Fahrschulen haben wegen Corona eine Durststrecke zu überstehen

Anke Schneider

Jens Dühlmeyer hat derzeit die Hände in der Hosentasche. So lässt sich die Situation der Fahrlehrer im Altkreis Halle treffend darstellen. - © Anke Schneider, HK
Jens Dühlmeyer hat derzeit die Hände in der Hosentasche. So lässt sich die Situation der Fahrlehrer im Altkreis Halle treffend darstellen. (© Anke Schneider, HK)

Werther. Für die Fahrschulen im Altkreis ist die Corona-Krise eine echte Saure-Gurken-Zeit. „Wir haben seit dem 17. März ein umfassendes Schulungsverbot", sagt Jens Dühlmeyer von der Fahrschule Crossroads an der Engerstraße in Werther.

Das bedeutet, es findet weder theoretischer noch praktischer Unterricht statt. „Nicht mal für Motorradfahrer, was ich nicht wirklich verstehen kann", sagt Dühlmeyer. Auch Aufbauseminare sind auf Eis gelegt. Immerhin können die Fahrschulen für die Zeit nach Corona planen, denn alles was derzeit gehe, seien Anmeldungen.

Jens Dühlmeyer hat seine Fahrzeuge bei der Versicherung abgemeldet. „Bei der Steuer hätte sich das Ab- und wieder Anmelden nicht gelohnt", sagt er. Seine 15 Fahrschüler sitzen in der Warteschleife. Seit Anfang April ist die Anwesenheitspflicht im theoretischen Unterricht aufgehoben.

Zahlreiche Apps, um zu Hause zu üben

Das Straßenverkehrsamt teilte mit, dass der Unterricht zunächst bis zum 19. April – also dem kommenden Sonntag – auch online durchgeführt werden kann. Und zwar so, dass er für die Prüfung auch anerkannt wird. „Das nutzen aber die wenigsten", hat Jens Dühlmeyer festgestellt. Es gebe zahlreiche gute Apps, mit denen die Fahrschüler zu Hause lernen. Viele lernten ohnehin erst kurz vor der Prüfung.

„Fahrschüler brauchen derzeit keine Angst zu haben, dass Fristen ablaufen", sagt Jens Dühlmeyer. Normalerweise sei es so, dass Fahrschüler spätestens ein Jahr nach dem Antrag mit dem Führerschein angefangen haben müssen. „Sämtliche Fristen wurden um drei Monate verlängert", sagt der Fahrlehrer. Das soll, so hat es der Wertheraner Fahrlehrer verstanden, auch für die Fristen bei behördlich verhängten Maßnahmen wie dem Aufbauseminar gelten.

Für manche Fahrschulen ist die wirtschaftliche Situation derzeit schwierig. „Ich arbeite als angestellter Fahrlehrer und betreibe gleichzeitig meine Fahrschule", erklärt Jens Dühlmeyer, warum er in einer besonderen Situation stecke.

In der Zwischenzeit ein bisschen renoviert und den Papierkram abgearbeitet

Denn als angestellter Fahrlehrer könne er auf Kurzarbeitergeld hoffen, als Fahrschulinhaber auf Hilfe aus dem Rettungspaket der Bundesregierung. Das sieht unter anderem vor, Kleinunternehmern in der Corona-Krise mit Zuschüssen finanziell unter die Arme zu greifen. „Das gibt es allerdings verschiedene Vorgaben, die nicht jeder erfüllen kann", schiebt der Fahrlehrer ein. Man müsse sehen, wie sich das am Ende gestalten werde.

Dühlmeyer hofft, dass die Verbote nach dem 19. April mit gewissen Einschränkungen nach und nach gelockert werden. In der Zwischenzeit hat er seine erst ein Jahr alte Fahrschule noch ein bisschen renoviert, den Papierkram abgearbeitet und das Büro auf den neusten Stand gebracht. „Irgendwie kriege ich die Zeit schon rum", sagt er. Trotz der finanziellen Durststrecke sieht der Fahrlehrer die Zukunft positiv: „Irgendwie geht es immer weiter."

Exit-Strategie Fahrschulen

Der Bundesverband deutscher Fahrschulunternehmen und vier weitere Verbände haben kurz vor Ostern eine Exit-Strategie vorgelegt, wie es in der Corona-Krise weitergehen könnte.

Sie sieht etwa im Pkw Maßnahmen wie das Tragen eines Mund-Nasenschutzes und einen Spuckschutz zwischen Lehrer und Schüler vor.

Auch im Theorieunterricht sollte demnach Mund-Nasenschutz getragen werden. Die Teilnehmerzahl sei gegebenenfalls zu reduzieren.

Motorradunterricht zu erteilen sei laut Exit-Strategie kein Problem.

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