Wenn Schlaf zum Problem wird: Haller Experte erklärt, worauf Sie achten sollten

Birgit Nolte

Symbolbild - © CC0 Pixabay
Symbolbild (© CC0 Pixabay)

Werther. Gerade dann, wenn am nächsten Morgen der Wecker besonders früh klingelt oder etwas Unangenehmes ansteht, klappt es nicht mit dem Matratzenhorchdienst. „Wer in dieser Phase immer nur daran denkt, unbedingt einschlafen zu müssen, hat schon verloren", weiß Dr. Jörg Schmitthenner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Klinikum Halle. „Sie können Schlaf nicht erzwingen."

Schlaftabletten meiden

Einschlaf- und Durchschlafstörungen sind die häufigsten Ursachen, sich an einen medizinischen Experten zu wenden. „Je älter die Betroffenen sind, desto eher greifen sie allerdings zu Schlaftabletten", berichtete Dr. Jörg Schmitthenner. Viel besser sei es, über gesündere Alternativen nachzudenken. Dazu gehören nach Ansicht des Fachmanns Entspannungstechniken wie Autogenes Training vor dem Schlafengehen. Um möglichst unbeschwert in die Federn kriechen zu können, hielt Dr. Jörg Schmitthenner auch folgenden Tipp bereit: „Schreiben Sie sich, was sie belastet, in einem Tagebuch von der Seele."

Schlaf nachholen

Wer tagsüber den Schlaf nachholt, den er nachts nicht bekommen hat, sollte zudem mit Disziplin und Wecker daran arbeiten. Nur so lasse sich wieder in einen vernünftigen Tag- und Nachtrhythmus kommen.

Bloß kein Krimi

Und wenn gar nichts hilft? „Wenn Sie partout nicht einschlafen können, raus aus dem Bett!", forderte der Arzt. Der Griff zur TV-Fernbedienung oder das Aufschlagen des spannenden Krimis seien dann aber kontraproduktiv. Derart stimuliert, würde man nur noch wacher. Empfehlenswerter seien stupidere Arbeiten wie beispielsweise Bügeln.

Thema: Schnarchen

Auch Schnarchen kann die Ursache für schlechten Schlaf sein. „60 Prozent aller über 60-Jährigen schnarcht", so Dr. Jörg Schmitthenner. Was nicht bedeutet, dass diese Menschen automatisch krank sind. Gefährlich wird es, wenn es zu einer Apnoe mit Atemaussetzern kommt. Die entwickelt sich laut dem Referenten überwiegend durch zwei Faktoren: Erschlaffte Muskeln und Fettpolster im Halsbereich drücken auf die Luftröhre. Spezielle Masken aber auch Zungenschrittmacher könnten Abhilfe schaffen. Die führen nicht nur zu erholsamerem Schlaf. Auch die Gefahr von Herzrhythmusstörungen und Schlaganfällen lässt sich durch eine entsprechende Therapie reduzieren.

Schlaflos im Alter

Der Referent berichtete vor rund 60 Besuchern im Haus Tiefenstraße zudem, dass je älter die Menschen werden, desto weniger zufrieden sie mit ihrem Schlaf sind. Dieser Eindruck täuscht meist nicht. „Über 65-Jährige liegen im Schnitt 8,75 Stunden im Bett, aber nur 75 Prozent dieser Zeit verbringen sie wirklich mit schlafen", erläuterte der Mediziner.

Aktiv schlafen

Ohne Schlaf, so viel ist sicher, kommt kein Mensch aus. „Die Müllabfuhr unseres zentralen Nervensystems arbeitet in der Nacht", so Dr. Jörg Schmitthenner. Dass der Schlaf „das Abbild des Todes" ist, wie die alten Römer es formulierten, stimmt also nicht. „Schlafen ist ein aktiver Prozess", so der Referent.

Dr. Jörg Schmitthenner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Klinikum Halle, referierte beim Kamingespräch über das weite Feld der Schlafstörungen. - © Birgit Nolte
Dr. Jörg Schmitthenner, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin im Klinikum Halle, referierte beim Kamingespräch über das weite Feld der Schlafstörungen. (© Birgit Nolte)

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