Wertheraner Radweg-Posse: Zum Lückenschluss fehlen drei Meter

Morgen soll der erste Spatenstich für den Weiterbau an der Schröttinghausener Straße stattfinden. Dabei ist der »Lückenschluss« alles andere als in trockenen Tüchern.

Anja Hanneforth

Hier hört nicht nur der Radweg entlang der Schröttinghausener Straße auf, hier ist die Stadt auch nicht Eigentümerin der Fläche. Ihr fehlen einige Meter. Erst dort, wo auf dem Foto der Acker beginnt, verfügt sie wieder über die Flächen. - © Anja Hanneforth
Hier hört nicht nur der Radweg entlang der Schröttinghausener Straße auf, hier ist die Stadt auch nicht Eigentümerin der Fläche. Ihr fehlen einige Meter. Erst dort, wo auf dem Foto der Acker beginnt, verfügt sie wieder über die Flächen. (© Anja Hanneforth)

Werther-Häger. Stolz hatte es die Stadtverwaltung Anfang Oktober verkündet: Die Grundstücksverhandlungen seien zu einem guten Ende geführt worden, der Radweg entlang der Schröttinghausener Straße könne weitergebaut werden. Doch auch wenn morgen der erste Spatenstich für den zweiten Abschnitt vorgenommen wird und Anfang nächsten Jahres die gefährlichsten 500 Meter Richtung Schröttinghausen in Angriff genommen werden – von Lückenschluss kann nicht die Rede sein.

Nicht nur, dass zur Stadtgrenze nach Bielefeld 300 Meter fehlen; das war Politik und Verwaltung immer klar. Es fehlen auch einige Quadratmeter genau dort, wo der Radweg heute endet, nämlich am Sportplatz in Häger. Wie konnte das passieren? Leider habe man den Fehler gerade erst bei der Vermessung festgestellt, bedauert Bürgermeisterin Marion Weike auf Anfrage. Die Verwaltung habe jedoch bereits Kontakt zum Grundeigentümer aufgenommen.

2014 kam die Idee eines Bügerradweges

Seit Jahren fordern die Hägeraner einen Radweg nach Schröttinghausen. Die Straße ist kurvig, hat keinen Seitenstreifen, viele Autos fahren zu schnell. Entsprechend groß die Gefahr, hier zu Fuß oder mit dem Fahrrad unter die Räder zu kommen. Privatinitiativen, der Heimatverein und mehrere Parteien haben sich über die Jahre mit der Forderung an die Stadt gewandt. Lange ohne Erfolg, denn das Land hatte für die Maßnahme schlicht kein Geld.

Bis 2014 schließlich doch der erste Teil bis zum Sportplatz gebaut werden konnte und sich zwischenzeitlich die Idee eines Bürgerradwegs manifestierte. Plötzlich rückte der Weiterbau in greifbare Nähe, wenn er auch zunächst an den dafür nötigen Flächen scheiterte. Anfang Oktober dann die Wende: Die Verwaltung gab bekannt, dass man sich mit dem Grundeigentümer geeinigt habe und der Weiterbau erfolgen könne. Was nach dem symbolischen Spatenstich morgen Anfang 2020 passieren soll. Die entsprechenden Baumfällarbeiten wurden bereits durchgeführt.

"Es wird eine Lösung geben müssen"

Jetzt allerdings die erstaunliche Nachricht, dass ein paar Quadratmeter zum Radwegebau fehlen. Sie gehören eben nicht wie angenommen der Stadt, sondern befinden sich in Privatbesitz. „Unangenehm", kommentiert Bürgermeisterin Marion Weike die für die Verwaltung wenig erfreuliche Entwicklung, die beim Vermessen des Geländes für die anstehenden Bauarbeiten aufgefallen sei.

„Trotzdem wird es natürlich eine Lösung geben müssen", betont die Bürgermeisterin. Ein erstes Gespräch mit dem Grundeigentümer habe stattgefunden, sie sei optimistisch, dass ein Einvernehmen hergestellt werden könne. Das Gespräch sei jedenfalls sehr konstruktiv gewesen.

Der Grundstücksbesitzer bestätigt das Treffen, sagt aber auch, dass es eine Einigung bislang noch nicht gebe. Allerdings hält auch er einen Radweg an der Schröttinghausener Straße für wünschenswert, „allein wegen der Kinder".

"Keine Vermischung mit der Windradproblematik"

Stellt sich dennoch die Frage, was passiert, wenn er und die Verwaltung zu keiner Einigung kämen. Würden dann die Fördermittel, die es für den Bau gibt, dennoch fließen? Marion Weike betont, dass es im Zweifelsfall eine Zwischenlösung geben müsse, notfalls mit einem Schlenker entlang der Straße. Dass die Interessen des Grundeigentümers gewahrt bleiben müssen, steht für Weike außer Frage.

Außer Frage steht für sie auch, dass es keine Vermischung mit der Windradproblematik geben darf. So ist der Eigentümer der fehlenden Radwegefläche pikanterweise auch Eigentümer des Geländes, auf dem einmal Werthers zweites Windrad errichtet werden soll. Entsprechend groß sein Interesse am Bau der Anlage und entsprechend kritisch seine Sicht auf die Klage der Stadt dagegen. Ein mögliches »Tauschgeschäft« – er stellt der Stadt seine Flächen für den Radwegebau zur Verfügung, die Stadt lässt die Klage fallen – lassen beide Seiten unkommentiert.

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