Ein Hund für die Schule: Warum Kenai jetzt regelmäßig den Unterricht besucht

Claus Meyer

Der Neue in der Klasse: Schulhund Kenai mit Aileen Gehle und Michael Strangmann. - © Claus Meyer
Der Neue in der Klasse: Schulhund Kenai mit Aileen Gehle und Michael Strangmann. (© Claus Meyer)

Werther. Es gibt ein Leckerli und Liebkosungen. Eine Schülerin trägt für Kenai den Knautschball. Interessiert folgt der Goldendoodle dem Geräusch. „Kenai zaubert ein Lächeln auf die Gesichter der Schüler", sagt Gesamtschullehrerin Aileen Gehle, der Kenai gehört. „Und er kann einige Schüler aus einem Loch herausholen." Wie macht er das?

Kenai als Schulhund

Der vierjährige Kenai ist eine Mischung aus Golden Retriever und Großpudel. Der Hybridhund wird sein rund 20 Jahren gezüchtet. Für Aileen Gehle ist der Goldendoodle eine ideale Mischung für einen Schulhund. „Der Pudel ist sehr intelligent. Der Golden Retriever hat den ,Will to please’", sagt sie. Er möchte also gefallen. Zudem gilt der Goldendoodle als ein Hund mit hoher Reizschwelle. Ihr Zwergpinscher Sunny wäre deshalb als Schulhund wohl eher ungeeignet, gibt Gehle lächelnd zu. Kenai durchläuft derzeit begleitend eine rund einjährige Ausbildung zum Schulhund.

Im Vorfeld

„Wir haben intensive Diskussionen geführt", sagt der stellvertretende Schulleiter Michael Strangmann. „Was machen wir zum Beispiel mit Allergikern. Was mit Kindern, die Angst vor Hunden haben?" Goldendoodles haaren kaum und sind daher geeignet für Allergiker. Wer nicht möchte, muss Kenai auch nicht streicheln. Aileen Gehle legte ein 14-seitiges Konzept für hundegestützte Pädagogik vor. Am Ende stand der Entschluss, es mit einem Schulhund zu versuchen – das erste Mal in der PAB-Gesamtschule.

Die Ziele

Kenai soll unter anderem Stressreduzierer und Kontaktanbahner in der Klasse sein. Kinder, die sich sonst eher meiden, kommen mithilfe des Hundes ins Gespräch – das stärkt den Klassenverband. Halten Schüler Referate, so haben Studien festgestellt, dass ihr Puls mit einem Hund an der Seite niedriger ist. Auch bei Konzentrationsproblemen könnten Schulhunde helfen, heißt es in der hundegestützten Pädagogik. „Rabauken werden reflektiert", ergänzt Aileen Gehle und verweist darauf, dass der Umgangston im Beisein von Kenai rücksichtsvoller wird. „Es sind die Effekte, die wir uns erwünscht haben", sagt Michael Strangmann.

Im Unterricht

Ein Ziel beim Einsatz eines Schulhundes ist es, die Lernmotivation zu verbessern. Aileen Gehle nennt Beispiele aus Unterricht und Arbeitsgemeinschaften. So lesen Schüler in der Leseförderung Kenai vor. „Das geht besser als mit Lehrern", sagt Aileen Gehle. Das überrascht, denn Kenai dürfte nicht viel verstehen. Entscheidend sei aber, dass der Hund nicht wertet, nicht verbessert und niemals über Fehler lacht. „Besonders Schüler und Schülerinnen, die im Unterricht schüchtern sind, profitieren davon", sagt Aileen Gehle.

Bei Mathematik ist es ähnlich. Sitzen die Schüler in Kleingruppen zusammen und versuchen sich an einer Aufgabe, trägt Kenai das Ergebnis an seinem Halstuch. Sind die Schüler fertig, rufen sie ihn herbei und gleichen ihr Resultat mit dem ab, das Kenai ihnen zuträgt. „Die Motivation ist hoch, die Aufgabe zu lösen", sagt Aileen Gehle.

Oft ist Kenai aber im Unterricht von Aileen Gehle aber auch »nur« präsent. Für Fünft- bis Zehntklässler ist er dann einfach ein Klassenkamerad. Er bewegt sich im Klassenraum und nimmt Kontakt zu Kindern auf, die dies wünschen. Umgekehrt können die Schüler auch ihn mit Streicheleinheiten verwöhnen – aber nie mehr als zwei Schüler auf einmal.

Pausen auch für Kenai

Kenai ist nicht jeden Tag im Einsatz. Derzeit nimmt ihn Aileen Gehle einmal in zwei Wochen mit zur Schule. Sie möchte den Takt künftig eventuell auf zwei Tage pro Woche steigern. Am gestrigen Mittwoch hatte der Goldendoodle seinen zweiten Schultag. Kenai darf sich in drei Räumen der Gesamtschule aufhalten: im Pavillon, in einem Kunstraum und einem Klassenraum. Ruhe findet er im Nebenraum des Pavillons, wo auch seine Box steht. Und Leckerlis gibt es hier auch.

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