Chor übt mit Abstand: Diese Sänger lassen sich von Corona nicht aufhalten

Video-Chat, Multiscreen, eine Waldlichtung im Teuto oder der Parkplatz vor der Musikschule MiZ – die Sänger demonstrieren, wie es trotz Corona weitergeht.

Edwin Rekate

Die Opernsängerin Claudia Oddo dirigiert den MiZ-Chor Mondo Musica. Unser Bild zeigt die Sänger und Sängerinnen (von links) Ole Weigelt, Birgit Blavius, Marita Quester, die Geschwister Lena und Nora Diekmann sowie Gabriele Gehrmann. - © Edwin Rekate
Die Opernsängerin Claudia Oddo dirigiert den MiZ-Chor Mondo Musica. Unser Bild zeigt die Sänger und Sängerinnen (von links) Ole Weigelt, Birgit Blavius, Marita Quester, die Geschwister Lena und Nora Diekmann sowie Gabriele Gehrmann. (© Edwin Rekate)

Werther. „Wichtig ist, dass die Stimmung stimmt." Die sizilianisch-deutsche Chorleiterin und Sopranistin Claudia Oddo weiß, worauf es in der Gemeinschaft ankommt. „Durch Singen schüttet man positive Glückshormone aus, das ist wichtig für Körper und Geist und erhält die Gesundheit." Aufgegeben hatte die Opernsängerin nie. „Corona macht erfinderisch", betont sie und gab Einzelunterricht per Video-Chat, hat mit dem Krakauer Bulka-Quartett im Studio Aufnahmen gemacht und mit dieser Musik ihren Chor im Internet per Multiscreen  präsentiert.

„Das Ohr braucht 15 Minuten zum Einhören"

Gute Laune hat das Mondo-Musica-Team auch gleich mitgebracht, als sich am Montagabend um 19 Uhr ein Dutzend von ihnen erwartungsfroh zur allerersten Parkplatz-Probe vor der Musikschule »Mitten im Zentrum« (MiZ) einfand. Eröffnet wurde das zweistündige Intensiv-Stimmtraining mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Abstand und dem Bette-Midler-Song »The Rose« aus dem gleichnamigen Hollywood-Film, das zum Standardrepertoire des Chors gehört.

Die sizilianische Opernsängerin Claudia Oddo dirigiert ein Dutzend Stimmen. - © Edwin Rekate
Die sizilianische Opernsängerin Claudia Oddo dirigiert ein Dutzend Stimmen. (© Edwin Rekate)

„Das Ohr braucht 15 Minuten zum Einhören", warnt Claudia Oddo ihre Eleven. Bis sich draußen die Lautstärkeverhältnisse des vierstimmigen Gruppengesanges angepasst haben, wurden – wie bei einem Puzzle – erst Bass, Tenor, Alt und Sopran einzeln trainiert, danach paarweise, und wenn sich dann Volumen und Dynamik ausgewogen gestalten, singen alle vier Stimmen zusammen. Die anschließende Lektion kommt aus dem Genre der Wiener Klassik, Wolfgang Amadeus Mozarts »Ave Verum« wird von allen Sängerinnen und Sängern professionell ausgedeutet. Echt auffallend sind bei den »Mondos« die schönen Stimmen der jungen Frauen, der Chor rekrutiert bereits seinen Nachwuchs aus den MiZ-Kursen für »Vokale Früherziehung«.

Finale ist dem verstorbenen Komponisten Ennio Morricone gewidmet

Die zeitgenössische Sakralmusik bietet momentan ein großes Experimentierfeld, »Mondo Musica« übt aktuell einen Titel des jungen norwegischen Komponisten Ola Gjeilo ein. »Ubi Caritas« (lateinisch: ‚Wo die Liebe’) ist ein Wechselgesang aus der Liturgie des Gründonnerstags. Das schwierig zu interpretierende Lied, das klanglich an gregorianischen Gesang erinnert, beinhaltet ungewohnte Harmoniefolgen und enharmonische Passagen – noch genug Arbeit bis zur Perfektion.

Die Mondo-Musica-Sängerinnen Nora und Lena sind der Nachwuchs aus der Vokalen Früherziehung der Musikschule MiZ.  - © Edwin Rekate
Die Mondo-Musica-Sängerinnen Nora und Lena sind der Nachwuchs aus der Vokalen Früherziehung der Musikschule MiZ.  (© Edwin Rekate)

Zum Finale wünschten sich die Chormitglieder in Memoriam an den am 6. Juli verstorbenen italienischen Komponisten Ennio Morricone einen Song aus dem Film »The Mission«. Das bei Crossover-Sängern populäre Lied »Nella Fantasia« erinnert mit Empathie an den weltberühmten Star, der zahlreiche Leinwandepen mit feinstem Fingerspitzengefühl vertont hat. Seine Musik zu »Der Zauber von Malèna« gewann 2001 den »David di Donatello«, den wichtigsten italienischen Filmpreis.

Claudia Oddo, die in den Sommerferien in Salento und auf Sizilien Konzerttermine wahrnehmen wird und Meisterkurse gibt, erhält bereits am Samstag, 1. August, den von der Stadt und der Region Ragusa ausgelobten Kulturpreis »Premio Ragusani Nel Mundo«. Die Ehrung findet aufgrund der Pandemie in ihrer Abwesenheit per Livestream statt. Die Feierlichkeiten der Preisverleihung mit Galakonzert auf der Piazza Libertà in Ragusa sind zunächst auf August 2021 verschoben worden.

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