Werthers Backhaus-Ärger geht weiter

Für und Wider: Im Grunde finden viele Bürger das Projekt wünschenswert. Doch der interne Zwist in Häger ist auch im Hauptausschuss nicht zu überhören

Anja Hanneforth

Im Stil des Bücherhauses: So könnte das künftige Backhaus in Häger aussehen. Errichtet werden soll es nach Vorstellungen des Vereins etwa dort, wo sich heute der Fahrradständer des Bürgerhauses befindet. - © Knut Weltlich
Im Stil des Bücherhauses: So könnte das künftige Backhaus in Häger aussehen. Errichtet werden soll es nach Vorstellungen des Vereins etwa dort, wo sich heute der Fahrradständer des Bürgerhauses befindet. (© Knut Weltlich)

Werther. Das geplante Backhaus in Häger schlägt hohe Wellen. War es schon in der Einwohnerversammlung am Freitagabend hoch her gegangen, waren die Unstimmigkeiten auch am Dienstagabend im Hauptausschuss nicht zu überhören. Einmal musste sogar Bürgermeisterin Marion Weike einschreiten, bevor die Sache gänzlich aus dem Ruder lief. Vielleicht war es am Ende gut, dass die Frist zum Beantragen von Fördermitteln bereits am Montag abgelaufen war. So haben alle Beteiligten Zeit, ihren Zwist zu begraben und bestenfalls eine gemeinsame Lösung zu finden.

Knapp eine Stunde lag zwischen dem Beginn der Debatte und der Entscheidung des Backhausvereins, den Antrag auf Zur-Verfügung-Stellen eines Grundstücks zurückzuziehen. Es war eine heiße Stunde, die mehr als deutlich machte, wie verhärtet die Fronten in Häger sind. Da fühlen sich ganz offenkundig Leute nicht mitgenommen, nicht rechtzeitig informiert, Vereine fürchten um den Verlust eigener ehrenamtlicher Kräfte, wenn mit dem Backhaus noch mehr Ehrenamt eingefordert wird, sorgen sich über mögliche Geruchsbelästigung durch den Rauch an künftigen Aktionstagen und die Zerstörung des bestehenden Ensembles auf der Dorfwiese.

"Wir wollen niemandem etwas wegnehmen"

Knut Weltlich, Vorsitzender des Backhausvereins, und Vorstandsmitglied Erika Sahrhage versuchten, die Bedenken aus dem Weg zu räumen, und erläuterten die Grundzüge des Vorhabens: Das Haus 7,75 mal 4,20 Meter groß, der Steinofen für knapp 50 Brote ausgelegt, der Standort etwa dort, wo sich heute der Fahrradständer am Bürgerhaus befindet. Rund 35 Backtage und -seminare über das Sommerhalbjahr verteilt, dazu der Druck eines Backbuchs, um die laufenden Kosten zu decken. Städtische Gelder würden keine benötigt, die Baukosten in Höhe von 70.000 Euro durch Mittel des Landes, der NRW-Stiftung, Sponsoren und Eigenleistung finanziert. Dachdecker und Bäckermeister seien bereits gefunden. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen, sondern eine weitere Attraktion in Hägers Dorfmitte schaffen", betonten die Antragsteller.

Wenn aus der Sache etwas werden soll, das machten Vertreter sämtlicher Fraktionen am Dienstagabend deutlich, muss ein Konsens her. Sie schlugen daher vor, der Backhausverein möge noch einmal mit dem Heimatverein, dem SV, der Feuerwehr, der Kita, der Kindertagespflege und den Nachbarn sprechen und nach einer gemeinsamen Lösung suchen. Bürgermeisterin Marion Weike zeigte sich bereit, erneut die Moderation zu übernehmen. „Dann könnten im nächsten Jahr die Fördergelder und die Freigabe des Grundstücks beantragt werden."

KOMMENTAR: Über seinen Schatten springen

Die Fronten in Häger sind verhärtet, das ist seit der Einwohnerversammlung vom Freitagabend klar. Da gibt es viele, offenkundig seit Monaten schwelende Befindlichkeiten, die sich jetzt lautstark Bahn brachen. Dabei würden viele Bürger im Ort ein Backhaus durchaus begrüßen. Besonders dann, wenn sich Unstimmigkeiten über Standort, Größe und ehrenamtlichen Einsatz aus dem Weg räumen ließen. Es ist nie leicht und kostet immer Kraft, über seinen Schatten zu springen und auf vermeintliche Gegner zuzugehen. Wenn es aber gelingen könnte, dann würde nach Dorfladen, Boule-Bahn, Bücherhaus und Bauerngarten abermals etwas entstehen, um das viele andere Orte Häger beneiden.

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