"Die Optik muss stimmen": Politik diskutiert über Aldi-Neubau in Werther

Freie Rede hinter verschlossener Tür: Ein Arbeitskreis aus Vertretern zweier Ausschüsse filtert Vorschläge für das H.W.Meyer-Gelände. Dabei kommt ausdrücklich alles auf den Tisch

Anja Hanneforth

Ein Filetstück erster Güte: Das ist das ehemalige H.W.Meyer-Gelände, in dem sich aktuell die Fitness-Factory befindet. Wie berichtet existiert eine Bauvoranfrage für einen Aldi-Markt, die Politik könnte sich hier aber noch ganz andere Entwicklungen vorstellen. - © Anja Hanneforth, HK
Ein Filetstück erster Güte: Das ist das ehemalige H.W.Meyer-Gelände, in dem sich aktuell die Fitness-Factory befindet. Wie berichtet existiert eine Bauvoranfrage für einen Aldi-Markt, die Politik könnte sich hier aber noch ganz andere Entwicklungen vorstellen. (© Anja Hanneforth, HK)

Werther. Wenn die Politik die Türen des Sitzungssaals hinter sich schließt und die Presse draußen bleiben muss, bedeutet das meist nichts Gutes. In diesem Fall liegt die Sache aber wohl anders. Das Aussperren der Öffentlichkeit hatte einen nachvollziehbaren Grund: Die Politiker wollten ungestört ausloten, wie das H.W.Meyer-Gelände künftig einmal aussehen könnte. Dass sie dabei nicht der alleinige Spieler sind – die Fläche befindet sich in Privatbesitz, nicht in städtischer Hand – macht die Sache kompliziert.

Wie berichtet hatte eine Projektgesellschaft aus Burgdorf Anfang des Jahres eine Bauvoranfrage für das prominente Grundstück gestellt mit dem Ziel, hier einen Aldi-Markt zu errichten. Die Politik, alles andere als begeistert über den zu erwartenden Zweckbau, wusste sich nur zu helfen, indem sie die Entscheidung zurückgestellt und ein Bebauungsplanverfahren auf den Weg gebracht hat. Etwas, das der Grundeigentümer mit juristischen Schritten beim Verwaltungsgericht in Minden beantwortet hat. Eine Entscheidung in der Sache steht noch aus. Dafür trafen sich am Montag die Politiker für den nächsten Schritt im Verfahren, eine nicht öffentliche Arbeitskreissitzung.

Zwei Stunden lang nahmen Mitglieder des Planungs- und des Stadtentwicklungsausschusses zusammen mit Vertretern der Verwaltung das kaum ein Hektar große Grundstück in allerbester Lage in den Blick. Moderiert wurde der Abend von zwei Stadtplanern des Büros Enderweit + Partner, die noch einmal die rechtlichen Möglichkeiten darlegten und aufzeigten, was städtebaulich realistisch ist und was nicht.

"Uns geht es nicht darum, einen Aldi-Markt zu verhindern"

Um es vorweg zu nehmen: „Unserer Fraktion geht es nicht darum, einen Aldi-Markt zu verhindern", betonte Birgit Ernst für die CDU. Allerdings müsse die Optik stimmen. Was die Vertreter der übrigen Fraktionen ähnlich sahen.

Frei konnten sie an diesem Abend äußern, was ihnen für die Fläche vorschwebt. Alles kam auf den Tisch: Einzelhandel, auch großflächig – an dieser Stelle der Innenstadt erlaubt –, normales Gewerbe, Wohnen oder eine Verbindung aus allem. Vielleicht ein Gebäude mit Geschäften unten und Wohnungen oben, auf jeden Fall städtebaulich ansprechend, mit Parkplätzen möglicherweise in einer Tiefgarage.

Um noch mehr Ideen zu filtern, wurden Arbeitsgruppen gebildet, per Losentscheid in immer neuer Besetzung. „Das war ziemlich gut", kommentierte Rainer Schütz (SPD), und die Sprecher der übrigen Fraktionen sahen es uneingeschränkt genauso. Sie lobten die Atmosphäre, die es möglich gemacht habe, ohne Zwang alles zusammenzutragen, was für das Gelände wünschenswert wäre. Wohl wissend, dass nicht alle Pläne eine Chance auf Realisierung haben.

Auch ein Kauf des Geländes durch die Stadt war offenkundig Thema

Es ging um die architektonische Ausgestaltung, um Verkehrsführung, Fußwege in die Innenstadt, eine mögliche Begradigung des Geländes, einen Architektenwettbewerb, eine gastronomische Nutzung. Auch ein Kauf des Geländes durch die Stadt war offenkundig Thema, genau wie das Erwirken eines Vorkaufsrechts.

Einig waren sich die Politiker vor allem in einem Punkt: Dass es sich hier um das Entree der Stadt handelt, ein Filetstück erster Güte, das die Stadt über Jahrzehnte prägen wird. Entsprechend wichtig war den Ratsvertretern die Optik. „Da sollten wir städtebaulich nach der besten Lösung suchen", sagten die Politiker fraktionsübergreifend. Und es sollte, auch das war allen wichtig, eine Lösung im Konsens sein.

Im nächsten Schritt werden die Planer nun die Ergebnisse zusammentragen und der Politik zur weiteren Beratung vorlegen.

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