Rassismus? Afrikanern bei Rossmann in Werther den Eintritt verwehrt

Heiko Kaiser

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Werther. Wolfgang Böhm empfindet den Vorgang als befremdlich. Um es freundlich auszudrücken. Denn das Geschehen, von dem der Wertheraner Grünen-Ratsherr sowie dem Borgholzhausener Ehepaar Lisa und Uwe Griesmeyer übereinstimmend berichten, lassen nur einen Schluss zu: Hier handelt es sich um einen Fall von Fremdenfeindlichkeit.

Was ist geschehen? Am vergangenen Samstag unterhalten sich Böhm sowie das Ehepaar Griesmeyer gegen 13.45 Uhr auf dem Rossmann-Parkplatz. Sie beobachten, wie eine afrikanische Familie – Mann, Frau und Tochter – aus einem Auto steigen und sich dem Eingang der Filiale nähern.

„Man habe Auflagen, die eingehalten werden müssten"

Dort wird ihnen der Eintritt von einer Rossmann-Mitarbeiterin mit der zunächst plausiblen Erklärung verwehrt, dass der Zugang aus bekannten Gründen im Moment begrenzt sei. Die drei Wertheraner beobachten, wie die Familie wartet, währenddessen aber mehrfach andere Personen hineingelassen werden. Die Familie protestiert vergeblich, gibt schließlich auf und kehrt zu ihrem Auto zurück. Lisa Griesmeyer, die auch Sprecherin der Grünen-Kreisfraktion ist, mischt sich daraufhin nach kurzer Verständigung mit der Familie ein.

„Die Rossmann-Mitarbeiterin erklärte, man habe klare Auflagen, die eingehalten werden müssten. Unterdessen betraten und verließen Menschen ungehindert die Filiale", berichtet sie. „Es kam zwischen Lisa Griesmeyer und zwei Bedienstetenden der Filiale zu einem heftigen Disput, ohne dass das zu einer Veränderung der Situation geführt hätte", beschreibt Wolfgang Böhm das Geschehen.

„Auf so etwas hab’ ich keinen Bock"

Er erlebt, wie der Familienvater schließlich der Mitarbeiterin sogar einen Ausweis vorlegt, offensichtlich um zu dokumentieren, dass er sich legal hier aufhält. Umsonst. Mit den Worten „That’s Racism" kehrt er schließlich zu seinem Auto zurück. Dort hat sich zuvor schon seine Tochter eingefunden, die den Sachverhalt so kommentierte: „Auf so etwas hab’ ich keinen Bock." Wolfgang Böhm versucht es schließlich noch mit dem Hinweis, als Mitglied des Rates werde er diesen Vorgang den anderen Fraktionen mitteilen, da für ihn der Verdacht der Fremdenfeindlichkeit aufgekommen sei – ohne Erfolg.

„Ich habe später mit dem Mann telefoniert", sagt Wolfgang Böhm und berichtet: „Er erzählte, dass er für eine gemeinnützige Einrichtung in Bielefeld arbeitet und unter ältere Menschen betreue. Für einen von ihnen wollte er in Werther einkaufen. Er hat die benötigten Dinge schließlich woanders bekommen." Böhm informierte die anderen Fraktionen des Stadtrates über die Vorkommnisse.

Distanzierung vom Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit

Kim Güttler, Referentin der Unternehmenskommunikation bei Rossmann, antworte auf Anfrage: „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns alle aktuell in einer Ausnahmesituation befinden. Aufgrund behördlicher Maßnahmen erlassen wir in einigen unserer Filialen Sicherheitsvorkehrungen wie Einlasskontrollen. Diese unterstützen sowohl bei der Steuerung des Zutritts sowie der Vermeidung von Warteschlagen. Hierbei kann es vereinzelt zu Missverständnissen vor Ort kommen, da diese Situation für alle Beteiligten – Kunden wie Mitarbeiter – neu und ungewohnt ist." Man distanziere sich klar vom Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit.

Kommentar: Rassismus – was sonst?

Ja, wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Und nein, damit ist eine offensichtliche Unterscheidung nach der Hautfarbe nicht zu rechtfertigen. Rassismus ist nicht relativ. Rassismus ist ein absoluter Verstoß gegen das Menschenrecht, egal unter welchen Bedingungen. Sicher muss man Menschen zugestehen, dass sie unter besonderem Druck und unter Angst falsche Entscheidungen treffen. Wenn das aber nicht vorsätzlich geschieht, dann darf erwartet werden, dass sie ihren Fehler oder aber das von Rossmann als Erklärung ins Feld geführte Missverständnis nach mehrfacher Intervention korrigieren.

Drei Zeugen berichten hingegen unabhängig von einander, dass eine afrikanische Familie aus Gründen der Sicherheit immer wieder abegelehnt wurde, während gleichzeitig andere Menschen ungehindert Eintritt in den Markt fanden. Das ist Rassismus – was sonst?

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