Theenhausen: Ein Dorf versinkt im Dreck

Heiko Kaiser

Für Dorota Wiete (von links), Heinrich-Bernhard Welter und Katja Voth sind die Zustände an der Theenhausener Straße unhaltbar geworden. - © Heiko Kaiser
Für Dorota Wiete (von links), Heinrich-Bernhard Welter und Katja Voth sind die Zustände an der Theenhausener Straße unhaltbar geworden. (© Heiko Kaiser)

Werther-Theenhausen. Heinrich-Bernhard Welter ist sauer. Stinksauer sogar. Der Inhaber der Bäckerei an der Theenhausener Straße will sich nicht länger abspeisen lassen. Abspeisen lassen mit dem lapidaren Argument: „Da ist nun einmal eine Baustelle." So soll seiner Aussage nach ein Mitarbeiter des Wertheraner Bauamtes auf den Hinweis reagiert haben, der Schmutz auf der Straße vor seinem Geschäft sei inzwischen unerträglich geworden.

„Dreimal am Tag müssen wir inzwischen den Laden komplett wischen", sagt er. Dann zeigt er durch das große Ladenfenster auf die Straße vor dem Haus. „Schauen Sie sich das an. Das Dorf versinkt im Dreck. Und dabei ist heute noch ein guter Tag, ohne Regen."

An schlechten, so seine Tochter Katja Voth, versinke man knöcheltief im Matsch. „Alte Menschen kommen dann nicht mehr durch. Selbst die Kinder sind schon vom Busfahrer beschimpft worden, weil sie mit verdreckten Schuhen eingetreten sind", fügt sie hinzu.

„Es geht an unsere Existenz"

Für die Geschäftsleute an der Theenhausener Straße ist das mehr als nur eine ärgerliche Randerscheinung. „Es geht an unsere Existenz", sagt Dorota Wiete vom Gasthaus, 200 Meter weiter. „Unsere Kunden bleiben weg, weil sie zum einen nicht durch diesen Matsch gehen wollen, zum anderen finden sie den Weg zu uns kaum noch." Wegen der Sperrung der Theenhausener Straße können beide Geschäfte nur über Borgholzhausen oder aber Häger und Bardüttingdorf erreicht werden.

Auch am Zebrastreifen häuft sich die Erde. Wenn es regnet, stehe hier der Matsch knöchelhoch, sagen die Anlieger. - © Heiko Kaiser
Auch am Zebrastreifen häuft sich die Erde. Wenn es regnet, stehe hier der Matsch knöchelhoch, sagen die Anlieger. (© Heiko Kaiser)

Beide fühlen sich durch die Stadt Werther im Stich gelassen. „Wir wissen ja, dass eine Baustelle auch Dreck bedeutet. Aber wir hätten uns mehr Unterstützung durch die Stadt gewünscht", sagt Heinrich-Bernhard Welter und ergänzt: „Unsere Anfragen bleiben unbeantwortet. Es kümmert sich einfach niemand darum. Außerdem reiche die derzeitige Reinigung nicht aus. „Mehr als einmal die Woche muss ich mit dem Hochdruckreiniger die Fläche vor dem Haus säubern. Denn die Kehrmaschine fegt den Dreck einfach auf den Gehweg", sagt Dorota Wiete.

Jens Kreiensiek, Leiter des Bauamts in Werther weist diese Vorwürfe zurück. „Ich weiß, dass das keine schöne Situation ist und ich habe Verständnis für die schwierige Situation. Man muss sicherlich zugeben, dass beide Betriebe durch die Baustellensituation abgehängt sind." Aber, so der städtische Mitarbeiter, sehe er keine Möglichkeiten, weitere Maßnahmen zusätzlich zu den bisher durchgeführten zu ergreifen. „Wir reagieren sofort auf Hinweise. Die Firma Gröschler reinigt die Straße, so gut es geht. Und zwar mit speziellen Fahrzeugen, die eben nicht nur den Dreck von der Straße an die Seite kehren, sondern auch Wasser verwenden und den Schmutz entfernen."

Das allerdings wird die Welters und Wietes kaum überzeugen. Aus ihren Erzählungen ist deutlich Angst um die Existenz herauszuhören, zumal die Straßen und Tiefbauarbeiten noch ein Jahr lang andauern werden. „Was passiert erst, wenn direkt vor unserem Haus gebaut wird?", fragt Katja Voth mit bangem Blick. „Wir können nur froh sein, dass wir noch unsere treuen Stammkunden haben", sagen beide. Es herrscht Redebedarf. Oder, wie Dorota Wiete sagt: „Wir brauchen einen Ansprechpartner, von dem wir uns tatsächlich ernst genommen fühlen."

Copyright © Haller Kreisblatt 2020
Texte und Fotos vom Haller Kreisblatt sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.