Eigenanteil für Pflegekosten: Warum die Heimpflege kostspielig bleibt

Heiko Kaiser

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Werther. Sybille Florschütz muss in diesen Tagen eine Menge Fragen beantworten. Die Geschäftsführerin des Lebensbaums wird immer wieder darauf angesprochen, dass Gesundheitsminister Jens Spahn den Eigenanteil für die stationäre Pflege in Altenheimen auf maximal 700 Euro senken will. Angesichts der bisher hohen Kosten für einen Heimplatz – das Portal 24h-pflege-check.de schätzt die Gesamtkosten deutschlandweit durchschnittlich auf 3.000 bis 3.500 Euro, in NRW sogar auf bis zu 4.000 Euro – scheint es sich bei diesem Vorschlag um einen wahren Quantensprung zu handeln.

Wer Gesamtkosten mit Pflegekosten vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen

Weit gefehlt. Wer die Gesamtkosten für eine Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung mit den Pflegekosten vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Denn die Eigenleistung an den Pflegekosten ist nur ein kleiner Teil der Gesamtkosten, die bei der Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung anfallen. Der Kreis Gütersloh hat das auf seiner Website www.pflege-gt.de an einem Beispiel verdeutlicht (siehe Kasten).

Bei vollstationärer Pflege beteiligt sich die Pflegekasse ab Pflegegrad 2 mit einer Pauschale an den pflegebedingten Aufwendungen. Diese beträgt derzeit 1.262,00 Euro. Ab 2017 verbleibt nach Abzug dieser Pauschale unabhängig vom Pflegegrad eine einheitlich hohe Zuzahlung zum Pflegesatz in der Pflegeeinrichtung (pflegebedingter einrichtungseinheitlicher Eigenanteil). Dieser ist vom Pflegebedürftigen selbst zu tragen und betrug bislang 867,40 Euro. Diesen Anteil will Spahn auf 700 Euro begrenzen – eine Kostenminderung von 167,40 Euro. Zu den Pflegekosten kommen allerdings noch die Kosten für Unterbringung und Verpflegung, eine Ausbildungsplatzumlage, Investitionskosten und ein sogenannter Barbetrag (Taschengeld für den Heimbewohner) hinzu.

Reichen die Einkünfte des Pflegebedürftigen nicht zur Deckung des pflegebedingten Eigenanteils, der Ausbildungsplatzumlage, der Kosten für Unterkunft und Verpflegung sowie der Investitionskosten, kann ab Pflegegrad 2 Pflegewohngeld beantragt werden. Pflegewohngeld ist wie Sozialhilfe unter anderem vermögensabhängig. Die Freigrenze beträgt für Ehepartner oder Lebensgemeinschaften 10.000 Euro. Verbleiben auch nach Abzug des Pflegewohngeldes ungedeckte Kosten, für die der Betroffene nicht selbst aufkommen kann, kann ergänzend Sozialhilfe beantragt werden.

Reicht bei den Eltern das Geld für die Pflege im Alter nicht, bittet der Staat bei höheren Einkommen und Vermögen die Nachkommen zur Kasse. Seit dem 1. Januar diesen Jahres sind Kinder ihren Eltern jedoch erst ab einem Jahresbruttoeinkommen von 100.000 Euro zum Unterhalt verpflichtet.

„Ich bin nach der Ankündigung von Jens Spahn mehrfach darauf angesprochen worden, dass demnächst ein Pflegeheim günstiger sei als eine mobile Pflege“, sagt Sybille Florschütz. Kommt der Pflegedienst einmal täglich im Haus, werden um die 700 Euro abgerechnet. „Sie werden in Nordrhein-Westfalen jedoch auch zukünftig kein Platz in einem Pflegeheim unter 2.000 Euro bekommen“, sagt Sybille Florschütz. 1.262 Euro von der Pflegeversicherung sind hier bereits abgerechnet.

Zieht man das Beispiel von der Website des Kreises Güterloh heran, wären für Unterbringung, Pflege und Verpflegung in einem Heim 2.475 Euro monatlich fällig, falls die Betreffenden über Vermögen von mehr als 10.000 Euro verfügen. Liegt das Vermögen unter dieser Freigrenze, sind davon 456 Euro abzuziehen.

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