Polizist wirft Kippe auf die Straße - Frau aus Werther stellt ihn zur Rede

Heiko Kaiser

Symbolbild - © Symbolfoto: Pixabay
Symbolbild (© Symbolfoto: Pixabay)

Werther. Die Demonstration der Friday-For-Future-Bewegung in Werther verlief ruhig und ohne Beanstandungen durch die Polizei oder das Ordnungsamt. Allerdings erregte eine Begebenheit am Rande den Unmut eines Ehepaars aus Borgholzhausen. Auslöser war ausgerechnet ein Polizeibeamter.

Die beiden Borgholzhausener standen im Kreis der Demonstranten und hörten den Redebeiträgen vor dem Rathaus zu. Dabei beobachtete Lisa Griesmeyer, wie ein Polizist seine Zigarettenkippe auf den Gehweg warf, austrat und anschließend mit dem Fuß auf die Straße kickte. Sie sei zu ihm hingegangen und habe gesagt: „Das finde ich so nicht in Ordnung. Das geht nicht", berichtet sie. Die Reaktion erzürnte die Sprecherin des Kreisvorstands der Grünen noch mehr als das Wegwerfen der Kippe. Denn nach ihrer Aussage habe der Beamte gesagt: „Das war ja klar, dass hier jetzt so was kommt." „Was Sie machen, ist eine Ordnungswidrigkeit", habe sie erwidert. Daraufhin habe der Polizist die Zigarettenkippe aufgesammelt und im Auto entsorgt.

Als „nicht angemessen" empfindet Uwe Griesmeyer das Verhalten des Beamten, aber auch der beiden Kollegen an dessen Seite. „Ich habe ihnen gesagt, dass es doch ihre Aufgabe sei, den Kollegen darauf hinzuweisen, nicht die Zigarette auf die Straße zu werfen. Darauf hin bekam ich zur Antwort: „Drehen Sie sich um, der Text kommt von der anderen Seite (von den Rednern vor dem Rathaus, d. Redaktion)."

„Wir können dafür ein Bußgeld von fünf bis 1.000 Euro verhängen"

Noch drei Tage danach empört Uwe Griesmeyer dieses Verhalten. Er hatte zunächst eine offizielle schriftliche Beschwerde in Erwägung gezogen und sich zu diesem Zweck das Kennzeichen des Polizeifahrzeugs notiert. „Aber es geht mir ja nicht darum, einen einzelnen Beamten anzuschwärzen. Mir geht es vielmehr um das prinzipielle Verhalten. Ich will es öffentlich machen, um zu zeigen, dass so etwas einfach nicht geht. Von Polizeibeamten erwarte ich ein beispielhaftes Verhalten", so Uwe Griesmeyer.

Mark Kohnert, Polizeisprecher in Gütersloh, war der Vorfall Montag noch nicht bekannt. „Sollte es sich so abgespielt haben, ist das natürlich unglücklich. Aber dazu müssen erst einmal beide Seiten gehört werden", sagte er. So lange allerdings keine offizielle Beschwerde vorliege, werde man dem nicht nachgehen, fügte er hinzu.

Während beispielsweise in Bielefeld das Wegwerfen von Zigarettenkippen mit einem Ordnungsgeld von bis zu 40 Euro geahndet wird, gibt es nach Aussage von Jürgen Pilgrim, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Sozialwesen bei der Stadt Werther, keinen speziellen Bußgeldkatalog. „Wir können dafür ein Bußgeld von fünf bis 1.000 Euro verhängen", sagt er.

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Kommentar: Aufheben, fertig


Vor unachtsamen Momenten ist niemand gefeit. Auch nicht die Polizei. Und so geht es hier nicht darum, einen Beamten zu verurteilen, weil er seine Zigarettenkippe auf die Straße geworfen hat. Geschenkt. Es geht um das Danach. In dem Moment, wo auf die Ordnungswidrigkeit hingewiesen wird, gilt es, sich zu bedanken, die Kippe aufzuheben – fertig und vergessen. Niemand hat es gern, wenn ihm Verfehlungen vorgehalten werden. Und oft tun sich diejenigen besonders schwer damit, die das selbst täglich von Berufswegen tun. Gruß an die Lehrer. Aber einem Polizist muss in diesem Moment klar sein, dass er hier nicht persönlich, sondern vor allem als Repräsentant einer Behörde gemeint ist. Er trägt deshalb eine besondere Verantwortung. Man möge sich nur einmal die umgekehrte Situation vorstellen mit der Antwort: „Is’ klar, dass einer wie Du mir so kommt." Hier stünde dann möglicherweise der Vorwurf der Beamtenbeleidigung im Raum. Also: Wenn Achtung, dann von beiden Seiten.

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