Kopfrechnen? Kinderspiel! In Werther lebt ein Mathegenie (10)

Er kann einfach Zahlen:Der zehnjährige Noah Gabriel Peschke wird in seiner Altersklasse Deutscher Meister im Kopfrechnen. Jetzt nimmt er die EM im Mai 2020 in Basel ins Visier

Anja Hanneforth

Hectoc in unter einer Minute: Noah Gabriel Peschke löst die Zahlenrätsel in aller kürzester Zeit. Ziel ist es immer, eine festgelegte Reihe von Zahlen mit Plus-, Minus-, Mal-, Geteiltzeichen, Klammern und anderen mathematischen Zeichen so zu verbinden, dass am Ende eine 100 dabei herauskommt. - © Anja Hanneforth
Hectoc in unter einer Minute: Noah Gabriel Peschke löst die Zahlenrätsel in aller kürzester Zeit. Ziel ist es immer, eine festgelegte Reihe von Zahlen mit Plus-, Minus-, Mal-, Geteiltzeichen, Klammern und anderen mathematischen Zeichen so zu verbinden, dass am Ende eine 100 dabei herauskommt. (© Anja Hanneforth)

Werther. Gestern hat Noah Gabriel Peschke eine Mathearbeit geschrieben. Eine Schulstunde hatte er dafür Zeit. Nach 20 Minuten gab er die Arbeit ab. Vermutlich wird es eine Eins. Wäre nicht verwunderlich, denn Noah ist ein Mathegenie. Und seit dem vorvergangenen Wochenende Deutscher Meister im Kopfrechnen. Niemand in seiner Altersklasse hat ihn schlagen können.

Schon im Kindergarten habe er Zahlen toll gefunden, erzählt Noah, der in der Grundschule eine Klasse übersprungen hat und heute die 6 c des Evangelischen Gymnasiums besucht. Dabei ist es nicht so, dass er in seiner Freizeit nur das Rechnen im Kopf hat. Er spielt Fußball beim SV Enger-Westerenger, ist Fan des FC Bayern München, findet Tischtennis gut und Erdkunde. Auch in der Schule mag er nicht nur Mathe. „Nur Kunst finde ich nicht so toll", gibt er zu.

Zahlen sind allerdings seine besondere Leidenschaft. Keiner in seiner Klasse kann so schnell Kopfrechnen wie er, wahrscheinlich auch niemand sonst an der Schule. „Ich jedenfalls nicht", gesteht seine Mathelehrerin Stefanie Goedtke. „Er steckt mich komplett in die Tasche."

Bei der EM mit einem fünften Platz belohnt

Weil es am EGW keine Mathe-AG gibt, besucht Noah regelmäßig einen privaten Mathetreff. Hier hat er sich auch auf die Deutsche Meisterschaft vorbereitet. „Denn man kann das trainieren", erzählt er. Auch seine Schwester und seinen Vater hat er inzwischen mit seiner Leidenschaft angesteckt.

Dabei war die DM nicht der erste Wettbewerb für Noah. Im Frühjahr hat er bei der Europameisterschaft im Kopfrechnen im westfälischen Reken einen fünften Platz geholt, im Oktober war er bei der WM in Bielefeld dabei. Aufregend sei das gewesen, und gar nicht schlimm, dass er nicht gewonnen hat. Wobei: „Ein bisschen ärgerlich war es schon."

Am ersten November-Wochenende ging es für ihn also zur DM nach Emden. Hier musste er sich mit einem knappen Dutzend anderer Teilnehmer in der Altersklasse bis zehn Jahre messen – und in sieben Disziplinen: Strichrechnung, Punktrechnung, Wurzelziehen, Kalenderrechnen, Kettenaufgaben, Sachaufgaben und Hectoc.

Noah im Rechen-Duell mit Star-Koch Christian Rach

Hectoc findet Noah am besten. Und ist besonders gut darin, wie er beim  Fototermin am Donnerstag beweist. Es geht darum, in eine Reihe von sechs Zahlen mathematische Zeichen so einzubauen, dass am Ende als Ergebnis eine 100 bleibt. Nach kaum einer halben Minute hat Noah das Rätsel gelöst.

Kein Wunder, dass er der ideale Kandidat für das Fernsehformat »Klein gegen Groß« mit Kai Pflaume war. Im Mathe-Duell trat er im Sommer gegen Star-Koch Christian Rach an, verfolgt von Millionen Zuschauern an den Bildschirmen. Und Christian Rach war gefühlt der haushohe Favorit. Nicht nur, dass er selbst gut in Mathe ist – immerhin hatte er das Fach fünf Jahre lang studiert; er durfte auch einen Taschenrechner benutzen, während Noah es im Kopf versuchen wollte.

Der Ausgang war frappierend und ein blamables Resultat für Rach. In 90 Sekunden schaffte er gerade einmal zwei, Noah fantastische 20 Aufgaben. Eine beeindruckende Leistung des Zehnjährigen und im Studio mit stehenden Ovationen belohnt.

"Toll, dass wir so ein Talent an unserer Schule haben"

Logisch, dass das Duell Klassengespräch war. Stefanie Goedtke erlaubte, dass auch Noahs Klassenkameraden die Aufzeichnung miterleben durften. Fernsehen im Matheunterricht, Popcorn inklusive.

Bei so viel Können stellt sich die Frage, ob dem Mathegenie der normale Unterricht nicht viel zu langweilig ist. „Nö", meint Noah. Ja, er könne die meisten Aufgaben recht schnell lösen. Aber er müsse auch mal nachfragen, wenn er etwas nicht verstehen würde.

Sein Ziel: eine Medaille bei der Europameisterschaft

Seine Klassenkameraden haben sich längst an die außergewöhnliche Begabung Noahs gewöhnt, bitten ihn ihrerseits schon mal um Hilfe. „Denn er hat nicht nur eine schnelle Auffassungsgabe, sondern kann auch gut erklären", bescheinigt ihm seine Lehrerin.

Schulleiter Christian Kleist ist ohnehin ein Fan des jungen Schülers. „Toll, dass wir so ein Talent an unserer Schule haben", freut er sich. Klar, dass er den Zehnjährigen wieder beurlauben wird, wenn es zum nächsten Wettbewerb geht. Das wäre die Europameisterschaft im Kopfrechnen im Mai 2020 in Basel. Ob er eine Teilnahme plant? „Kann sein", antwortet Noah. Wenn ja, gäbe es schon ein großes Ziel: „Eine Medaille zu gewinnen – das wäre super ..."

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