Christine Jendrike und ihr Blog: Von coronaler Dünnhäutigkeit und Spinnern

Jonas Damme

Die Wertheranerin Christine Jendrike schreibt auf ihrer Seite ideenlese.de regelmäßig über ihre Leben und ihre Sicht der Dinge.  - © Christine Jendrike
Die Wertheranerin Christine Jendrike schreibt auf ihrer Seite ideenlese.de regelmäßig über ihre Leben und ihre Sicht der Dinge.  (© Christine Jendrike)

Werther. „Warum es diesen Blog gibt? Weil es geht." – so titelt einer der neueren Einträge auf ideenlese.de. Ideenlese ist ein sogenannter Blog. Eine Seite im Internet, auf der jemand regelmäßig von sich schreibt. Tagebuch führt, sozusagen. In diesem Fall die Wertheranerin Christine Jendrike.

Blog ist die Verkürzung des englischen Wortes „Weblog", zu deutsch: „Netz-Logbuch". Nach Schätzungen gibt es allein in Deutschland schon mehr als 100.000 solcher Seiten. Das Großartige daran ist, dass jeder einen Blog führen kann. Es braucht keinen Verlag, wenig technisches Know-how und kein Geld. Eine große kreative Chance.

So können Menschen, die vor Erfindung des Internets vermutlich nie in Erscheinung getreten wären, ihre Texte veröffentlichen. Und zu diesen Leuten zählt Christine Jendrike.

„Warum Lockerungen mich noch nicht locken"

Für ein kleines Publikum von vielleicht 100 Lesern postet sie mehrmals die Woche kleine Anekdoten, Gedichte, Glossen. Die beschäftigen sich mit dem, was Christine Jendrike gerade beschäftigt. „Ich bin kein Mensch der ersten Reihe", sagt die zweifache Mutter selbst. Zwar habe sie lange Tagebuch geschrieben, zum Bloggen sei sie aber erst durch einen Rat gekommen. „2006 habe ich ein kleines Buch veröffentlicht", berichtet sie. Ein Freund habe ihr damals den Tipp gegeben, mit Hilfe eines Blogs etwas Werbung für die Veröffentlichung zu betreiben. Das Buch ist mittlerweile fast vergessen, der Spaß am Bloggen blieb. „Später habe ich mich dann exzessiv auf einen Marathon vorbereitet und darüber geschrieben. Andere Läufer haben dann meinen Blog gelesen und ich ihren", erinnert sich die 56-Jährige.

So spiegelt der Blog stetig wider, was im Leben der Wertheranerin gerade los ist. Derzeit sind das natürlich oft die Folgen der Corona-Pandemie. „Warum Lockerungen mich noch nicht locken", heißt ein Eintrag von Christine Jendrike. Frei assoziiert sie darüber, wie es sich für einen Gefängnisinsassen anfühlt, nach dem Eingesperrtsein in die Freiheit zu müssen, und dass viele derzeit unter einer „coronalen Dünnhäutigkeit" litten.

"Es piept die Spülmaschine"

In anderen Beiträgen denkt sie darüber nach, dass Frauen die eigentlichen Leidtragenden der derzeitigen Situation sind, weil viele durch den Zwangsurlaub zu „Hausmütterchen" gemacht würden.

Wie rettet man alleinerziehende Mütter, und denken Männer darüber überhaupt nach? Und während sie all das schreibe, „piept die Spülmaschine". Manchmal geht es aber auch einfach nur darum, was für ein Spinner ihr morgens auf dem Aldi-Parkplatz begegnet ist.

Christine Jendrikes Blog ist ein Eine-Frau-Projekt. Das ist Schwäche und Stärke zugleich. Niemand kontrolliert oder korrigiert, was sie schreibt. Gerade deshalb finden sich dort einige Ideen, die vielleicht zum Weiterdenken reizen.

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