Stinkefinger oder Beleidigung am Gartenzaun? Dieser Mann sorgt für Frieden

Heinrich Heining ist für seine 25-jährige Arbeit als Schiedsmann geehrt worden. Die Justiz dankt ihm.

Ekkehard Hufendiek

Amtsgerichtsdirektorin Ina Lehmann-Schön (links) und Werthers Bürgermeisterin Marion Weike haben dem Schiedsmann Heinrich Heining im Ratssaal eine Dankesurkunde und einen Blumenstrauß überreicht. - © Ekkehard Hufendiek
Amtsgerichtsdirektorin Ina Lehmann-Schön (links) und Werthers Bürgermeisterin Marion Weike haben dem Schiedsmann Heinrich Heining im Ratssaal eine Dankesurkunde und einen Blumenstrauß überreicht. (© Ekkehard Hufendiek)

Werther. Er kümmert sich um die Bagatelle: den Stinkefinger, die überhängende Hecke oder die Beleidigung am Gartenzaun. Heinrich Heining löst Nachbarschaftstreitereien, noch bevor sie beim Amtsrichter landen. In vielen zivilrechtlichen Fällen erspart er den Gerichten Arbeit und dem Land und den Leuten Geld. „Beim Gericht gibt es nur Gewinner und Verlierer", sagt Heining. Außerdem könne ein Prozess Jahre dauern, bei ihm dauere es nur wenige Wochen. Dabei koste das Schiedsverfahren fast immer weniger als 50 Euro. „Sie können auch mit einem Streitwert von 15 Millionen Euro zu mir kommen – solange es bei mir liegt, sind Sie fast immer unter 50 Euro dabei." Dabei habe er viel erlebt, ist jedoch an seine Schweigepflicht gebunden. „Es gab so viel Kurioses", erzählt er.

Heinrich Heining bedauert die Änderung der Verfahren vor dem Schiedsamt im Strafrecht. Vor der Einführung durch den früheren Innenminister Herbert Schnoor seien leichte Straftaten wie Beleidigung, Hausfriedensbruch oder leichte Körperverletzung vor dem Schiedsamt verhandelt worden. Heute hingegen nehme die Polizei eine Strafanzeige zwar entgegen, aber die Staatsanwaltschaft stelle das Verfahren später häufig ein. Dadurch entstehen bei Polizei und Justiz hohe Kosten. „In Nordrhein-Westfalen könnten viele Millionen Euro im Jahr gespart werden, wenn die Schiedsleute wieder die leichten Strafsachen bearbeiten können", erläutert Heining.

"Komm, wir setzen uns mal zusammen"

In festgefahrenen Konflikten fordert Heinrich Heining die Parteien zum Einzelgespräch auf. „Komm, wir setzen uns mal zusammen", sage er dann. Anschließend vereinbare er einen Termin im Haus Werther oder bei sich zuhause. Die Streitenden können dabei von Anwälten und Angehörigen begleitet werden. Im Idealfall erzielt Heinrich Heining einen Vergleich mit dem beide Parteien zufrieden sind.

Im Schnitt seien die Schiedsmänner dabei sehr erfolgreich: 60 bis 70 Prozent der Fälle werden durch einen Vergleich geregelt, berichtet Heining. Ein paar hundert Fälle habe er so in den vergangenen 25 Jahren gelöst. Dafür verlieh ihm die Justizverwaltung des Landes Nordrhein-Westfalen jetzt eine Urkunde. Amtsgerichtsdirektorin Ina Lehmann-Schön sprach ihm ihren Dank aus und lobte den Schiedsmann für seine ordentliche Buchführung: „Sie haben das Amt geprägt", sagte sie.

Fünf Jahre ist Heinrich Heining noch Schiedsmann

Im vergangenen Jahr ist Heinrich Heining vom Rat der Stadt Werther für fünf weitere Jahre zum Schiedsmann bestimmt worden. „Es macht mir einfach Spaß", sagt der Ehrenamtler zu seiner Motivation. Es wird dennoch seine wohl letzte Amtsperiode sein. Heinings Stellvertreterin ist Martina Ullrich. Sie wird – sollte der Stadtrat sie 2024 wählen – die erste Schiedsfrau in Werther sein.

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