Aufschrei in Werther: Stadt verbietet Kindern das Buddeln

Kinder haben in den vergangenen Wochen an einem lehmigen Hang gespielt und gebuddelt. Die Stadt hat das unterbunden – und sieht sich nun mit Kritik konfrontiert.

Herbert Gontek

Buddeln am Hohlweg - © Herbert Gontek
Buddeln am Hohlweg (© Herbert Gontek)

Werther. Verstimmung herrscht derzeit an der Käppkenstraße. „Da im Hohlweg haben wir vor 70 Jahren schon gebuddelt, unverschämt was sich die Stadt rausnimmt", kommentiert eine 80-jährige Dame das, was da gerade läuft. Kinder haben da in den vergangenen Wochen in Zeiten der Pandemie Löcher, Stufen und Ansätze für Buden in den lehmigen Hang gegraben und Äste als Gebäudeteile darüber gelegt. „Geht an dieser Stelle gar nicht, denn die Wurzeln werden unterhöhlt und freigelegt," sagt Werthers Umweltbeauftragte Nadine Dannhaus. Per Schild fordert sie einen Rückbau und löst in Werther damit einen Aufschrei in den sozialen Netzwerken aus.

In einem Schriftstück, das wasserdicht eingeschweißt an dem Träger eines mobilen Schilderträgers klemmt, erklärt die Umweltbeauftragte, dass die „Bauwerke" illegal in einem Landschaftsschutzgebiet errichtet wurden, der Hohlweg ein Naturdenkmal sei und deshalb in den alten Zustand zurückgebaut werden müsse. Geschehe dies nicht, werde die Stadt Werther das übernehmen.

Für Rückfragen bietet Dr. Nadine Dannhaus dann auch noch ihre persönliche Telefonnummer im Rathaus an. Doch angerufen wurde sie in dieser Sache nicht. „Wir hätten an einer gemeinsamen Lösung arbeiten können, zum Beispiel die Ferienzeit noch mit einbeziehen können. Oder nach einem neuen Platz suchen. Stattdessen ist auf Facebook die Angelegenheit ausgiebig behandelt worden. Im Übrigen ist die Angelegenheit in Zusammenarbeit mit dem Kreis Gütersloh so entschieden worden", erklärt Nadine Dannhaus.

Buddeln am Hohlweg - © Herbert Gontek
Buddeln am Hohlweg (© Herbert Gontek)

So weit, so gut und auch korrekt. „Völlig überzogen", sagt indes nicht nur Hannes Dick- Wentrup, aus der Nachbarschaft. Auch er habe wie die anfangs zitierte 80-jährige Dame an dieser Stelle gespielt. Der Hohlweg sei durch Menschenhand entstanden und habe die Eingriffe der spielenden Kinder schon immer überdauert.

"Bitte, bitte macht weiter so! Baut eure Buden."

Was die Bürger aufregt ist, dass die Stadt die Bewegungsfreiheit und die Kreativität der Kinder während der Pandemie unter freiem Himmel einschränke. In vielen Kommentaren im sozialen Netzwerk kommt zum Ausdruck, dass beklagt werde, dass der Nachwuchs zu wenig draußen spiele. Ein Vater schreibt dann entrüstet auf Facebook: „Also ran, wenn schon behördliche Maßnahmen, dann richtig. Steckt die Balgen vor die Glotze, gebt ihnen iPads und Laptops, rettet die Natur vor ihnen."

Hannes Dicke-Wentrup hier mit einer zufällig vorbei kommenden Radfahrerin sind sich einig: Hier greift die Stadt zu hart durch. - © Herbert Gontek
Hannes Dicke-Wentrup hier mit einer zufällig vorbei kommenden Radfahrerin sind sich einig: Hier greift die Stadt zu hart durch. (© Herbert Gontek)

Eine weitere Bürgerin schreibt, dass sie sich mit den Kindern über die Bauwerke gefreut habe und jetzt traurig sei, dass die Gebilde zerstört worden seien. Ein weiterer der knapp 100 Kommentatoren stellt fest: „Es ist doch lächerlich, wie hier das Tun von einigen spielenden Kindern zur Staatsaffäre hochstilisiert wird."

Lehrer Albert Wittbrock zollt den Kindern auf einem ebenfalls wasserdicht verschweißten kleinen Plakat Respekt: „Auf dem Weg zur Arbeit komme ich hier fast täglich vorbei und sehe seid dem „Lockdown" mit voller Bewunderung zu, wie eure Buden immer weiter gewachsen sind. Respekt vor eurer Arbeit. Ich sehe, dass auch Kinder außerhalb der Schule so viel lernen können. Bitte, bitte macht weiter so! Baut eure Buden." Dann schränkt er ein: „Muss ja nicht hier sein."

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