Aktion Mensch: 143.000 Euro für die Integration von Flüchtlingen in Werther

Große Freude: Die Aktion Mensch unterstützt die Ehrenamtskoordination der örtlichen Flüchtlingsinitiative mit 143.000 Euro. Damit werden auch ganz neue Projekte möglich

Anja Hanneforth

Sehen sich für die Zukunft gut aufgestellt: Über die Förderung durch die Aktion Mensch freuen sich - von links: Pastorin Silke Beier, die Ehrenamtskoordinatoren Stefan Schemmann und Birgit Wolf, ÖFI-Ehrenamtliche Carola Mühlenweg sowie Rainer Hartwig-Clasmeier von der Diakonie Halle. - © Anja Hanneforth
Sehen sich für die Zukunft gut aufgestellt: Über die Förderung durch die Aktion Mensch freuen sich - von links: Pastorin Silke Beier, die Ehrenamtskoordinatoren Stefan Schemmann und Birgit Wolf, ÖFI-Ehrenamtliche Carola Mühlenweg sowie Rainer Hartwig-Clasmeier von der Diakonie Halle. (© Anja Hanneforth)

Werther. Endlich ist für den Mann aus Syrien Licht am Horizont zu erkennen. Er hat mit seiner Familie in Werther eine Wohnung gefunden, die Verständigung auf Deutsch klappt immer besser, die Qualifizierungsmaßnahme läuft gut, gerade findet ein Gespräch mit Flüchtlingsberater Stefan Schemmann statt. Doch plötzlich klingelt sein Telefon und seine Welt gerät abermals aus den Fugen. Der Mann muss mit anhören, wie nach einem Anschlag in seiner Heimat Panik ausbricht. „Plötzlich wird die Angst der Menschen durchs Telefon greifbar", beschreibt Stefan Schemmann. „Wir sitzen hier in unserem warmen Zimmer und erleben doch irgendwie das Kriegsgeschehen mit."

Viele, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind, haben Situationen wie diese schon erlebt. Sie machen hilflos, „in solchen Momenten können wir nur da sein, zuhören, Mut zusprechen", sagen Stefan Schemmann und seine Kollegin Birgit Wolf. Beide sind in Werther als Ehrenamtskoordinatoren tätig und erzählen, dass die große Flüchtlingswelle zwar abgeebbt sei. Doch die Arbeit sei nicht weniger geworden. „Nur anders."

"Das, was ich gebe, kriege ich zigfach zurück"

Rund 170 Flüchtlinge leben derzeit in Werther. Etwa die Hälfte ist anerkannt, bei den übrigen läuft das Asyl- oder das Klageverfahren. Vor allem aber sind es 19 Familien mit rund 60 Kindern, um die sich das Team der Ökumenischen Flüchtlingsinitiative (ÖFI) kümmert.

„Unsere Schwerpunkte haben sich inzwischen verschoben", erzählt Birgit Wolf. Sei es anfänglich um ganz existenzielle Hilfen gegangen, stehe nun die Integration in die Wertheraner Gesellschaft im Mittelpunkt.

Mehr als ein  »Weiter so«

Dass ihre erfolgreiche Arbeit auch 2020/21 fortgesetzt werden kann, freut Birgit Wolf und Stefan Schemmann sehr. Die Aktion Mensch hat zugesagt, die Ehrenamtskoordination der ÖFI mit 90 Prozent zu fördern, in Summe mit 143.000 Euro. Der Rest wird durch Spenden und die Kirchengemeinden getragen. Ein deutliches Signal, wie wichtig allen die Integration der Flüchtlinge vor Ort ist.

„Wir wollen aber nicht nur ein »Weiter so«", kündigen Wolf und Schemmann an, sondern neue Schwerpunkte setzen. Den Kontakt zu heimischen Firmen aufnehmen, um Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, die Teilhabe an Bildung vorantreiben, örtliche Vereine ansprechen und in die Flüchtlingsarbeit einbeziehen, bei der Traumabewältigung helfen und Flüchtlinge selbst in die Ehrenamtsarbeit einbeziehen. „Nur, wenn alle Puzzleteile ineinandergreifen, kann dies wirklich gelingen", weiß Rainer Hartwig-Clasmeier von der Diakonie in Halle.

40 aktive Ehrenamtliche engagieren sich aktuell in der ÖFI. Die noch weiter wachsen soll. Welchen Grund es für ein solches Engagement gäbe? Cordula Mühlenweg bringt es auf den Punkt: „Das, was ich gebe, kriege ich zigfach zurück."

Info
Noch Sprachpaten gesucht

Die ÖFI sucht weitere Ehrenamtliche, die sich mit Flüchtlingen unterhalten. „Weil eine Integration nur mit Sprachkenntnissen gelingen kann", betonen die Ehrenamtskoordinatoren Birgit Wolf und Stefan Schemmann. Viele Flüchtlinge, erzählen sie, hätten inzwischen die Sprach- und Integrationskurse besucht. „Doch für viele Alltagssituationen reichen ihre Deutschkenntnisse noch nicht." Daher möchte die ÖFI ein Angebot schaffen, in dem Flüchtlinge das Sprechen üben können. Hier könne es durchaus um konkrete Anlässe wie Besuche beim Arzt, in der Schule oder beim Einkauf gehen. In der Praxis sieht es so aus, dass sich die Ehrenamtlichen selbstständig mit »ihrem« Flüchtling verabreden. Bei ihnen zu Hause, im Gemeindehaus oder in einem Café. Den Kontakt zu den Flüchtlingen stellen zuvor die Ehrenamtskoordinatoren her. Wer sich angesprochen fühlt: Über Anfragen freuen sich Birgit Wolf unter Telefon (01 71) 4 42 53 73 oder birgit.wolf@diakonie-halle. de und Stefan Schemmann unter Telefon (01 71) 6 74 74 89 oder stefan.schemmann@diakonie-halle.de.

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