Diese Wertheranerin zog der Liebe wegen nach New York

Heiko Kaiser

Für viele ist dies ein gigantischer Anblick. Für Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter aber ein alltägliches Bild. Seit 37 Jahren lebt die gebürtige Wertheranerin in New York. - © Heiko Kaiser
Für viele ist dies ein gigantischer Anblick. Für Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter aber ein alltägliches Bild. Seit 37 Jahren lebt die gebürtige Wertheranerin in New York. (© Heiko Kaiser)

Werther/New York. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die einem Lebensweg die entscheidende Wendung geben. Und manchmal wird aus einem „nur kurz noch" ein lebenslang. Die Biografie von Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter ist ein Beispiel für einen solchen Weg, der ursprünglich als Stippvisite jenseits des Atlantiks geplant war und der dann zum Daueraufenthalt führte.

Die Stimme klingt vertraut. Auch nach über 37 Jahren noch. Und sie klingt gleichzeitig fremd, weil sich eine Tonalität eingeschlichen hat, die das Ostwestfälische deutlich überlagert. Eine andere Satzmelodie und Betonung, wie sie typisch ist für eine Deutsche, die lange in den USA gelebt hat. „You know ..."

„Eine Schweinshaxe, wie früher bei Louis Schäperkötter"

1983 bricht die damals 19-Jährige auf nach New York, um dort als Au-pair Erfahrungen zu sammeln. „Kolle", wie sie von ihren Freundinnen und Freunden genannt wird, ist in Werther geboren, auf dem EGW zur Schule gegangen und hat am Max-Planck-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Nichts deutet daraufhin, dass sie nach der Au-pair-Zeit, die sie in einer Familie in New York City, absolviert, nicht nach Deutschland zurückkehren wird.

Damit es alle wissen. In diesem Haus wohnt ein Kingsman. - © Heiko Kaiser
Damit es alle wissen. In diesem Haus wohnt ein Kingsman. (© Heiko Kaiser)

Doch dann kommt es anders. Sie lernt Steven Schaeperkoetter kennen, den Cousin ihrer Wertheraner Freundinnen Ulrike und Stefanie Kürschner. Steven ist der Sohn des Ingenieurs Freddy Schaeperkoetter, der einst in jungen Jahren von Werther in die USA ausgewandert ist. Und weil die Liebe nun einmal der zuverlässigste Anker ist, beschließt Ulrike Kollmeier, das in Deutschland geplante Wirtschaftsstudium zunächst einmal in den Staaten an der Stony Brook University zu beginnen. Zunächst einmal. „Dann wollte ich es auch dort beenden. So kam eines zum anderen. Wir haben geheiratet, Kinder bekommen. Und ich bin geblieben", sagt die heute 56-Jährige rückblickend

Den Gedanken, nach Werther zurückzukehren, habe sie danach eigentlich nie gehabt. Ob ihr denn nicht etwas fehle? Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter überlegt ganz kurz. Dann lacht sie und sagt: „Ein richtiges schönes Schnitzel vielleicht. Oder nein, besser noch, eine Schweinshaxe, wie es sie früher bei Louis Schäperkötter gegeben hat." Eine Schweinshaxe. Nicht viel, nach 37 Jahren fern der alten Heimat. Zeichen dafür, dass sich „Kolle" in ihrer neuen Umgebung rundum wohl fühlt. Sie arbeitet für die Verwaltung von Kings Park auf Long Island, ist dort zuständig für die Vergabe von städtischen Aufträgen. „Kürzlich haben wir ein Baseball-Stadion gebaut", erklärt sie.

Die Pandemie hat Auswirkungen auf die Familie

Ihre Kinder Dana (24) und Erjk (21) haben Biologie in New York City studiert. Beide wollen einmal in den medizinischen Bereich gehen. „Erik arbeitet nebenbei als Sanitäter. Da war ich während der Hochphase der Corona-Krise schon sehr besorgt", gibt sie zu.

Die Ausmaße der Pandemie hatte Auswirkungen auf die Familie. „Steven arbeitet bis heute nur noch im Homeoffice und die Wohnung von Dana in New York City haben wir gekündigt, da wir es nicht vertreten konnten, dass sie sich während des Studiums dort aufhält", erzählt Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter.

Familienfoto zum Collegeabschluss. Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter mit ihrem Mann Steven und den beiden Kindern Erik und Dana. - © Heiko Kaiser
Familienfoto zum Collegeabschluss. Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter mit ihrem Mann Steven und den beiden Kindern Erik und Dana. (© Heiko Kaiser)

Allmählich kehre wieder ein bisschen Normalität ein. Die Highschool habe seit September wieder geöffnet und fahre dabei ein sogenanntes Hybrid-Modell. „Von Montag und Dienstag gehen die Schüler, deren Nachnamen mit A bis K beginnen, zur Schule, Donnerstag und Freitag, die mit den Anfangsbuchstaben L bis Z. Am Mittwoch wird die gesamt Schule komplett desinfiziert. An den Tagen ohne Schulbesuch ist Online-Unterricht."

Normal ist das Leben in diesen Tagen dennoch nicht. Immerhin steht eine Wahl an. Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter besitzt die US-Staatsbürgerschaft und darf daran teilnehmen. Wen sie wählen wird, daran lässt sie keinen Zweifel. „Die Stimmung ist hier sehr geteilt. Weil alle Demokraten aber wissen, um was es geht, legen sie sich mächtig ins Zeug, um das augenblickliche Dilemma zu beheben", sagt sie. Das Verhalten von Donald Trump während seiner Corona-Infektion nennt sie „unverantwortlich". „Dennoch ist er auch sehr beliebt. Immer wieder finden hier Trump-Paraden statt, an denen 100 bis 200 Fahrzeuge teilnehmen. Da wird dir richtig schlecht", sagt Ulrike Kollmeier-Schaeperkoetter.

Erik Schaeperkoetter spielt für das High-School-Footballteam von Kings Park. - © Heiko Kaiser
Erik Schaeperkoetter spielt für das High-School-Footballteam von Kings Park. (© Heiko Kaiser)

Urlaub in Florida wegen der Corona-Pandemie abgesagt

Vorerst werde sie der alten Heimat keinen Besuch abstatten. „Als die Kinder kleiner waren, waren wir öfter in Werther bei meinen Eltern. Doch jetzt während der Corona-Krise ist das kaum möglich." Selbst die geplante Urlaubsreise nach Florida haben Steven und Ulrike abgesagt. Begründung: „Nach einer Woche dort, müssten wir hier zwei Wochen in Quarantäne." So ähneln sich die Regelungen.

An was erinnert sie sich, wenn sie spontan an Werther denkt? „An die Eisdiele, an unsere Kirche, den Stadtpark und natürlich den Teutoburger Wald", antwortet „Kolle".

Eine Welt, die sie längst hinter sich gelassen hat. Vor 37 Jahren. Als sie auf ihre lebenslange Stippvisite ging.

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