Starautor in Werther: Buchpreisträger Saša Stanišić zeigt seine Welt

Die Veranstaltungsreihe „Lesefrühling“ wartet mit einem Kracher auf: In die Aula der PAB-Gesamtschule kommt am 17. März der deutsche Buchpreisträger. Der kritisierte im vergangenen Jahr heftig den Literaturnobelpreisträger Peter Handke.

Ekkehard Hufendiek

Saša Stanišić kommt nach Werther. - © Maria Frickenstein
Saša Stanišić kommt nach Werther. (© Maria Frickenstein)

Werther. Den Organisatorinnen des „Lesefrühlings" ist eine echter Coup geglückt: Der deutsche Buchpreisträger 2019, Saša Stanišić, kommt nach Werther. Stanišić ist mittlerweile ein gefragter Starautor. Zum Auftakt der Veranstaltungsreihe liest er aus seinem preisgekrönten Werk „Herkunft".

„Wir hatten Glück und haben den Autor schon vor der Verkündung des Buchpreises engagiert", erzählt Ellen Elbracht von der Buchhandlung Lesezeichen. Ursprünglich sei das Ringen um Stanišić wie ein kleines Wettrennen zwischen Werther und Versmold gewesen. Denn beide Veranstaltungsorte sollten jeweils einen für den Buchpreis in die engere Auswahl gezogenen Autor bekommen. Raphaela Edelbauer und Saša Stanišić wurden da-raufhin engagiert. Die eine für Versmold, der andere für Werther. Nachdem der 17. März als Termin für Stanišić in Werther festgezurrt war, bekam der in Hamburg lebende Schriftsteller den Preis.

Haus Werther ist nicht groß genug

Daraufhin mussten Ellen Elbracht vom Lesezeichen und Susanne Damisch von der Stadtbibliothek Werther umplanen, weil das Haus Werther, wo die Lesung zunächst stattfinden sollte, nicht genug Besucher fasst. Denn jetzt rechneten die Organisatorinnen mit einem weitaus größeren Ansturm als ursprünglich erwartet. So entschlossen sich Ellen Elbracht und Susanne Damisch, die Aula der PAB-Gesamtschule anzufragen. Die fasst rund 300 Besucher. Die Buchung gelang. „Das ist wirklich toll, dass das so kurzfristig möglich war", lobt Ellen Elbracht das zuständige Amt des Kreises Gütersloh, in dessen Trägerschaft die Schule geführt wird.

Die Entscheidung des Kreises kam vermutlich zur rechten Zeit. Denn schon jetzt, berichtet Susanne Damisch, sei eine große Nachfrage vorhanden.

Stanišić’ Buch besitzt laut Ellen Elbracht eine Besonderheit: mehrere Enden. Auf den letzten Seiten biete der Autor alternative Schlüsse und seinem Leser die Auswahl, welche Alternative er bevorzuge. „Das ist eine interessante Idee. Es kommt dabei auf die Experimentierfreude des Lesers an", sagt Elbracht und fügt hinzu: „Ich finde, er hat einfach eine unglaublich tolle Sprache."

Ellen Elbracht (links) und Susanne Damisch stellen ihr neues Programm für den Lesefrühling vor. Zum Auftakt haben sie einen Star der deutschen Literaturszene nach Werther geholt: Sasa Stanisic. - © Ekkehard Hufendiek
Ellen Elbracht (links) und Susanne Damisch stellen ihr neues Programm für den Lesefrühling vor. Zum Auftakt haben sie einen Star der deutschen Literaturszene nach Werther geholt: Sasa Stanisic. (© Ekkehard Hufendiek)

Susanne Damisch berichtet, dass der Autor mehrere Ebenen miteinander verknüpfe. Der Autor schildert seine Ankunft in Deutschland, lotet seine Herkunft aus und schreibt über den bosnisch-serbischen Konflikt, in den auch seine Eltern involviert waren. „Er erklärt den Konflikt nicht, er beschreibt ihn", sagt Susanne Damisch. Die Unmöglichkeit des Krieges werde dadurch thematisiert.

Saša Stanišić ist erst vor zehn Jahren nach Deutschland gekommen. Während seine Eltern immer wieder das Land verlassen mussten, durfte er bleiben. Der Krieg in seiner ursprünglichen Heimat Bosnien führte bei Stanišićs Dankesrede des Deutschen Buchpreises zu einer Kontroverse, die bundesweit Schlagzeilen hervorrief.

Seinem Schriftstellerkollegen und frisch gekürten Literaturnobelpreisträger Peter Handke warf er nämlich in seiner Dankesrede das Verschweigen und „Verdrehen von Fakten" der Verbrechen serbischer Milizen vor. Handke hatte unter anderem eine Grabrede für den zuvor wegen Völkermords vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag angeklagten Serbienführer Slobodan Milosevic gehalten. Unter anderem sagte Saša Stanišić: „Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt."

Ellen Elbracht und Susanne Damisch indes freuen sich nicht nur auf den Starautor aus Hamburg. Sie werben zusätzlich für die zwei weiteren Veranstaltungstermine im Wer-theraner Lesefrühling: Am Mittwoch, 22. April, liest Judith Bergmann in der Buchhandlung Lesezeichen aus ihrem Krimi „Gerecht ist nur der Tod". Der bildet den Auftakt zu einer neuen Reihe. Am Freitag, 15. Mai, liest Rainer Rudloff aus den Romanen „Mirror" von Karl Olsberg und „Qualitiyland" von Marc Uwe Kling. Der gelernte Schauspieler fessele seine Besucher mit gekonntem Ausdruck in Mimik und Sprache. „Es ist einfach ein schönes Programm", urteilt Ellen Elbracht.

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