Über 100 neue Wohnhäuser für Werther: Süthfeld II wird bebaut

Zumindest eine Teilbebauung wird wohl kommen, denn die umliegenden Straßen könnten die zusätzliche Verkehrsbelastung verkraften. Kritische Stimmen gibt es trotzdem

Anja Hanneforth

Könnte bald bebaut werden: Das Süthfeld II umfasst eine Fläche von rund zehn Hektar. Unten im Bild die Bransheide, davon abgehend nach rechts die Heinrichstraße, mittig rechts die Schloßstraße mit dem daran angrenzenden Blumenfeld. Auch eine Teilbebauung nördlich oder südlich der freistehenden Hoffläche wäre denkbar. - © Ulrich Fälker
Könnte bald bebaut werden: Das Süthfeld II umfasst eine Fläche von rund zehn Hektar. Unten im Bild die Bransheide, davon abgehend nach rechts die Heinrichstraße, mittig rechts die Schloßstraße mit dem daran angrenzenden Blumenfeld. Auch eine Teilbebauung nördlich oder südlich der freistehenden Hoffläche wäre denkbar. (© Ulrich Fälker)

Werther. Ausgesprochen hat es am Mittwochabend zwar niemand, doch die Zeichen für das viel diskutierte Süthfeld II stehen auf »Go«: Die umliegenden Straßen könnten die hochgerechnet 900 zusätzlichen Autofahrten pro Tag aushalten, auch in den Spitzen des Berufsverkehrs wären die Belastungen an den Knotenpunkten der umliegenden Kreuzungen zu tolerieren, eine Entlastungsstraße wäre nicht erforderlich. Auch nicht, und das dürfte die entscheidende Aussage von Sören Stock gewesen sein, wenn die kompletten zehn Hektar bebaut würden. Am Mittwochabend stellte der Ingenieur der Aachener Gesellschaft IVV die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung im Ausschuss für Stadtentwicklung vor.

Seit mehr als 20 Jahren wird in Werther über eine Bebauung des Süthfelds II nachgedacht. Konkreter wurden die Pläne nie, weil es immer hieß, dass die umliegenden Straßen den zusätzlichen Verkehr nicht aufnehmen könnten. Eine neue Straße zu bauen wäre wohl schon am Grunderwerb gescheitert.

Kommentar
Weichen sind gestellt

Gert Klages (SPD) hat Recht, wenn er sagt, dass ein positives Signal der Verkehrsuntersuchung nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass die Politik auch für das Baugebiet stimmt. Schließlich gibt es noch zahlreiche weitere Aspekte zu berücksichtigen. Doch Karl-Hermann Grohnert (CDU) hat genauso Recht, wenn er fragt, was denn die Alternativen zum Süthfeld II sind. Womit Werthers Kommunalpolitiker vor einer Grundsatzentscheidung stehen: Wollen sie, dass Werther wächst und dem demografischen Wandel entgegentritt? Oder wollen sie den Flächenfraß verhindern, das wertvolle Grünland erhalten und die Anwohner der betroffenen Straßen schützen? Die Weichen für einen richtungsweisenden Beschluss sind gestellt.

Anja Hanneforth

Entsprechend war der Zwischenbericht von Sören Stock mit Spannung erwartet worden, sollte er doch Auskunft geben, ob zumindest eine teilweise Bebauung der Fläche in Frage kommt. Um es vorweg zu nehmen: sie kommt.

24 Stunden: Umliegenden Straßen und Kreuzungen im Blick

An einem Dienstag im Mai hatte das Büro IVV die Verkehrssituation in Werthers Süden in den Blick genommen, von 6 bis 19 Uhr, an allen größeren Straßen, Kreuzungen und Verbindungsstrecken, über die die künftigen Verkehre rollen würden. Die zu erwartenden Verkehrsbewegungen wurden nach einem üblichen Schlüssel hochgerechnet, sagte Stock, die Zahlen könnten maximal um zehn oder 15 Prozent nach oben oder unten abweichen.

Die Ergebnisse waren dennoch eindeutig: Eine Teil- und sogar eine Maximalbebauung wäre zumindest aus verkehrstechnischer Sicht möglich. Vier Varianten hat der Planer durchgespielt:

Variante 1

Sie sieht eine Bebauung auf knapp 3.000 Quadratmetern lediglich entlang der Schloßstraße vor. Das Verkehrsaufkommen der 14 Neubürger wäre so gering, dass sich keine nennenswerte Veränderung ergeben würde.

Variante 2

Sie ist deutlich größer und umfasst die Bebauung des nördlichen Teilgebiets zwischen Walterstraße, Schloßstraße, Heinrichstraße und Bransheide oberhalb des Sieks. Auf guten fünf Hektar rechnet der Planer mit einem Plus von 264 Einwohnern und knapp 500 Autofahrten täglich. Nach Aussage Stocks müsse der gesamte Verkehr über die Schloßstraße abgewickelt werden. Von hier würden sich die Autos Richtung Haus Werther und Innenstadt (55 Prozent) sowie Walterstraße/Grünstraße/Bielefelder Straße (40 Prozent) verteilen.

Variante 3

Sie erstreckt sich im Süden des Areals unterhalb des Sieks zwischen Bransheide und Zur Mehrwiese. Gute vier Hektar groß, kalkuliert der Planer mit gut 200 Einwohnern und knapp 400 Autofahrten täglich. Die Verkehre würden über die Straßen Zur Mehrwiese und Bransheide abgewickelt, 65 Prozent davon führen dann weiter über Oststraße und Schwarzer Weg zur Bielefelder Straße. Diese Variante hielt Stock für leichter umsetzbar als die nördliche Variante.

Variante 4

Sie sieht eine Bebauung der gesamten Fläche vor, die 470 neue Einwohner und fast 900 tägliche Autofahrten bedeuten würde. Am stärksten belastet wäre in diesem Fall die Auffahrt vom Neubaugebiet auf die Schloßstraße, doch auch darüber hinaus müssten sowohl die Wege in die Innenstadt als auch Richtung Kreuzung Bielefelder Straße mit deutlich mehr Verkehr rechnen. Insgesamt jedoch, machte Stock deutlich, wäre eine Vollbebauung machbar. Selbst bei ihr lägen die Verkehrsaufkommen weit unter den Richtwerten, die als nicht mehr tolerierbar gelten würden.

„Wir dachten immer, dass sich das Süthfeld II nur mit einer Entlastungsstraße realisieren ließe. Umso erfreuter sind wir jetzt zu hören, dass eine Bebauung auch ohne möglich ist", sprach Karl-Hermann Grohnert für die CDU. Georg Hartl (SPD) war hingegen skeptisch und goss nach eigenen Worten „Wasser ins Glas Wein der CDU", indem er vor „beträchtlichen 20 Prozent mehr Verkehrsaufkommen" warnte.

Ja, konterte Grohnert, Belastungen für die Bewohner etwa von Schwarzem Weg, Oststraße, Walterstraße und Zur Mehrwiese seien nicht von der Hand zu weisen, aber eben auch nicht zu ändern. „Die Alternative wäre, gar nicht zu bauen." Wenn man aber in Werther etwas machen wolle, dann hier.

Es gab noch mehr kritische Anmerkungen an diesem Abend: zur erheblichen Belastung der Anlieger während der rund dreijährigen Bauphase, zu Gefahren für Fußgänger, Radfahrer und Schülerströme speziell zu Schulbeginn und Schulschluss, zu Gefährdungspotenzialen, wenn sich auf den schmalen Straßen zwei Autos begegnen und dann noch Radfahrer dort fahren, außerdem zur Staugefahr am Nadelöhr Schwarzer Weg/Bielefelder Straße.

Bevor Politik und Verwaltung demnächst in konkretere Planungen einsteigen, nehmen die Ratsvertreter nun erst einmal die neuen Erkenntnisse mit in ihre Fraktionen.

INFO: Süthfeld II in Zahlen

Das geplante Baugebiet Süthfeld II liegt zwischen Schloßstraße, Bransheide, Zur Mehrwiese und Walterstraße, ist knapp zehn Hektar groß und aktuell Ackerland. Bei einer Komplettbebauung würden hier zwischen 100 und 200 Wohngebäude entstehen, hauptsächlich Ein-, aber auch Zwei- und Mehrfamilienhäuser. Knapp 500 Bürger würden hier eine neue Heimat finden.

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