"Ein Schlag ins Gesicht": Werthers Grüngürtel soll unbebaut bleiben

Der Bebauungsplan wird entsprechend geändert. Überraschend gibt es in der politischen Sitzung allerdings noch einmal Zwist.

Birgit Nolte

Noch ziert das Grundstück links im Bild ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen – von privat“. - © Birgit Nolte
Noch ziert das Grundstück links im Bild ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen – von privat“. (© Birgit Nolte)

Werther. Es gibt im Grunde nur drei Kriterien, um den Wert einer Immobilie zu ermitteln: Lage, Lage und Lage. Nach dieser Definition ist das Grundstück, um das es bei der Sitzung des Ausschusses für Planen, Bauen und Umwelt am Dienstag im Haus Werther ging, ein echtes Filetstück. Liegt es doch in unmittelbarer Nähe zum Schloss und im Grünzug des Schwarzbachs.

Nach dem Willen der Politik soll es allerdings auch unbebaut und Teil des Grünzuges zwischen dem Haus Werther und dem Rathaus bleiben. Auch wenn das Areal aktuell noch ein Schild mit der Aufschrift „zu verkaufen von privat" ziert. Bereits 1977 wurde für das Areal im Schwarzbachtal ein Bebauungsplan aufgestellt. Seitdem besteht für das Grundstück Baurecht. In Anspruch genommen wurde es in den vergangenen 43 Jahren nicht.

Nachdem allerdings die Mitglieder des Planungsausschusses im vergangenen September beschlossen hatten, die Fläche von Bauland in Grünland umzuwidmen, ging im Februar eine Bauvoranfrage zur Errichtung eines Wohnhauses im Rathaus ein. Die Verwaltung reagierte und beantragte bei der Baugenehmigungsbehörde, dem Kreis Gütersloh, die Zurückstellung der Entscheidung. Das Ziel: Zeit gewinnen, um jetzt den Bebauungsplan ändern zu können.

Kauf dürfte nicht günstig werden

Umso überraschender, dass Wolfgang Böhm von den Grünen bei der Ausschusssitzung am Dienstag Bedenken anmeldete: „Wir sind mit der Sache überrannt worden", so seine Sicht. Das Vorhaben, das Bauland in Grünland umzuwandeln sei für den Eigentümer „ein Schlag ins Gesicht" und „moralisch nicht integer".

Vorwürfe, die Bürgermeisterin Marion Weike sichtlich erzürnten: „Wir haben im Vorfeld mit allen Fraktionen gesprochen und wir waren uns einig, dass dieses Grundstück als Grünfläche erhalten werden soll." Bei drei Enthaltungen – eine davon von Böhm – stimmten die Ausschussmitglieder für die Änderung des Bebauungsplans. Mit den Eigentümern sind bereits Gespräche gelaufen, weil die Stadt die Fläche erwerben will. Angesichts der Top-Lage wohl kein günstiger Immobilienkauf.

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