Cafés dicht? Dieser Autor schafft sich seine eigene Kaffeehaus-Atmosphäre

Dass er am liebsten in Cafés sitzt, um kreativ zu werden, daraus macht Rüdiger Paulsen keinen Hehl. Doch die Lockdownsmachten genau das 2020 fast unmöglich. Statt zu verzweifeln, nutzte er die Ausfälle, um Neues auszuprobieren.

Alexander Heim

Für Rüdiger Paulsen war 2020 ein besonderes Jahr mit vielen Überraschungen. Unbekannte schenkten dem Künstler und Autor eine Flasche Wein. - © Alexander Heim
Für Rüdiger Paulsen war 2020 ein besonderes Jahr mit vielen Überraschungen. Unbekannte schenkten dem Künstler und Autor eine Flasche Wein. (© Alexander Heim)

Werther-Theenhausen. Erst im März, dann noch einmal im Juni, musste der Kreis Gütersloh in den Lockdown gehen. Nun erneut seit ein paar Wochen. „Seit es im November los ging", verrät Rüdiger Paulsen, „habe ich nicht eine Zeile geschrieben."

Ja, einige Texte, die aus dem Lektorat zurückkamen, habe er überarbeitet, verrät der Autor von PIXI-Geschichten, der 2020 auch einen runden Geburtstag „feiern" konnte. Was ihm im Jahr der Corona-Pandemie geholfen hat: „Ich hatte einen guten Vorrat an Geschichten geschrieben, die ich noch nicht zum Carlsen-Verlag geschickt hatte."

Neben Weihnachtsgeschichten hat Rüdiger Paulsen schon über die junge Hexe Merle oder den Klabautermann geschrieben. - © Alexander Heim
Neben Weihnachtsgeschichten hat Rüdiger Paulsen schon über die junge Hexe Merle oder den Klabautermann geschrieben. (© Alexander Heim)

Doch Inspiration für Neues bekommen? Im Café die Fantasie schweifen lassen? Nicht so leicht, wenn alle Cafés geschlossen bleiben. „Vor ein paar Tagen hab ich dann gedacht: „So geht’s nicht weiter. Ich muss wieder ans Schreiben kommen."

Aus der Not eine Tugend gemacht

Also hat Rüdiger Paulsen aus der Not eine Tugend gemacht, hat sein Büro ein klein wenig umgebaut, sich in einer Ecke einen Café-Tisch eingerichtet. Und an diesem nun täglich für ein, zwei Stunden einen Platz reserviert. „Die ersten Tage", verrät er und lacht, „ging das gar nicht".

Doch allmählich schleicht sich wieder eine Routine ein, wird morgens per Hand aufgeschrieben, was abends den Weg in den PC findet. „In der Regel folgen 15 Überarbeitungen, ehe ich es Cordula zeige", erzählt Rüdiger Paulsen. „Wenn ich Glück habe, sagt sie: Oh, schön." Doch oft sei seine Ehefrau kritisch. „Sie hat", räumt er ein, „in der Regel den richtigen Riecher dafür".

Ehepaar hatte zunächst gehofft, dass bald wieder alles beim alten sei

PIXI-Geschichten erdenken und schreiben – das ist nur das eine im Leben von Rüdiger und Cordula Paulsen. Luftballon-Künstler sind sie schließlich auch. Sie treten mit ihrem Puppentheater vor Groß und Klein auf. „Im März", blickt er auf 2020 zurück, „wurden uns innerhalb weniger Tage alle Jobs abgesagt".

„Wir haben", fügt er an, „anfangs gar nicht richtig realisiert, was das heißt und auf den Mai gehofft". Am Ende waren es wenige, gut überlegte Aktionen, die als Angebot kamen und auch unter Coronabedingungen umsetzbar waren. Für 2021 sieht er die Situation dabei nicht wesentlich rosiger. „Das wird auch im ganzen nächsten Jahr, wenn überhaupt, nur mit Masken laufen", ist er überzeugt.

Doch wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine neue, heißt es. Und so haben auch Rüdiger und Cordula Paulsen überlegt, wie sie der neuen Normalität findig begegnen können. Herausgekommen ist die Idee eines Liefer- beziehungsweise Abholservices für Ballonfiguren. „Im Umkreis von 20 Kilometern", erklärt Rüdiger Paulsen. „Damit werden wir im Januar starten."

Ein Kinderbuch über Afrika ist geplant

Zeit wurde zudem frei für ein ganz anderes, neues Buchprojekt. Im Selbstverlag soll, zusammen mit einer Freundin, ein Kinderbastelbuch erscheinen. Mit Geschichten, Ausmalbildern, Rätseln und Suchbildern.

„Aktuell sind wir bei 18 Geschichten", verrät er. Rund 50 Seiten stark könnte das Buch werden. Afrika soll das übergeordnete Thema sein. Dass das Buch von den Zutaten her per se keine Weltneuheit ist, ist Paulsen klar. „Alles, was es sonst so gibt, findet man hier aber kombiniert", freut er sich bereits auf die Veröffentlichung des originellen Konzeptes.

Ein wenig wie in Afrika muss er sich wohl auch im Laufe des Jahres gefühlt haben, als er das Dickicht im Dschungel der Hilfen und Fördergelder zu durchstreifen versucht hatte. Dabei zollt er dem Land Nordrhein-Westfalen großes Lob: „Das ist wirklich vorbildlich. NRW ist von allen Bundesländern führend, was die Unterstützung von Solo-Selbstständigen angeht", findet er. Doch auch hier bleibt er realistisch: „Die Überbrückungshilfen werden nicht ewig weiterlaufen. Und von dem, was wir bekommen haben, ist nicht klar, was wir zurückzahlen müssen."

Seine PIXI-Bücher gibt es jetzt auch in Vietnam

Nicht zurückzahlen muss er die Hilfe, die von unbekannter Seite kam. Das Präsent mit der Weinflasche, dem Umschlag und der Zuwendung, über die Cordula und Rüdiger Paulsen ebenso überrascht waren wie sie sich gefreut haben. Und: Danke sagen! Am 1. Dezember stand nämlich das Präsent plötzlich und unvermittelt auf dem Gartentisch. Die „Initiative Spende statt Böller" zeichnete verantwortlich. „Da war ich erst einmal platt", räumt Rüdiger Paulsen ein.

Und so war 2020 für ihn und Ehefrau Cordula auch ein Stück weit das Jahr des Sich-Freuen-Könnens. In mehr als ein Dutzend Länder sind ihre PIXI-Geschichten nämlich inzwischen gewandert. Und jüngst ist ein besonderes hinzugekommen. „Vor zwei Wochen", verrät Rüdiger Paulsen, „habe ich die Beleg-Exemplare aus Vietnam bekommen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2021
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.