Unglaublich: Hunderte Schilder im Altkreis und in Bielefeld falsch

Es klingt unglaublich: Immer mehr aufmerksame Menschen berichten von Radwegeschildern, die die falschen Wege weisen. Nun stellt sich heraus, dass ein Unternehmen im ganz großen Stil geschlampt hat.

Ekkehard Hufendiek,Kurt Ehmke,Jonas Damme

Eigenwillige Idee: Unsere Leserin Silke Nack zeigt sich verwundert darüber, wie dieses Schild an ihrem Haus montiert worden ist. - © Silke Nack
Eigenwillige Idee: Unsere Leserin Silke Nack zeigt sich verwundert darüber, wie dieses Schild an ihrem Haus montiert worden ist. (© Silke Nack)

Werther/Bielefeld. Jochen Dammeyer vom Heimatverein Häger schlägt die Hände über dem Kopf zusammen: „Das ist total verkehrt", sagt er und kann den Fehler kaum fassen. Vor wenigen Tagen wurde an der Engerstraße ein Fahrradhinweisschild aufgestellt, das den Weg nach Bielefeld und Werther weisen soll. Aber: Von den fünf Richtungsangaben sind vier falsch. Wer nach Spenge will, wird in die entgegengesetzte Richtung gewiesen, wer nach Bielefeld radeln will, wird Richtung Spenge gelenkt. Für Einheimische ein Schelmenstück, für auswärtige Langstreckenradfahrer ein echtes Ärgernis. Mitten in Häger steht das Schild. Und es ist nicht das einzige seiner Art.

Wie eine Recherche zeigt, sind hunderte Schilder in und um Bielefeld falsch. Auch zwischen Werther und Borgholzhausen prangen Hinweisschilder, die jeweils in die entgegengesetzte Richtung zeigen. Ein aufmerksamer Leser, der die Schilderaufsteller angesprochen hatte, berichtete von mangelnden Deutschkenntnissen, die sowohl die Kritik als auch das Aufstellen erschwerten.

Schilder, die gegen Zäune und auf Wiesen fahren lassen

Schon vor einigen Tagen waren im Bielefelder Innenstadtbereich Fehler bei den Kilometerangaben aufgefallen, mittlerweile wächst sich das Ganze spätestens im Bereich Schröttinghausen zu einer Blamage aus: verkehrte Richtungen – und Schilder, die gegen Zäune und auf Wiesen fahren lassen. Auch die kreative Art, die Schilder aufzustellen, sorgte für Befremden.

Eine Recherche dieser Zeitung zeigt nun, wie es zu dem Schilder-Wahnsinn kommen konnte. Kurz: Es ist ein Debakel. Eines, das die Stadt Bielefeld ausbaden muss. Die dortige Nahmobilitätsbeauftragte Barbara Choryan hatte das ehrgeizige Konzept, die Radwege in und um Bielefeld neu auszuschildern, von ihrem Vorgänger geerbt.

Zuständige zeigt sich spürbar irritiert

Auf den Missstand hingewiesen, zeigt sie sich im Gespräch spürbar irritiert ob der Fehler. „Natürlich haben wir nachgehakt und wissen nun, dass es bei der beauftragten Firma aus Hannover an einem der drei Trupps liegt, welche die Schilder aufstellen." Einer habe gut gearbeitet. Doch dann kamen Trupp zwei und drei ins Spiel. Der erste habe die Standorte markiert, der zweite die Pfosten aufgestellt und die Schilder montiert. Und hier scheint nicht alles in einem Umfeld großer geistiger Helligkeit geschehen zu sein. Denn: Laut Choryan gab es zu jedem Schilder-Standort auch noch Fotos als Vorlage für die Arbeiter. Und sie hätten auch nachfragen können. Dennoch scheine das alles „eine echte Herausforderung" zu sein.

Engerstraße: Das neu aufgestellte Fahrradhinweisschild weist in die falsche Richtung. Nur die Richtungsangabe nach Werther ist korrekt. - © Ekkehard Hufendiek
Engerstraße: Das neu aufgestellte Fahrradhinweisschild weist in die falsche Richtung. Nur die Richtungsangabe nach Werther ist korrekt. (© Ekkehard Hufendiek)

Aber: Die Firma aus Hannover sei „sehr bemüht", berichtet Choryan. Sie trage selbstredend auch die Kosten für die Posse, denn: „Wir haben alles noch einmal überprüft, es liegt nicht an der Planung der Stadt, sondern an der Montage vor Ort." Zudem soll der Sturm einzelne Schilder gedreht haben. Und manchmal seien auch andere Strecken ausgewählt worden als die schnellste Route.

Nun sollen die dicken Fehler korrigiert werden. Teilweise sei das bereits passiert. Zudem soll ein Mitarbeiter der Stadt die Trupps begleiten. Betreutes Schilderaufstellen.

Der Zeitplan, nach dem die gut 1.000 neu zu montierenden Schilder bis Ende April an den Wegen stehen sollen, werde eingehalten, betont Choryan. Es sollen auch noch 29 Info-Tafeln aufgestellt werden. Nach wie vor gelte, dass die Stadt Bielefeld sich über Rückmeldungen freut – es soll ja am Ende alles gut werden.

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