem Fenster geschaut, um zu sehen, wie die Spaziergänger auf die Regenbogenfahne reagierten: „Bei den meisten gingen die Mundwinkel hoch", berichtet sie. Viele Leute reagierten erfreut, die mit ihren Hunden Gassi gehen. „Die, die sich darüber nicht freuen, erreiche ich sowieso nicht", fügt sie hinzu. „Aber vielleicht ein anderes Mal".

Auf die Frage, ob sie noch weitere Masten in ihrer Straße verschönern will, antwortet sie: „Ich mache das nur, solange ich Lust habe. Aber ich fände es toll, wenn ich damit auch andere animiere, kreativ zu werden."

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