Arzt klärt auf: Kinder zeigen weniger Corona-Symptome

Anke Schneider

Armin Sornig ist dem Seuchenmanagement der Gesundheitsbehörden nicht zufrieden. - © Anke Schneider, HK
Armin Sornig ist dem Seuchenmanagement der Gesundheitsbehörden nicht zufrieden. (© Anke Schneider, HK)

Werther. Das Thema Corona-Virus beherrscht auch in der Wertheraner Kinder- und Jugendpraxis den Alltag. Kinderarzt Armin Sornig findet jedoch, dass die derzeitige Hysterie in keinem Verhältnis zur realen Gefahr stehe. Wie der Grippe-Virus und andere Viren auch, könne der Corona-Virus natürlich tödlich enden, gibt er zu. Die Opfer seien jedoch in den allermeisten Fällen alte Menschen mit Vorerkrankungen oder einem krankheitsbedingt schwachen Immunsystem.

Um seine kleinen Patienten macht sich Armin Sornig keine Sorgen. „Kinder, vor allem diejenigen, die im Kindergarten oder in der Schule sind, haben ein gut trainiertes Immunsystem, da sie täglich mit Viren und Bakterien in Berührung kommen", sagt der Kinderarzt. Selbst wenn Kinder sich anstecken sollten, würden sie keine oder kaum Symptome zeigen. Allerdings könnten sie andere Menschen anstecken.

Der normale Praxisalltag muss trotz Corona funktionieren

Corona-Fälle hatte der Wertheraner in seiner Praxis noch nicht, dafür aber jede Menge Anfragen nach der Durchführung von Tests oder nach Verhaltensmaßnahmen. „Ich würde einen Test nur machen, wenn eines der Kinder aus Gebieten wie Österreich oder Italien kommen würde und Krankheitsanzeichen hat – oder direkten Kontakt zu einem Infizierten hatte", sagt Sornig. „Alles andere wäre Quatsch."

Nervenaufreibend sei, dass viele Eltern in der Praxis oder bei ihm zu Hause anrufen würden, um gleich einen ganzen Fragenkatalog auf den Mediziner abzuschießen. „Da fragen Väter nach dem richtigen Verhalten auf der Arbeit oder schildern die Sorgen um den alten Vater, der Vorerkrankungen hat", so Sornig. Er könne die Sorgen der Menschen gut verstehen, sich jedoch darauf nicht immer einlassen. „Ich bin Kinderarzt", sagt er. Schließlich müsse der normale Praxisbetrieb auch trotz Corona reibungslos funktionieren. Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und jahreszeitbedingte Erkältungskrankheiten müssen sorgfältig abgearbeitet werden.

Armin Sornig sieht die Gesundheitsbehörden in der Pflicht, die Menschen aufzuklären und ihnen Ansprechpartner zur Seite zu stellen. Deren Management sei aber schlichtweg eine Katastrophe. „Wenn man derzeit versucht, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 anzurufen, hängt man Stunden in der Warteschleife", hat er festgestellt. Die Gesundheitsämter seien nur von 8 bis 17 Uhr besetzt, eine Notrufnummer gebe es hier nicht. So sei klar, dass die Menschen überall dort anrufen, wo sie sich Auskunft erhoffen.

Zudem fehlen in den Praxen die notwendigen Materialien für die vorgesehenen Hygienemaßnahmen und die Diagnostik, um grippale Infekte von Corona-Fällen abzugrenzen. Sie sind schlichtweg nicht erhältlich und wenn, dann für die Praxen nicht finanzierbar. „Dieses Seuchenmanagement klappt überhaupt nicht", kritisiert der Kinderarzt. Kinder- und Jugendmediziner in NRW haben deshalb eine Stellungnahme an den Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann, verfasst, um den Druck, unter dem sie derzeit arbeiten, deutlich zu machen.

Die Hysterie, die um sich greift, würde die Menschen über alle Maßen verunsichern, sagt Armin Sornig. „Ich habe keine Angst vor dem Virus. Angst macht mir aber, wenn im Supermarkt plötzlich die Regale leer sind, in Kliniken Desinfektionsmittel gestohlen und Orte abgeriegelt werden", sagt er. Das suggeriere eine Gefahr, die in seinen Augen so nicht existiere.

Selbst eine Kassiererin im Supermarkt hat kein großes Risiko

Dass Menschen auf der Straße mit einem Mundschutz herumlaufen, hält er für völlig übertrieben. Man gehe davon aus, dass man weniger als 1,5 Meter Abstand zu einer infizierten Person haben muss und mehr als 15 Minuten mit ihr verbracht haben muss, um sich anzustecken, so der Arzt. „Das heißt, selbst eine Kassiererin im Supermarkt hat kein großes Risiko sich bei der Arbeit anzustecken."

Kinder im Kindergarten lassen sich allerdings schwer dazu bringen, die Empfehlungen bezüglich des Händeschüttelns, des Niesens in die Armbeuge oder des Abstandhaltens einzuhalten. Wappnen gegen eine mögliche Corona-Infektion könne man seine Kinder so, wie bei allen anderen grippalen Virusinfektionen auch. „Viel draußen spielen, viel an der Sonne und an der frischen Luft sein, viel Obst und Gemüse essen", zählt er auf.

Gründliches Händewaschen sei auch bei Kindern das Mittel der Wahl, um Schmierinfektionen zu vermeiden, sagt Armin Sornig. „Aber bitte nicht übertreiben", bittet er. Desinfektionsmittel seien unnötig, ausgiebiges Händewaschen reiche aus. „Ich sehe hier aber Kindergartenkinder mit total verwaschenen, rauen Händen. Und das", so Sornig, muss nun wirklich nicht sein."

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