Wegen Betrugs: Unternehmer aus Werther erhält Bewährungsstrafe

Ihm sei der Betrieb über den Kopf gewachsen, gestand der 46 Jahre alte Mann. Die Vorstrafen ließen kein milderes Urteil zu.

Anke Schneider

Ein Handwerker aus Werther wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. - © Heiko Kaiser
Ein Handwerker aus Werther wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. (© Heiko Kaiser)

Werther. Betrug in zwei Fällen warf die Bielefelder Staatsanwaltschaft am Donnerstag einen Unternehmer aus Werther vor. Der Handwerker soll im Juni bei einer Familie in Werther einen Auftrag zur Erstellung einer Terrasse entgegen genommen haben. Die Familie zahlte 1200 Euro für Material an, der Handwerker führte die Arbeit aber nie aus. Auch das bereits bezahlte Material wurde nie geliefert.

Im Oktober 2018 kaufte der Beschuldigte dann bei einem Wertheraner Baustoffhändler Fliesen im Wert von gut 600 Euro. Bezahlen würde sie der Kunde, soll der Handwerker gegenüber dem Händler gesagt haben. Dem Kunden stellte der Angeklagte die Fliesen aber ebenfalls in Rechnung, so dass der Baustoffhändler sein Geld nicht bekam.

Handwerker wollte die Familie niemals "betuppen"

Im Gericht sagte der 46-Jährige, dass er niemals die Absicht gehabt habe, jemanden zu „betuppen." Die Familie, deren Terrasse herrichten sollte, kenne er schon Jahre. „Ich habe schon für die Eltern gearbeitet", sagte er.

Dass der Auftrag aus dem Ruder gelaufen sei habe daran gelegen, dass sich der Bauherr umentschieden hatte. Statt Estrich und Fliesen habe er plötzlich Schotter und Platten gewollt. Darum habe er das bezahlte Material auch nicht mehr geliefert. „Damit hätten sie ja nichts anfangen können". Warum der ganze Auftrag schließlich platzte, konnte der Handwerker nicht begründen. Er sprach von einem Streit, den es schließlich gegeben hätte. „Ein Gespräch war nicht mehr möglich."

Auch aus der Fliesenbestellung beim Baustoffhändler wollte sich der Beschuldigte zunächst herausreden. Dass der Kunde die Rechnung bekommen habe, sei nicht vorgesehen gewesen; sei ein Fehler des Händlers. „Der Kunde sollte als Lieferadresse eingetragen werden, nicht als Rechnungsadresse, sagte der Angeklagte

Verteidiger nimmt seinen Mandanten in einer Pause ins Gebet

Der Verteidiger des Unternehmers nahm seinen Mandanten in einer Verhandlungspause ins Gebet und erreichte schließlich ein Geständnis. Der Beschuldigte gab zu, dass ihm sein Betrieb über den Kopf gewachsen, am Ende alles drunter und drüber gegangen sei und er komplett den Überblick verloren hatte. Er habe sich am Ende auch um nichts mehr gekümmert und die Dinge einfach so laufen lassen.

Das Gericht nahm das Geständnis wohlwollend zur Kenntnis und verurteilte den Angeklagten zu sechs Monaten Haft auf Bewährung. Der Beschuldigte habe dem Gericht eine aufwendige Beweisaufnahme erspart und sich am Ende einsichtig gezeigt, sagte der Verteidiger. Als Auflage muss der 46-Jährige den Schaden wiedergutmachen.

Dass das Verfahren nicht mit einer Geldstrafe enden konnte liegt an den zahlreichen Vorstrafen des Mannes. Von 1994 bis 2005 hat er sich einiges zu Schulden kommen lassen. 2006 und 2007 wurde er wegen mehrfachen Betruges verurteilt und musste ein Jahr lang im Gefängnis verbringen. „Seitdem ist aber nichts mehr gewesen", stellte das Gericht fest. Das mache Hoffnung, dass die Taten im Jahr 2018 ein einmaliger Ausrutscher waren.

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