Corona-Fall beim Lebensbaum: Jetzt fehlt Schutzkleidung für Mitarbeiter

Birgit Nolte

Die Pflegenden benötigen besonderen Schutz. Der aber kann derzeit durch fehlende Schutzkleidung nicht gewährleistet werden. Lebensbaum-Geschäftsführerin Sybille Florschütz bittet daher dringend um Textilspenden. Foto: pixabay - © pixabay
Die Pflegenden benötigen besonderen Schutz. Der aber kann derzeit durch fehlende Schutzkleidung nicht gewährleistet werden. Lebensbaum-Geschäftsführerin Sybille Florschütz bittet daher dringend um Textilspenden. Foto: pixabay (© pixabay)

Werther. Sybille Florschütz ist fassungslos. „Ich hätte es niemals für möglich gehalten, dass es in einem Land wie Deutschland zu solchen Engpässen kommen könnte", so die Geschäftsführerin vom Lebensbaum – soziale Hilfen e.V. „Die Versorgungslage ist katastrophal." Und zwar so katastrophal, dass der Dienstleister jetzt um Textilspenden bitten muss, um seine Mitarbeiter mit Schutzkleidung ausstatten zu können.

Die wird aktuell besonders dringend benötigt. „In einer unserer Wohngruppen gibt es einen bestätigten CoronaFall", berichtet Sybille Florschütz. Acht demente Menschen leben in dieser Wohngruppe unter einem Dach. Die müssten sich jetzt, um das Ansteckungsrisiko untereinander zu minimieren, getrennt voneinander in ihren Zimmern aufhalten. So die Vorgabe des Gesundheitsamtes. Wie soll das gehen? „Das kann nicht funktionieren", gibt Sybille Florschütz die Antwort. „Wir können und wollen die Klienten nicht in ihren Zimmern isolieren und fixieren."

Geschäftsführerin Sybille Florschütz. - © Heiko Kaiser, HK
Geschäftsführerin Sybille Florschütz. (© Heiko Kaiser, HK)

Was Sybille Florschütz besonders aufregt: Die Mitarbeiter der Wohngruppe müssen sich jetzt selbst um einen Test bemühen. „Das ist doch Wahnsinn, dass die sich erst an den Hausarzt wenden und dann Testzentren aufsuchen müssen, anstatt dass die Tests geliefert werden", kritisiert Sybille Florschütz. „Die haben sich schließlich nicht bei irgendeiner Corona-Party der Gefahr ausgesetzt sich anzustecken, sondern bei ihrer wichtigen Arbeit."

Rund 200 Mitarbeiter sind beim Lebensbaum in der Pflege tätig. „Alle sind entschlossen, diese Krise zu meistern", ist Sybille Florschütz mit Recht stolz auf ihr Team. Ihre Mitarbeiter sind derzeit viel zu häufig der einzige Ansprechpartner für die Klienten. Durch die Einschränkungen des persönlichen Kontakts – da ist sich Sybille Florschütz ganz sicher – drohen Vereinsamung und Depression. „Der soziale Kontakt kommt aktuell viel zu kurz. Die psychischen Probleme, die dadurch auf uns zukommen, sind viel gravierender als das Virus je sein könnte", warnt Sybille Florschütz.

Jetzt muss sie sich erst den praktischen Problemen zuwenden. Dem Lebensbaum geht die Schutzkleidung aus. „Wir versorgen unsere Klienten im Normalfall nicht mit Schutzkleidung und Mundschutz, deswegen sind unsere Vorräte in diesem Bereich nicht besonders groß. Und Nachschub ist nirgendwo zu bekommen. Also müssen wir jetzt selbst an die Nähmaschinen, um die Vorgaben des Gesundheitsamtes erfüllen zu können", erklärt Sybille Florschütz.

+++UPDATE+++ Sybille Florschütz ist überwältigt. Mit einer so großen Hilfsbereitschaft hat die Geschäftsführerin vom Lebensbaum – Soziale Hilfen e.V. nicht gerechnet. „Wir haben so viele Spenden bekommen, wir können bald einen Stoffladen aufmachen", berichtet Sybille Florschütz. „Es ist jetzt erstmal genug da", bittet sie darum, keine Spenden mehr vorbeizubringen.

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