Dieb wirft mit Schnapsflasche nach Gastwirtin

Ein Wertheraner steht wegen mehrfachen Diebstahls vor Gericht. Seine Alkoholsucht lässt ihn immer wieder kriminell werden. Dem Gefängnis entkommt er diesmal nur knapp.

Anke Schneider

Symbolfoto - © CCO Pixabay
Symbolfoto (© CCO Pixabay)

Werther. Gleich vier Diebstähle waren es, die die Staatsanwaltschaft dem 45-Jährigen vorwarfen. Am 3. August 2019 nahm der Beschuldigte 80 Euro aus der Kasse einer Buchhandlung. Dabei wurde er von der Verkäuferin ertappt. Er ließ das Geld fallen und flüchtete.

Am 7. September betrat der Wertheraner eine Gaststätte durch eine offene Terrassentür und nahm aus dem Kühlschrank eine Flasche Grappa und eine Flasche Whisky. Auch hierbei wurde er ertappt und flüchtete. Die Inhaberin lief ihm nach und brachte sich damit in eine heikle Situation. Der Beschuldigte warf die Flasche nach ihr, verfehlte sie aber knapp. Im Gericht berichtete die Zeugin, dass sich der Angeklagte schon öfter an den Vorräten bedient habe. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir herausbekommen haben, was da vor sich geht“, sagte sie. Als sie ihn erwischt hatte, floh der Mann, und die Zeugin lief ihm nach. „Ich habe ihn fast gepackt, und da hat er die Flasche geworfen“, sagte sie. Sie habe ausweichen müssen, um nicht getroffen zu werden. Die Wertheranerin berichtete weiter, dass der Angeklagte noch immer um das Haus herumschleiche. Es sei einfach lästig, dass er permanent da sei, so die Zeugin. „Ich möchte ihn nicht mehr sehen.“

"Sie dürfen sich gar nichts mehr erlauben"

Im Januar 2020 wurde der Beschuldigte dann noch in Einkaufsmärkten in Bielefeld beim Diebstahl von Hochprozentigem erwischt. Der 45-Jährige gab die Taten zu und berichtete, bereits seit 2005 alkoholabhängig zu sein. Im Sommer vergangenen Jahres habe er Depressionen bekommen, was die Sache verschlimmerte. Im Februar begann der Wertheraner zu arbeiten, was die Lage wieder entspannte.

Sein Bewährungshelfer berichtete, dass der Angeklagte eigentlich ein guter Kerl sei. Er habe viel versucht und gebe nicht auf, vom Alkohol loszukommen. „Die Wahrscheinlichkeit, nach so einer Suchtkarriere abstinent zu leben, ist jedoch gering. Das würde schon fast an ein Wunder grenzen“, sagte er. Auf die Frage nach den Möglichkeiten einer straffreien Zukunft konnte der Bewährungshelfer nur mit den Schultern zucken. „Wir können immer nur weitermachen, anders geht es nicht“, so der Sozialarbeiter.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft meinte, eine Bewährungsstrafe bei insgesamt 18 Vorstrafen nicht verantworten zu können. Die Richterin rang sich am Ende trotzdem zu einer Haftstrafe von einem Jahr durch, die zur Bewährung ausgesetzt wird. Als Auflage muss der Wertheraner 1.500 Euro an das örtliche Familienzentrum zahlen und eine Therapie beginnen – und dies dem Gericht auch nachweisen. „Das ist das letzte Mal, dass Sie ohne Knast davonkommen“, so die Richterin. „Sie dürfen sich hier jetzt gar nichts mehr erlauben.“

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.